Märkte & Vertrieb

Versicherer im Fusionsrausch

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Fusionen und Übernahmen unter Versicherern sind riskant – aber oft der einzige Weg zum Wachstum, ein "Flügelschlag zum Erfolg" titelt die neue Ausgabe des Business-Magazins Versicherungswirtschaft. Entscheidend ist, ob Prozesse, Mitarbeiter sowie Kultur zueinanderpassen – und die Hoffnung, dass Aufsichtsbehörden nicht als Hochzeitscrasher auftreten.
Seit Jahren haben große Versicherer Probleme aus eigener Kraft im Kerngeschäft zu wachsen. Das Kapital für Zukäufe ist da, doch der Markt ist überteuert. Verstärkt werden in der unternehmerischen Praxis kleine Akquisitionen im Ausland getätigt, weil keiner die Geduld mitbringt, in jahrelanger Pionierarbeit dort selbst Fuß zu fassen. Doch das birgt Risiken. "Diese liegen in der mangelnden Kenntnis der lokalen Marktgegebenheiten, die die Due Diligence erschwert und nicht selten für negative Überraschung sorgt", erklärt Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung bei Willis Towers Watson.
Häufig kommen kulturelle Unterschiede hinzu, die einer Integration im Wege stehen. Ergo scheiterte in Südkorea und in der Türkei, besser lief es mit der Übernahme des polnischen Lebens-und Sachversicherers Hestia, der zum zweitgrößten Versicherer des Landes aufgestiegen ist. Besonders der Zeitfaktor ist entscheidend, wenn es um die Vereinheitlichung unterschiedlicher Geschäftsprozesse oder die Zusammenführung der Belegschaft geht. Mit dem Zickzackkurs bei der Postbank hat die Deutsche Bank etwa viel Geld zum sprichwörtlichen Fenster rausgeworfen. Auch die Integration der Ergo in die Munich Re hätte schneller ablaufen müssen, konstatierte kürzlich Konzernchef Nikolaus von Bomhard.
Selbst wenn Integrationsrisiken vor der Vertragsunterzeichnung erkannt werden, haben Manager oft nicht den Mut, den geplanten Deal platzen zu lassen. "In externe Beratung wird zu wenig investiert und Aufsichtsräte haben selten M&A-Erfahrung", weiß Professor Kai Lucks, Geschäftsführer des Merger Management Instituts (MMI). Laut seinen Einschätzungen scheitert aktuell jede zweite Übernahme. "Das ist der Schnitt über alle Branchen hinweg", erklärt er (siehe KÖPFE & POSITIONEN). "Am Ende ist es ein Machtspiel der Vorstände, besonders dann wenn alle Vorstände übernommen werden und damit der Gesamtvorstand zu groß wird." (dg)
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Aus der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft (Heft 04/17):
  • Titelreport: Geballte Fäuste für ein Halleluja. David Gorr über Risiken und Chancen von Fusionen und Übernahmen unter Versicherern.
  • Interview: "Schwergewichte sind machtvolle und stolze Gebilde". Jochem Reichert, führender M&A-Jurist, erklärt die unternehmerische Anstrengung, Großkonzerne zusammenzuführen
  • Fachbeitrag: Beistand für den Break-up. Warranty & Indemnity-Policen als Sicherheitsfaktor bei Fusions- und Übernahmeprojekten.
Übernahme · Fusionen · M&A
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