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Bieck: "Der Versicherer muss Optimierer werden"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Branche steht ein epochaler Wandel ins Haus. Versicherungen werden obsolet und Vertrauen zur alles entscheidenden Währung. "Der Versicherer wird zum Optimierer von Systemen und verhindert Schäden", prognostiziert Christian Bieck, Insurance Leader von IBM im zweiten Teil des Exklusiv-Interviews mit VWheute. Zudem erklärt er, warum die Versicherungsbranche nicht mehr nur über Deckungsfragen nachdenken darf.
VWheute: In ihrer Studie schwingt immer mit, dass die Versicherer umdenken müssen, um zu bestehen.
Christian Bieck: Das Denken der Versicherungsbranche dreht sich um das Thema Deckung. Das wird zukünftig nicht mehr funktionieren. Wenn die Systeme am Rand (Edge-Systems), zum Kunden oder Unternehmen hin, über kognitive Systeme immer smarter werden, dann sinkt das Risiko von Schäden. Und damit auch automatisch die Bedeutung von Deckung. Ein kluges System minimiert die Schäden bereits. Daher muss ein zukunftsfähiges Unternehmen weg vom Gedanken der Deckung und sollte sein Handeln darauf ausrichten, Schäden von vornherein zu minimieren oder zu verhindern.
VWheute: Die Aufgabe eines Versicherers wandelt sich also?
Christian Bieck: Absolut. Risiko ist nicht gleich Schaden. Der Versicherer berät den Kunden als Profi in Sachen Schaden und Schadenwahrscheinlichkeit beim Thema Prävention. Manche Unglücke können nicht verhindert werden, aber ein Smart-Home kann per Sensoren viele Schäden, beispielsweise an Leitungen oder Kabeln, frühzeitig erkennen und so den Schaden verhindern. In diese Richtung verändert sich die Aufgabe des Versicherers, eine komplett andere Art der Leistung. Der Versicherer wird zum Optimierer von Systemen und verhindert Schäden, dafür bekommt er dann seine Gebühr.
VWheute: Ist das System auf andere Bereiche übertragbar?
Christian Bieck: Das ist es in der Tat, beispielsweise auf die Krankenversicherung. Alleine der Begriff Krankenversicherung beinhaltet ja bereits das Deckungsprinzip. Hingegen verfolgt man mit dem Begriff Gesundheitsversicherung einen vorausschauenden Ansatz. Ich sorge dafür, dass der Kunde ohne Krankheit hundert Jahre alt wird. Der Kunde will nicht krank werden.
VWheute: Ein heikles Feld, der Kunde muss dem Versicherer ja dann alle relevanten Daten zur Verfügung stellen – auch unangenehme Aspekte wie Drogen. Bei einem Smart-Home mag das ja angehen, aber der Bereich Körper ist hochprivat. Sind die Menschen dazu bereit?
Christian Bieck: Aus heutiger Sicht: Nein. Was sind die Voraussetzungen, dass jemand die Bereitschaft zum Daten teilen hat, das ist die zentrale Frage. Hat der Kunde das Gefühl, vom Teilen zu profitieren, wird er es auch tun. Dass er das aktuell nicht möchte, ist im Kern ein Vertrauensproblem der Kunden gegenüber den Versicherern. Diese denken in Schäden und Gewinnen, das ist eine rückwärtsgewandte Sicht. Diese Wahrnehmung müssen die Versicherer ändern, um weiter bestehen zu können.
VWheute: Schwierige Aufgabe ...
Christian Bieck: Gelingt das nicht, werden die Regulierer beim Teilen von Daten einschreiten oder die Kunden die Zusammenarbeit verweigern. Wenn andere Wirtschaftsbereiche dieses Vertrauensproblem lösen, wird die sogenannte Swarm-Economy ohne die Versicherer stattfinden. Andere Unternehmen werden Schäden minimieren und die Versicherer werden in unbedeutende Systeme abgedrängt.
VWheute: Wir haben in diesem Gespräch einige heiße Eisen angepackt, ein abschließendes Fazit?
Christian Bieck: Die Entwicklung wird viel schneller gehen, als wir uns das vorstellen. Die Zukunft kommt, ob es die Versicherer wollen oder nicht.
Das Gespräch führte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.
Bild: Christian Bieck (Quelle: IBM)
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