Politik & Regulierung

Tarifverhandlungen im Innendienst beginnen

Von Dominic EggerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Am heutigen Donnerstag starten der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen (AGV) und die Gewerkschaften für die Branche, Verdi, DBV und DHV, ihre Tarifverhandlungen in Düsseldorf. Den Stellenabbau durch die Digitalisierung will Verdi mit der Arbeitgeberseite diskutieren, und ob die Angestellten des Innendiensts 4,5 Prozent mehr Gehalt innerhalb von zwölf Monaten erhalten.
Ein "Zukunftstarifvertrag Digitalisierung" steht an erster Position des Forderungskatalogs, den Verdi ab heute Nachmittag mit dem AGV verhandelt. Das erklärte Ziel: "Die Veränderungsprozesse der Branche bewältigen und Beschäftigung im digitalen Zeitalter sichern." "Wir werden nicht alle in die neue Welt qualifizieren können. Aber ich erwarte eine Chance für alle, die sich qualifizieren wollen", erklärt Martina Grundler, Bundesfachgruppenleiterin Versicherungen der Verdi, gegenüber VWheute. "Den Arbeitsplatzabbau wird es in spürbaren Ausmaßen geben. Er muss sozial verträglich gestaltet werden." Außerdem will Verdi Leitplanken für mobiles Arbeiten festlegen.
Einige Prognosen zum Stellenabbau zeichnen ein zu dramatisches Bild, meint Sebastian Hopfner, Mitglied der AGV-Tarifkommission. "Die betriebsbedingte Kündigung ist in der Versicherungswirtschaft die absolute Ausnahme." Eine eigene Prognose zum zukünftigen Stellenabbau will Hopfner nicht abgeben, auch die Forderung nach einem "Zukunftstarifvertrag Digitalisierung" will man noch nicht bewerten: "Was sie damit meinen, sollen sie uns erst mal genau darstellen", so Hopfner weiter. Ein wirklich neues Phänomen sei die Digitalisierung nicht.
4,5 Prozent Gehaltsteigerung in den kommenden zwölf Monaten sind aus Sicht des AGV "vollkommen überzogen." "Wir halten diese Forderung auch wenn sie geringer ausfällt als in vorhergehenden Tarifrunden für sehr anspruchsvoll", erklärt Hopfner. "Verdi sollte sich an ihren moderaten Abschlüssen aus anderen Branchen, wie im privaten Bankgewerbe, orientieren." Außerdem habe es "erst im Oktober 2016 aufgrund der letzten Tarifrunde eine satte Erhöhung gegeben."
Die Forderung nach höherem Gehalt scheint bei Beschäftigten im Innendienst erst an zweiter Stelle zu stehen. In einer Umfrage der Gewerkschaft Verdi hielt über 60 Prozent der befragten 5.400 Arbeitnehmer eine tarifvertragliche Regelung zur Beschäftigungssicherung für sehr wichtig, eine deutliche Anhebung der Gehälter fanden nur rund 40 Prozent sehr wichtig.
Die Neue Assekuranz Gewerkschaft (NAG), Ende 2010 gegründet, ist bei den Gesprächen nicht dabei. Zwar hatte sie den AGV im Februar in einer Pressemitteilung zu Tarifverhandlungen aufgefordert, doch tariffähig ist die Gewerkschaft nicht. Das Hessische Landesarbeitsgericht hatte dies im April 2015 festgestellt. Im Branchendurchschnitt ist – nach Auskunft von Verdi-Vertreterin Grundler – rund zehn Prozent des Innendienstes bei Verdi organisiert.
Heute wollen sich die Tarifparteien über ihre Markteinschätzung austauschen, weitere Verhandlungstage sind für 5. Mai und 2. Juni angesetzt. (de)
Bild: Die letzte Tarifrunde im Jahr 2015 in Karlsruhe (Quelle: ak)
AGV · Verdi · Digitalisierung · Tarifverhandlungen · Stellenabbau
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