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"Idee der Zielrente ist grundsätzlich gut"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Im Bundestag wird diese Woche über das Betriebsrentenstärkungsgesetz diskutiert. Das kommentiert Fabian von Löbbecke, bAV-Leader bei HDI: "Es gibt inzwischen schon 550 Varianten, wie bAV gestaltet werden kann. Durch das neue Sozialpartnermodell kommen nochmals ein paar hundert Möglichkeiten dazu. Komplexitätsabbau sieht doch wirklich anders aus."
Im Verlauf der Diskussionen um das bAV-Reformgesetz habe ich einen Zehn-Punkte-Plan entwickelt, durch den die betriebliche Altersvorsorge attraktiver gemacht werden kann. Einige davon sind tatsächlich im Gesetzentwurf enthalten. Das sind aber bei Weitem nicht die, die ich mir für eine durchgreifende Verbesserung der bAV gewünscht hätte. Die doppelte Verbeitragung, also volle Beitragspflicht in der Kranken- und Pflegeversicherung auf die späteren Renten, ist zumindest für Riester-Verträge in der bAV abgemildert worden, leider aber noch nicht für die ganz normalen Verträge.
Auch der Dotationsrahmen soll von vier auf acht Prozent erhöht werden. Unsere Vorstellung lag zwei Prozent-Punkte höher, und die Beiträge sollten dazu sozialversicherungsfrei gestellt werden. Wer sich jetzt für acht Prozent entscheidet, muss zwar auf diesen Anteil keine Steuern zahlen, aber immer noch vier Prozent Sozialabgaben leisten.
Auch die wichtige Forderung, die Anrechnung der Renten auf die Grundsicherung deutlich einzuschränken, wurde meines Erachtens nicht ausreichend berücksichtigt. Diese Begrenzung ist bisher ein großes Hindernis für den Abschluss einer bAV. Viele fragen sich, warum sie überhaupt sparen sollen, um dann im Alter nur so viel zu haben wie andere, die während der Arbeitszeit nichts zurückgelegt haben. Nunmehr sollen monatlich rund 205 Euro freigestellt werden können. Das ist meiner Ansicht nach aber immer noch viel zu gering.

Zumindest die Hälfte sollte garantiert sein

Die Beitragszusage macht die bAV noch komplizierter, als sie schon ist. Mit der so genannten Nahles-Rente wird zusätzlich zu den bestehenden fünf Durchführungswegen ein komplettes Parallelsystem geschaffen – mit eigenen Regeln und Vorschriften, das nur Tarifvertragsparteien vorbehalten ist. Gerade die vom Reformgesetz angestrebte Verbesserung der Anreize für Klein- und Mittelbetriebe wird damit nicht erreicht.
Ein großes Hemmnis beim Sozialpartnermodell ist aus meiner Sicht, dass überhaupt keine Garantien zugelassen sind. Ich weiß, dass viele Arbeitnehmer nach wie vor darauf Wert legen. Wenn diese ihr eigenes Geld einzahlen, wollen sie dafür auch Sicherheiten haben. Das ist aber dann verboten. Ich finde die Idee der Zielrente grundsätzlich gut. Bei einer Zielrente gebe ich eine Prognose über die Ablaufleistung ab, die aber nicht garantiert ist. Gerade in Phasen von Niedrigzinsen müssen wir Arbeitnehmern attraktive Möglichkeiten anbieten, an renditestarken Anlageformen zu partizipieren. Das wird durch eine Zielrente ermöglicht. Die bisherige bAV kennt nur harte Garantien – häufig als 100-prozentige Beitragsgarantie. Das Sozialpartnermodell muss im Gegensatz dazu ohne Garantien auskommen. Meines Erachtens liegt wie so oft die Wahrheit bei einem Mittelweg. Wenn zum Beispiel 50 Prozent der Beiträge garantiert wären, die andere Hälfte ertragreich angelegt wird, würde das Bedürfnis nach Sicherheit zufrieden gestellt werden.
Lesen sie ein ausführliches Interview mit Fabian von Löbbecke über das neue Sozialpartnermodell in der aktuellen Versicherungswirtschaft (Zum Beitrag)
Bild: Fabian von Löbbecke (44) ist Diplom-Mathematiker und Betriebswirt betriebliche Altersversorgung. Nach verschiedenen Führungsfunktionen u.a. bei der Generali Pensor Pensionsfonds AG und der Volksfürsorge Pensionskasse AG übernahm er 2011 den Vorstandsvorsitz der Talanx Pensionsmanagement AG und die Verantwortung für den Bereich betriebliche Altersversorgung bei der HDI Lebensversicherung AG (beide Köln). (Quelle: Talanx)
bAV · HDI · Zielrente
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