Köpfe & Positionen

"M&A-Erfolg hängt vom Machtspiel der Vorstände ab"

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Kai Lucks, Leiter des Merger Managements Instituts, erklärt gegenüber VWheute die Gründe für das Scheitern vieler Fusionen und Übernahmen. "Besonderes Problem bei großen Deals, dass der Konsolidierungsdruck nicht groß genug gemacht wird und dass Unklarheit besteht, unter wessen Kultur und Struktur der Zusammenschluss laufen soll." Meistens seien solche Deals so selten, dass kaum Erfahrung besteht, wie man sie durchführt.
VWheute: Wie oft scheitern Übernahmen im Finanzsektor?
Kai Lucks: Insgesamt scheitert heute noch jede zweite Übernahme. Das ist der Schnitt über alle Branchen. Es gibt aber keinen Grund weshalb Finanzinstitute noch schlechter abschneiden sollten. Ist ja schlecht genug. Bedeutendstes Beispiel des Scheiterns war der Zusammenschluss der Dresdner Bank mit der Allianz zu einem Allfinanz-Institut (2001). Dafür hatte die Allianz 25 Mrd. Euro bezahlt und diesen Wert zum größten Teil vernichtet.
VWheute: Warum ist es so schwierig zwei Schwergewichte zusammenzubringen?
Kai Lucks: Die Zeit der "Merger of Equals" wie bei Daimler und Chrysler ist vorbei. Besonderes Problem hierbei ist, dass der Konsolidierungsdruck nicht groß genug gemacht wird und dass Unklarheit besteht, unter wessen Kultur und Struktur der Zusammenschluss laufen soll. Am Ende wird es zu einem Machtspiel der Vorstände, besonders dann, wenn alle Vorstände übernommen werden und damit der Gesamtvorstand zu groß wird.
VWheute: Sind Zusammenschlüsse unter kleinen Firmen erfolgreicher als Mega-Deals?
Kai Lucks: Dafür sind hauptsächlich drei Gründe maßgebend: Erstens fehlt die Kontrolle von oben, weil der "Owner" des Deals der Vorstand selber ist. Hier ist das Ego der Vorstände der eigentliche Treiber und das ist gefährlich. Zweitens sind derartige Deals so komplex, dass die Umsetzung besondere Probleme bereitet und drittens ist die Häufigkeit dieser Deals so gering, dass keine Erfahrung aufgebaut werden kann, nach der man solche Deals überhaupt führt. Deshalb haben mittelgroße Deals auch bessere Erfolgschancen, weil es für sei eine übergeordnete Kontrollinstanz gibt und weil Erfahrung aus höherer M&A-Frequenz aufgebaut und transfereiert werden kann.
VWheute: Kommt der Aufsichtsrat bei solchen Deals seiner Kontrollfunktion nach?
Kai Lucks: Aufsichtsräte haben selten M&A-Erfahrung, als Kontrollinstanz über M&A sind sie meistens ungeeignet, es sei denn sie haben aus einem vorlaufenden M&A-Projekt Erfahrung und Sensibilität erworben. Man sollte Aufsichtsräten bei großen Mergers deshalb fachkundige Berater zur Seite stellen.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur David Gorr.
Bild: Professor Dr. Kai Lucks, früher im Siemens-Konzern tätig, leitet er heute das Merger Management Institut. Als Vorsitzender des Bundesverbandes Mergers & Acquisitions sowie als Buchautor und Dozent für M&A Fachliteratur prägt er das Thema nachhaltig in Deutschland und der ganzen Welt. (Quelle: Kai Lucks)
Übernahme · Fusionen
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