Köpfe & Positionen

Allianz GI glaubt an hybride Beratung

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Allianz GI sieht Möglichkeiten in einem sich wandelnden Marktumfeld. Auf der Veranstaltung "Building a Global Active Asset Manager in an Uncertain World" des Investmentmangers hat Tobias Pross, Mitglied der Geschäftsführung von Allianz Global Investors zum Thema gesprochen. VWheute hat ihn um einen erläuternden Gastbeitrag zum Thema gebeten:

Der diskrete Charme der Disruption

Das Gespenst der Disruption geht um in vielen Unternehmen. Während die Digitalisierung immer tiefer unser Leben durchdringt, scheint sie in mancher Vorstandsetage eher Ängste auszulösen. Auch das Asset Management ist mittlerweile ein Tummelfeld für Fintechs. Aber ist dies wirklich nur ein Bedrohungsszenario?
Wie sah denn die "alte" Welt des Fondsgeschäftes aus? Der Privatanleger investierte in einen Fonds, erhielt eine Abrechnung, und dann herrschte Funkstille zwischen dem Anleger und dem Asset Manager. Der nächste Kontaktpunkt war die Jahressteuerbescheinigung, die er zumeist einfach bei Seite gelegt hat. Natürlich halten viele gute Berater Kontakt zu ihren Kunden, oder die Anleger kommen mit Fragen auf ihren Berater zurück, aber der Weg zwischen uns als Asset Manager und dem Anleger war lang und von Medienbrüchen geprägt.
Das ändert sich gerade, und zwar grundlegend und von beiden Seiten. Wir haben uns innerhalb weniger Jahre an den Instant-Komfort des Smartphones gewöhnt. Wir erwarten rund um die Uhr Zugang zu Informationen, Verfügbarkeit von Services, wenn wir sie brauchen, auch außerhalb von "Geschäftszeiten". Auch als Anleger. Eine Bedrohung ist dies allerdings nur für unflexible Anbieter. Für die anderen ist es eine Riesenchance, und so gehen wir bei Allianz Global Investors an die Disruption heran. Die Digitalisierung ermöglicht uns viele neue Kontaktpunkte mit dem Anleger. Und das gilt nicht nur für reine „D2C“-Modelle (direct to consumer), bei denen ein unmittelbarer Zugang zum Produktanbieter besteht, sondern auch unter Einbeziehung von Mittlern.
So haben wir rund um unser "AktivDepot" für die Allianz-Außenorganisation eine Vermögensmanagement-Lösung entwickelt, die nach dem B2B2C-Prinzip arbeitet: Eingebettet in die technologische Infrastruktur der Allianz, greifen Allianz-Berater und ihre Kunden auf dieselben, von Allianz Global Investors bereitgestellten Anwendungen zu. Das Portal "Mein AktivDepot" bietet dem Kunden umfassende Transparenz, wie wir das Portfolio managen, und eine ganze Reihe von Servicefunktionen.

Mensch oder Roboter

In der aktuell hitzig geführten Debatte um "Mensch" oder "Robo" in der Beratung glauben wir fest an ein hybrides Modell. Wir sind überzeugt, dass viele Anleger in der komplexen Entscheidung über Vermögensanlage nicht auf die menschliche Komponente in der Beratung verzichten wollen. Deshalb planen wir die Ausbaustufen unseres Systems in zwei Richtungen: Den Instrumentenkasten von "Robo Advisors" im Angebot zu haben, aber immer auch die Kommunikation von Mensch zu Mensch zu ermöglichen. Die Berater statten wir daher mit weiteren digitalen Services aus, die sowohl die Kommunikation mit den Kunden wie auch die Qualität der Beratung weiter verbessern. Wir haben jetzt mit dem britisch-italienischen Fintech-Unternehmen Moneyfarm einen Piloten gestartet, mit dem die Mitarbeiter der Allianz-Gruppe in Großbritannien in Fonds investieren können, indem sie auf die von Moneyfarm entwickelten Robo-Tools und Anwendungen zugreifen.
Trotzdem handelt es sich hierbei nicht um einen Automaten. Der Moneyfarm Customer Support spielt in unserem Konzept eine tragende Rolle. Der Anleger soll reibungsfrei zwischen menschlicher und digitaler Beratung wechseln können. Der Asset Manager rückt in dieser Konstellation näher an den Kunden heran. Disruption ist für mich daher nichts, was mich nachts nicht schlafen lässt, sondern vielmehr eine Chance, die es zu nutzen gilt. (vwh)
Auto und Bild: Tobias Pross, Head of Europe, Middle East and Africa und Mitglied des Global Executive Committee, Mitglied der Geschäftsführung der Allianz Global Investors GmbH. (Quelle: Alianz GI)
Allianz GI · Disruption · Tobias Pross · Gastbeitrag
Auch interessant
Zurück
20.05.2019VWheute
Platt­formen als Kata­ly­sa­toren der Digi­ta­li­sie­rung und Inno­va­tion in der Versi­che­rungs­branche Immer wieder ist sie Thema: die …
Platt­formen als Kata­ly­sa­toren der Digi­ta­li­sie­rung und Inno­va­tion in der Versi­che­rungs­branche
Immer wieder ist sie Thema: die elektronische Gesundheitsakte. Der Gesundheitsminister Jens Spahn fordert elektronischen Zugang zu Patientendaten vehement und will eine …
06.05.2019VWheute
"Die große Angst der Disrup­tion ist mitt­ler­weile abge­schwächt" Smart-Home-Lösungen gehören auch in der Versicherungsbranche zu Zukunftstrends. …
"Die große Angst der Disrup­tion ist mitt­ler­weile abge­schwächt"
Smart-Home-Lösungen gehören auch in der Versicherungsbranche zu Zukunftstrends. "Beim Megatrend Smart Home geht es insbesondere um drei Bereiche, nämlich der Sicherheit, Komfort und dem Energiesparen", …
14.02.2019VWheute
Patrick Döring: "Dass man über Alexa rele­vantes Neuge­schäft gene­riert, kann ich mir noch nicht vorstellen" Smart-Home-Lösungen und …
Patrick Döring: "Dass man über Alexa rele­vantes Neuge­schäft gene­riert, kann ich mir noch nicht vorstellen"
Smart-Home-Lösungen und Tierversicherungen gehören nicht gerade zu den gefragtesten Versicherungspolicen. Dennoch Wertgarantie-Vorstand Patrick Döring im …
19.12.2018VWheute
Mär von der Disrup­tion: Fehlt Versi­che­rern die Fantasie für neue Produkte? Schnell wird der Terminus "Disruption" bemüht, wenn es gilt, die …
Mär von der Disrup­tion: Fehlt Versi­che­rern die Fantasie für neue Produkte?
Schnell wird der Terminus "Disruption" bemüht, wenn es gilt, die Notwendigkeit des Einsatzes modernster Technologie zu untermauern. Doch wo stehen weite Teile des Versicherungsmarktes heute? An der …
Weiter