Märkte & Vertrieb

"Fusionen schaffen große Unruhe"

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Aus zwei macht eins lautet das Grundprinzip von Firmenfusionen. In vielen Fällen streben die Beteiligten "eine Marktführerschaft an, die naturgemäß mit großen Vorteilen verbunden ist", erklärt der M&A-Experte und Dax-30-Insider Jochen Reichert im Exklusivinterview mit der Versicherungswirtschaft. Er weiß, wieso Mega-Deals der Größenordnung Allianz/Dresdner Bank häufig scheitern. 
VWheute: Wachstum, so heißt es im volkswirtschaftlichen Diskurs, ist eine immerwährende unternehmerische Anstrengung. Das Streben nach Wachstum alleine macht Unternehmen nicht erfolgreich, doch ohne geht es nicht. Geht es bei Fusionen und Übernahmen wirklich primär darum? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Jochen Reichert: Für Fusionen und Übernahmen gibt es unterschiedliche Gründe. Häufig streben die Beteiligungen eine Marktführerschaft an, die naturgemäß mit großen Vorteilen verbunden ist. Manchmal geht es aber auch nur darum, den Anschluss an größere Wettbewerber zu halten, Ressourcen zu bündeln und somit den Bedürfnissen, Forschungs- und Investitionserfordernissen gerecht zu werden, Rechnung zu tragen. Auch wenn Größe allein nicht genügt, so verspricht die Zusammenführung von Unternehmen in aller Regel eine Steigerung der Effizienz und eine Senkung der Kosten durch die Hebung von Synergiepotentialen.
VWheute: In der Versicherungswirtschaft wird immer wieder über Großfusionen spekuliert – sowohl bei Big Playern wie Axa, Allianz oder Generali als auch bei regionalen Akteuren. Wieso sind Aktivitäten im Bereich Mergers & Acquisitions eine Option in Zeiten hart umkämpfter Märkte? Wo liegen die Chancen?
Jochen Reichert: Die Chancen liegen in der Tat in der Bündelung von Aktivitäten, der Schaffung einer den Markt vollständig ausschöpfenden Produktpalette, einer länderübergreifenden Präsenz und der Erlangung oder Verstärkung einer Marktführerschaft in möglichst zahlreichen Regionen. Dies erleichtert es, kundengerechte Produkte zu schaffen, sie optimiert zu vertreiben und damit mittelbar auch das Verhalten der Wettbewerber zu beeinflussen.
VWheute: Der aktuelle Allianz-Chef Oliver Bäte glaubt nur an große Übernahmen. Tatsächlich sind Zusammenschlüsse unter Gleichwertigen aber die Ausnahme. Warum ist es so schwierig, zwei Schwergewichte erfolgreich zusammenzubringen?
Jochen Reichert: Schwergewichte sind in der Regel machtvolle und stolze Gebinde. Sie sind es gewohnt, autonom zu agieren und weniger gewohnt, sich anzupassen. Ein Merger of Equals, wie er unter Schwergewichten in der Regel allein in Betracht kommt, setzt aber gerade dieses Maß an Anpassung und gegebenenfalls auch Zurückstellung eigener Interessen zu Gunsten der Gesamtinteressen des neu geformten Unternehmens voraus.
Die Fragen stellten die VWheute-Redakteure David Gorr und Michael Stanczyk.
Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.
Bild: Jochem Reichert ist Partner bei der Rechtsanwalts AG Schilling, Zutt & Anschütz. (Quelle: SZA Schilling, Zutt & Anschütz)
Fusion · M&A · Jochen Reichert
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