Schlaglicht

Generali: Plant Liverani den großen Umbruch?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Noch ist keine Entscheidung gefallen. Dennoch sind in der Generali Deutschland Szenarien angedacht, die zu gravierenden Veränderungen in der Konzernstruktur führen würden. Damit erscheint der plötzliche Weggang von Finanzvorstand Torsten Utecht (48) noch in einem ganz anderen Licht. Spekuliert wurde, dass er sich gegen einen Verkauf des Generali Exklusivvertriebs an die DVAG ausgesprochen und deshalb das Handtuch geworfen habe.
Treibende Kraft hinter den Veränderungen, die keinen Stein mehr auf dem anderen lassen würden, soll Deutschland-Chef Giovanni Liverani sein. Seine Überlegungen sollen vorsehen, die Tochtergesellschaften AachenMünchener Versicherung AG und Generali Sachversicherung AG zu fusionieren und in einem weiteren Schritt die Generali Lebensversicherung AG in den "Run off" zu schicken.
Die Leben leidet mehr als viele andere Konkurrenten unter der Niedrigzinsphase. Damit hätte der Generali Vertrieb keine Haupt-Produktgeber mehr, weil der andere Lebensversicherer des Konzerns, die AachenMünchener Leben und die AachenMünchener Versicherung aufgrund eines Exklusivvertrages ausschließlich vom Vertrieb der DVAG bedient werden dürfen. An der DVAG ist die Generali mit 40 Prozent beteiligt.

Verhandlungen über Verkauf des Vetriebes an DVAG

Um nun dem Generali Vertrieb eine neue Perspektive geben zu können, verhandelt Liverani derzeit mit dem Chef der DVAG, Andreas Pohl, über einen Verkauf des Vertriebs an diesen. Würde das Szenario Wirklichkeit werden, bedeutet das für die erfolgreichsten deutschen Finanzvertrieb einen weiteren erheblichen geschäftlichen Aufschwung.
Realistische betriebswirtschaftliche Berechnungen von Utecht hätten allerdings, so heißt es, zum Ergebnis geführt, dass der Übergang des Vertriebs mit großen Risiken verbunden sei, zumal das jetzt bestehende Geschäftsmodell erfolgreich anlaufe. Zudem sei nicht auszuschließen, dass unter anderem rund ein Drittel der Agenturen den Weg in die DVAG verweigern würde und über die Jahre mit erheblichen Bestandsübertragungen auf andere Gesellschaften zu rechnen sei (siehe KÖPFE & POSITIONEN).
Nachdem bereits das Maklergeschäft in Leben von der Dialog Lebensversicherung AG betreut wird, will Liverani zudem das Geschäft mit freien Vermittlern in Komposit komplett einstampfen, obwohl Makler in diesen Sparten rund 800 Mio. Euro Bestandsprämie einbringen.
Auch für die AdvoCard Rechtschutzversicherung AG und die Central Krankenversicherung AG sind nach Informationen von Insidern große Veränderungen vorgesehen. So sollen zwar die Marken erhalten bleiben, aber die Gesellschaften durch eine gemeinsame verwaltungstechnische Plattform unter dem Dach der AachenMünchener zusammengeführt werden. Daneben gibt es dann noch die CosmosDirekt.

Generali will sich wohl von internationalen Töchtern trennen

Ganz trennen will sich die Generali hingegen von Tochtergesellschaften in anderen Märkten. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet, soll die französische Großbank BNP Paribas mit dem Verkauf der Generali Niederlande beauftragt worden sein. Zudem stehe auch das Geschäft in Belgien und Portugal unter besonderer Beobachtung. In Lateinamerika gelte ein Verkauf der Töchter in Panama, Ecuador und Kolumbien als wahrscheinlich.
So habe die Generali bereits im November 2016 angekündigt, sich aus weniger rentablen Märkten zurückziehen zu wollen. Mit dem Verkauf internationaler Unternehmensanteile will der Versicherer eine Milliarde Euro erwirtschaften, heißt es weiter. Zudem sollen die Betriebskosten laut Reuters um mindestens 200 Mio. Euro reduziert werden.
Demnach verdreifachte sich der Nettogewinn der niederländischen Generali-Tochter in 2015 gegenüber dem Vorjahr auf 5,4 Mio. Euro. Problematisch sei laut Bericht hingegen das Lebengeschäft. Hier brach der Gewinn laut Nachrichtenagentur in 2015 auf 1,9 Mio. Euro (2014: 4,5 Mio.) ein. Laut Reuters waren weder die Generali noch BNP Paribas zu einer Stellungnahme bereit. (vwh)
Bild: Generali in München (Quelle: Generali)
Generali · DVAG · Torsten Utecht · Giovanni Liverani
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