Köpfe & Positionen

"Computer zeigt im Schadenfall kein Herz"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Digitale Prozessabläufe und Schadenregulierung spielt bei den Versicherern eine immer größere Rolle. Und dennoch: " Ein Computer hat nun mal keine Empathie, kann kein Cross-Selling und kann auch im Schadenfall nicht mit Herz zur Seite stehen", glaubt Frank Thomsen, Vertriebsvorstand der Itzehoer, im Exklusiv-Interview mit VWheute. Der norddeutsche Versicherer veröffentlicht heute seine Geschäftszahlen für 2016.
VWheute: Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der Itzehoer im vergangenen Jahr?
Frank Thomsen: Als Vertriebsvorstand soll man ja nie zufrieden sein – aber ernsthaft: Ich bin schon sehr zufrieden. Wir sind in unseren drei Vertriebswegen gewachsen und zählen wieder einmal – wie in den Jahren zuvor – zu den wachstumsstärksten Versicherern Deutschlands. Das alles noch dazu mit soliden Schadenquoten und einer weiteren Stärkung unserer Eigenmittel.
VWheute: Wie schwer ist es für sie als, mit Verlaub, kleinere Gesellschaft, mit den Großen zu konkurrieren? Was sind die Vor- und Nachteile – gerade im Vertrieb?
Frank Thomsen: Wir sehen uns heute als mittelständischer Versicherer, da wir über Makler und AdmiralDirekt.de mit der Kfz-Sparte bundesweit unterwegs sind und zu den Top-20 der deutschen Kfz-Versicherer gehören. Im Vergleich zu den Großen ist der familiäre Umgang der entscheidende Vorteil. Bei uns menschelt es. Wir werden für unsere Eins-zu-Eins-Betreuung geschätzt, bei der jeder Vertriebspartner einen festen Ansprechpartner für Vertrieb sowie Betrieb und Schaden hat. Ein vermeintlicher Nachteil könnten fehlende Kapazitäten für IT und Produkte sein – aus Erfahrung kann ich berichten, dass die Großen da auch nur mit Wasser kochen.
VWheute: Ihre neuen Imagevideos sind mit viel Liebe produziert worden. Ist das der Weg der Itzehoer, regional, Kontakt von Mensch zu Mensch mittels Vertrauensmann anstatt wie ein Insurtech hauptsächlich auf das Internet zu setzen?
Frank Thomsen: Ja und nein. Ja, weil wir in Norddeutschland auf unsere Vertrauensleute setzen und ganz im Sinne "aus der Region – für die Region" punkten. Nein, weil wir mit unserer Direktvertriebstochter AdmiralDirekt.de sehr erfolgreich in der Online-Zielgruppe unterwegs sind. Dabei sind wir natürlich glücklich, dass in unseren Vertriebswegen Laufruhe herrscht und keine Kannibalisierung stattfindet.
VWheute: Wie wird sich der Vertrieb in den nächsten drei bis fünf Jahren entwickeln, in ihrem Haus und generell im Markt? Und für wie wichtig halten Sie als Vertriebsvorstand das Thema "Moral im Vertrieb"?
Frank Thomsen: Sowohl für unser Haus als auch für den Markt wird gelten, dass das Online-Geschäft im einfachen Privatgeschäft zunehmen wird und gleichzeitig Kunden aller Altersklassen weiterhin den persönlichen Kontakt schätzen werden. Ein Computer hat nun mal keine Empathie, kann kein Cross-Selling und kann auch im Schadenfall nicht mit Herz zur Seite stehen. Moral im Vertrieb ist für unsere Itzehoer nicht nur ein Wort. Wir stellen unsere Mitglieder in den Mittelpunkt unseres Handelns – mit Wertschätzung und Vertrauen. Deshalb sind unsere Vermittler auch so stolz, Vertrauensfrau und Vertrauensmann zu sein.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.
Bild: Frank Thomsen ist Vorstand für Vertrieb, Marketing und Personal der Itzehoer (Quelle: Itzehoer)
Itzehoer Versicherung · AdmiralDirekt · Frank Thomsen
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