Unternehmen & Management

Talanx plant trotz Gewinnanstieg weiteren Stellenabbau

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Für den drittgrößten deutschen Versicherungskonzern Talanx war 2016 laut Vorstandschef Herbert K. Haas ein "sehr gutes Jahr", zumal auch die Gewinnprognose deutlich übertroffen worden ist. Dazu haben alle Geschäftsbereiche beigetragen, die damit die Erwartungen mehr als erfüllt haben. Positiv wirkte sich auch die niedrigere Großschadenbelastung aus.
Der Konzerngewinn lag mit 907 Mio. Euro um 23,6 Prozent höher als im Vorjahr. Dazu beigetragen hat aber auch die Sanierung der Industrieversicherung, deren Ergebnis an die Erfolge früherer Jahre anknüpft. Im deutschen Privat- und Firmengeschäft greift das Modernisierungsprogramm, was sich in der Rückkehr in die Gewinnzone niederschlägt.
Zum Gewinn beigetragen hat schließlich noch das um 2,3 Prozent auf 4,0 Mrd. Euro verbesserte Kapitalanlageergebnis. Die Kapitalanlagerendite verharrte trotz Niedrigzinsen, aber Dank hoher Abgangsgewinne zur Finanzierung der Zinszusatzreserve bei guten 3,6 Prozent.

Konzernchef setzt weiter aufs Ausland

Die Talanx ist 2016 auch zwei Zielen nähergekommen. Zum einen soll bis 2018 der Auslandsanteil in der Erstversicherung auf 50 Prozent steigen, erreicht wurden 49 (Vorjahr: 47) Prozent. Zum anderen will der Versicherer aus Hannover bis 2021 jeweils die Hälfte des Ebit aus der Erstversicherung und der Rückversicherung erwirtschaften; 2016 steuerte die Erstversicherung mehr als 40 (33) Prozent bei.
Die Entwicklung zeigt nach den Worten von Haas, dass die eingeschlagene Strategie der Internationalisierung und Diversifizierung nachhaltig erfolgreich ist. Noch immer nicht zufrieden ist Haas mit der Bewertung der Erstversicherungen der Talanx an der Börse. Zwar habe sich der Marktwert der Erstversicherungen auf 1,8 (0,8) Mrd. Euro verbessert, doch wiege der Marktwert des Anteils an der Tochter Hannover Rück mit 6,2 (6,4) Mrd. Euro ungleich schwerer.

Talanx verbucht weniger Prämieneinnahmen

Die Prämieneinnahmen des Talanx-Konzern haben sich 2016 brutto um 2,2 Prozent auf 31,1 Mrd. Euro verringert. Netto blieb ein Minus von 0,8 Prozent. Die Schaden-/Kostenquote sank trotz der Kosten für den Umbau des deutschen Privat- und Firmenkundengeschäfts auf 95,7 (96,0) Prozent. Die Großschadenlast verringerte sich auf 883 (922) Mio. Euro netto und lag damit deutlich unter dem Erwartungswert von 1.125 Mio. Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich um fünf Prozent auf 2,3 Mrd. Euro.
In der Industrieversicherung blieb die Bruttoprämie trotz der Portfolio-Optimierung mit 4,27 Mrd. Euro nahezu stabil. Die Sanierung des Geschäfts mit Feuerversicherungen hat zu einer weiteren Verbesserung der Schaden-/Kostenquote und damit des versicherungstechnischen Ergebnisses geführt. Das Kapitalanlageergebnis, das im Vorjahr noch durch Abschreibungen auf Heta (Abwicklungsgesellschaft der Hypo Alpe Adria) belastet war verbesserte sich auf 242 (206) Mio. Euro.
Das Konzernergebnis stieg von 127 auf 236 Mio. Euro. Die Privat- und Firmenversicherung Deutschland profitiert von dem Modernisierungsprogramm, das sich auch in dem Konzernergebnis von 68 (-76) Mio. Euro niederschlägt. 160 Arbeitsplätze wurden sozialverträglich abgebaut, in diesem Jahr weitere 34 Stellen Ziel ist es bis 2021 jährlich mindestens 240 Mio. Euro Kosten einzusparen.

Hass will keine Sonderausschüttung

Die Aktionäre erhalten wie bereits berichtet eine leicht auf 1,35 (1,30) Euro erhöhte Dividende. Haas ist kein Freund von Sonderausschüttungen. Er legt Wert auf eine stabile und verlässliche Dividende. Diese dürfte auch für 2017 so alles gut geht gewährleistet sein, auch wenn der Vorstandschef nur noch mit einem Gewinn von 800 Mio. Euro rechnet.
Ein Grund für die Vorsicht dürfte sein, dass Abgangsgewinne ausbleiben werden. Ansonsten hat laut Haas das Jahr gut begonnen. Die Schadenentwicklung war bislang unauffällig. Insgesamt wird mit einem Prämienwachstum von etwas mehr als einem Prozent gerechnet. (cs)
Bild: Talanx-Vorstandschef Herbert K. Haas (Quelle: Talanx)
Talanx · Herbert K. Haas
Auch interessant
Zurück
22.03.2019VWheute
Sauberes Wasser – (k)eine Selbst­ver­ständ­lich­keit Wasser gehört zu den wichtigsten Rohstoffen dieses Planeten. Allein in über als 30 Ländern …
Sauberes Wasser – (k)eine Selbst­ver­ständ­lich­keit
Wasser gehört zu den wichtigsten Rohstoffen dieses Planeten. Allein in über als 30 Ländern der Erde sind die Menschen von akutem Wassermangel bedroht. Zudem gehen 80 Prozent aller Krankheiten in armen Ländern auf …
08.05.2018VWheute
Macht­wechsel bei Talanx: Leue regiert, Haas kontrol­liert Es ist das Ende einer Ära, so viel steht fest. Nach zwölf Jahren als Vorstandsvorsitzender …
Macht­wechsel bei Talanx: Leue regiert, Haas kontrol­liert
Es ist das Ende einer Ära, so viel steht fest. Nach zwölf Jahren als Vorstandsvorsitzender der Talanx AG wechselt der 63-jährige Herbert Haas heute in den Aufsichtsrat. Wolf-Dieter Baumgartl (74), Noch-Oberhaupt des …
03.05.2018VWheute
Haas: "Viel Sein, viel Schein und viel Schwein" Kommende Woche wechselt Talanx-Chef Herbert K. Haas vom Vorstandssessel an die Spitze des …
Haas: "Viel Sein, viel Schein und viel Schwein"
Kommende Woche wechselt Talanx-Chef Herbert K. Haas vom Vorstandssessel an die Spitze des Aufsichtsrates. Nach zwölf Jahren übergibt er den Staffelstab an seinen Nachfolger Torsten Leue. Grund genug also, eine erste Bilanz zu ziehen…
20.04.2018VWheute
Baye­ri­sche: "Provi­si­ons­de­ckel? Nein danke!" Der geplante Provisionsdeckel der Bafin für Unternehmen in der LV stößt weiterhin auf scharfe Kritik…
Baye­ri­sche: "Provi­si­ons­de­ckel? Nein danke!"
Der geplante Provisionsdeckel der Bafin für Unternehmen in der LV stößt weiterhin auf scharfe Kritik. "Ein Provisionsdeckel führt in die falsche Richtung und hilft weder Verbrauchern noch Versicherungsvermittlern. Denn der …
Weiter