Politik & Regulierung

AOK: In Krankenhäusern wird zu wenig operiert

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die AOK bemängelt, dass in vielen Krankenhäusern die notwendige Erfahrung für Operationen fehle. Daher fordern das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) und der AOK-Bundesverband Mindestmengen in der stationären Versorgung. Denn je häufiger ein Eingriff erfolge, desto besser seien die Behandlungsergebnisse, heißt es im neuen Krankenhausreport der Krankenkasse.
"Die Mindestmengenregelungen müssen zum Schutz der Patienten dringend auf weitere stationäre Leistungen ausgeweitet werden. Neben dem Hüftgelenkersatz sind dies beispielsweise Schilddrüsen- und Brustkrebsoperationen oder auch die Geburtshilfe", fordert Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. So gebe es derzeit nur sieben komplexe Leistungsbereiche mit einer gesetzlichen Mindestmengenregelung. Dazu zählen laut AOK unter anderem Nierentransplantationen, Knieendoprothesen-Operationen sowie die Versorgung von Frühchen.
Allerdings bemängelt die AOK in ihrem Report auch, dass viele Kliniken entsprechende Vorgaben nicht einhalten würden, wenn es diese gebe. Ein Beispiel: Führten 2014 rund 700 Krankenhäuser rund 12.000 Bauchspeicheldrüsenoperationen durch, so erreichte knapp die Hälfte der Häuser nicht einmal die Mindestmenge von zehn OP's pro Jahr. "Wir brauchen Transparenz darüber, welche Kliniken die Mindestmengen nicht einhalten. Per Gesetz sind diese Leistungen von den Krankenkassen dann auch nicht zu bezahlen. Bei der Umsetzung dieses Weges brauchen wir deutlich mehr Mut und Willen aller Beteiligten", betont Litsch.
Zudem könnten Kleinstversorger ihre Leistungen mittels entsprechender Ausnahmeregelungen weiterhin anbieten, obwohl sie diese Mindestmengen nicht einhalten. "Ob ein Haus mit Kleinstmengen im Einzelfall gute oder schlechte Arbeit geleistet hat, ist statistisch nicht bewertbar und widerspricht dem grundlegenden Prinzip von Mindestmengen. Das gefährdet die Versorgung der Patienten", ergänzt Jürgen Klauber, Geschäftsführer des WIdO und Mitherausgeber des Krankenhaus-Reports: "Wenn eine Mindestmenge besteht, muss das die Messlatte für alle Kliniken sein, so wie auch Geschwindigkeitsbeschränkungen im Straßenverkehr keine Ausnahmen kennen." (vwh/td)
Bildquelle: NicoLeHe / pixelio.de
Krankenhaus · AOK · Krankenhausreport
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