Schlaglicht

Arag-Chef will endlich zahlen, die Schwester pokert weiter

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Es war einer der längsten Gerichtsprozesse in der deutschen Rechtsgeschichte: 34 Jahre lang stritten sich Arag-Vorstandschef Paul-Otto Faßbender (70) und seine vier Jahre jüngere Schwester Petra Faßbender (66) um das Erbe des Firmengründers Walter Faßbender. Nun entschied das Landgericht Düsseldorf, dass der Arag-Chef seiner Schwester 3,5 Mio. Euro zahlen muss - plus Zinsen. Doch es droht die nächste Etappe im Dauerstreit.
Hintergrund des Erbstreits ist das Testament des Firmengründers Walter Faßbender aus dem Jahr 1965. Darin wurde dessen Sohn Paul-Otto Faßbender als Alleinerbe eingesetzt, da das Unternehmen in einer Hand bleiben sollte. Dessen Schwester Petra sollte dafür einen finanziellen Ausgleich bekommen. Eigentlicher Streitpunkt der jahrzehntelangen Familienfehde ist jedoch nicht das Erbe selbst, sondern die Höhe des Ausgleichs.
So argumentiert Faßbenders Schwester, dass sich das Erbe nur auf die Arag in Deutschland bezogen habe und nicht auf die Firmen-Aktivitäten in den Niederlanden, Belgien und Italien. Vor sechs Jahren hatte Faßbender im Rahmen eines außergerichtlichen Einigungsversuchs eine Summe von zehn Mio. Euro als Ausgleichszahlung angeboten, um den Streit noch zu Lebzeiten der Mutter Gisela Faßbender zu beenden. Diese Einigung wurde von seiner Schwester seinerzeit abgelehnt, heißt in einer Stellungnahme Faßbenders.
Dabei kamen Gutachter laut einer Analyse des Manager Magazins zu unterschiedlichen Ergebnissen hinsichtlich der Höhe des Ausgleichs: So befanden manche Experten, dass der Schwester etwa fünf Mio. Euro zu stünden. Andere kamen auf 22 Mio. Euro. Gleichzeitig kam Lambertus Fuhrmann, Anwalt von Faßbenders Schwester, zu dem Ergebnis, dass seiner Mandantin mehr als 20 Mio. Euro zustehen würden. Allerdings gebe man sich auch mit 15 Mio. Euro zufrieden.
Das Düsseldorfer Landgericht entschied nun, dass der Arag-Vorstandschef seiner Schwester insgesamt rund 3,5 Mio. Euro zahlen muss – plus Zinsen. Zudem soll sie für 70 Prozent der Prozesskosten aufkommen. Eine schwere Schlappe also für Petra Faßbender, deren Anwalt sich nach der Urteilsverkündung dennoch trotzig gab: "Wir werden in Berufung gehen. Der vom Gericht beauftragte Gutachter hat nach unserer Auffassung gravierende Fehler bei der Bewertung gemacht. Ein Vergleich wäre für uns nur akzeptabel, wenn er auf eine Zahlung von mindestens 15 Mio. Euro hinausläuft", wird Fuhrmann im Handelsblatt zitiert.
Der Konzernchef der Arag sieht dies naturgemäß anders: Demnach begrüße er es, "dass sich nach nunmehr 34 Jahren erstmals ein Gericht zur Höhe des Petra Faßbender zustehenden Ausgleichsanspruchs aus dem Nachlass von Walter Faßbender geäußert hat. Er würde es ebenso begrüßen, wenn seine Schwester nun das Urteil rechtskräftig werden lässt, damit er ihr den Betrag überweisen kann, um diese Auseinandersetzung endlich zu beenden", heißt es in seiner Stellungnahme.
Eine Fortsetzung der Dauerfehde vor dem Oberlandesgericht scheint dennoch wahrscheinlich - zumal laut einem Bericht des Manager Magazins nun auch ein Streit um das Testament der 2015 verstorbenen Mutter drohe. Darin hatte sie bestimmt, dass ihre Anteile an dem Versicherungskonzern beiden Kindern zukommen soll. Petra aber ficht auch dieses Testament an und soll laut Bericht bereits Klage eingereicht haben. Ein Ende des Familienerbstreits scheint also wohl eher nicht in Sicht. (vwh/td)
Bild: Arag-Vorstandschef Paul-Otto Faßbender (Quelle: Arag)
ARAG · Erbstreit
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