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Versicherer behaupten ihr volkswirtschaftliches Gewicht

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wichtiger als die Chemie- oder die Elektrobranche ist die Versicherungswirtschaft für Deutschland, sie ist ein Wachstumstreiber. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie der Prognos AG "Die Bedeutung der Versicherungswirtschaft für den Wirtschaftsstandort Deutschland", welche der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Auftrag gegeben hat.
Danach ist die Assekuranz direkt, indirekt und über induzierte Effekte für 3,3 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) sowie 2,7 Prozent der Beschäftigung verantwortlich. In absoluten Zahlen sind das über 1,2 Millionen Jobs und 90 Mrd. Euro Bruttowertschöpfung. Gegenüber der Vorgängerstudie 2013, welche die Jahre vor der Finanzmarktkrise bis 2008 berücksichtigte, blieb der BIP-Anteil unverändert, aber die Beschäftigung sank um 0,4 Prozentpunkte, erläuterte Prognos-Chefvolkswirt Michael Böhmer in Köln.
Den Rückgang der Beschäftigung führt er dabei weniger auf die leicht gesunkene Zahl der Gesamtbeschäftigung in der Branche als vielmehr die allgemeine Zunahme der Erwerbstätigen zurück. Die Branche habe einen Beschäftigungsmultiplikator von 2,23. Das bedeute, auf jeden Erwerbstätigen in der Versicherungswirtschaft kämen rechnerisch 1,23 weitere Erwerbstätige in Deutschland hinzu, beispielsweise in der Informations- und Kommunikationsbranche.
Zwischen 1995 und 2014 wuchs das BIP durchschnittlich um jährlich 1,3 Prozent. Prognos beziffert den Wachstumsimpuls der Versicherungsbranche auf gut 0,1 Prozentpunkte pro Jahr. Ohne Versicherer hätte das BIP 2014 um fast 50 Mrd. Euro niedriger gelegen. GDV-Präsident Alexander Erdland wiederholte vor diesem Hintergrund seinen Appell an die Europäische Zentralbank (EZB), ihre Geldpolitik zu beenden.

Versicherer fürchten den Brexit nicht

Vom Brexit sei die deutsche Assekuranz nur "gering betroffen", so Erdland. Nur vier Prozent der gesamten Kapitalanlagen steckten in britischen Papieren und diese zumeist festverzinslich und währungsgesichert. Wie das künftige Investmentbanking am Platz London stattfinde, haben natürlich indirekt auch Wirkung auf die Versicherer. Mehr Sorgen macht sich Erdland aber, dass die Brexit-Verhandlungen "enorme Kräfte absorbieren" und Management Attention auf sich ziehe.
"Das ist kontraproduktiv in einer Zeit, wo es gilt, die Kräfte in EU zu bündeln." Zudem warnt er vor einem Regulierungswettbewerb, sollte Großbritannien sich künftig durch laxe Regulierung der Versicherungswirtschaft auszeichnen. Neugründungen britischer Gesellschaften in Deutschland seien nicht absehbar. Die rund 460 GDV-Mitglieder deckten den deutschen Versicherungsmarkt zu über 90 Prozent und damit gut ab. "Es gibt keine Marktlücken und keine attraktiven Margen", so Erdland. Für die gesamte EU könne dies teils anders sein.
Das die Versicherer ihre Rolle im deutschen Wirtschaftskreislauf durchaus selbstbewusst wahrnehmen, sollte auch die erste Prognos-Studie vor dreieinhalb Jahren belegen. Damals verglich der GDV seine volkswirtschaftliche Systemrelevanz mit den Banken oder dem Energiesektor. Auf rund 67 Mrd. Euro bezifferte der GDV damals den Anteil der Versicherungsbranche am Wirtschaftswachstum in Deutschland. (lie)
Bild: GDV-Präsident Alexander Erland bei der Präsentation der Prognos-Studie in Köln. (Quelle: lie)
GDV · Volkswirtschaft · Prognos
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