Köpfe & Positionen

Adjutant des falschen Erzbischofs ist kein Scharlatan

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Herr gibt, der Herr nimmt – in diesem Fall entschied er sich fürs nehmen. In einem Betrugsfall um einen "Monsignore Kamper" urteilte heute das Gießener Amtsgericht. Einem Angeklagten wurde vorgeworfen, vermeintlich im Namen der Vatikanbank gegen eine Gebühr dreistellige Millionenbeträge offeriert zu haben. Als Mittel hat er sich dabei eines falschen geistlichen Würdenträgers bedient.
Dem 65-jährigen Beschuldigten und einem Komplizen wurde von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, die Geschädigten ausgetrickst zu haben, indem sie sich diesen gegenüber als Makler der Vatikanbank ausgaben und gegen eine Gebühr Millionenkredite in Aussicht stellten. Laut dem Gießener Anzeiger wurde den Geschädigten im Jahr 2010 sogar ein sprachlich virtuoser und in schwarz gekleideter Geistlicher Kamper präsentiert. Mit Erfolg, denn die Geschädigten zahlten 132.000 Euro Provision, ohne die versprochene Gegenleistung zu erhalten.
Der Beschuldigte wies die Vorwürfe von sich: Vielmehr sei auch er ein Opfer des Phantomgeistlichen. Er habe zwar Kontakte hergestellt, aber nur um die Finanzierung von Bauprojekten sicherzustellen. Monsignore Kamper hätte auf eine Gruppe von zehn Kreditnehmern bestanden, die eine "Partnersonderzahlung" zu leisten hätten. Alle Geschädigten hätten sich auf das Geschäft freiwillig und freudig eingelassen, so der Beschuldigte. Ein Zeuge stützt die Aussage des Angeklagten, dieser sein dem Geistlichen eher als Gehilfe zur Hand gegangen.

Vatikanbank als Drahtzieher?

Wem die Geschichte bisher noch nicht abstrus genug war, der wird jetzt staunen. Ein Zeuge schilderte, dass er nach der Transaktion über Georg Ratzinger Kontakt mit Monsignore Georg Gänswein, seines Zeichens Privatsekretär von Papst Benedikt XVI., gehabt hätte. Der Eingang des Darlehensvertrags wurde ihm bestätigt, der Kontakt sei dann aber wieder abgebrochen. Aus dieser Tatsache heraus vermutet der Zeuge eine Komplizenschaft der Vatikanbank.

Das Urteil

Freispruch – die Schuld des Angeklagten könne nicht restlos bewiesen werden, urteilte die Vorsitzende Richterin heute. Mögliche Verstrickungen der Vatikanbank konnten übrigens nicht festgestellt werden. Ob der Herrgott persönlich in den Prozess eingriff oder es sich um ein profan irdisches Urteil handelt, muss der Leser für sich selbst entscheiden. (vwh/mv)
Bild: gemalter Pfarrer (Quelle: Frank Bartram / pixelio.de)
Prozess · Urteil · Priester · Vatikanbank
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