Schlaglicht

Pflegeroboter lösen Demographieproblem

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich bis 2050 um mehr als vier Millionen verdoppeln. Dabei ist das Krankenhauspersonal bereits an der Belastungsgrenze, wird heute der Krankenhausreport der AOK bemängeln. Maschinen könnten die Lösung sein. Nach Drohnen und autonomen Autos wollen Entwickler endlich den Massenmarkt in der Pflege erobern. Dem steht wie so oft die ungeklärte Haftungsfrage im Weg.
Laut einer Umfrage der Zurich fürchten sich 70 Prozent der Deutschen davor, selbst pflegebedürftig zu werden. Gar 75 Prozent meinen, dass die Versorgung in Zukunft noch schlechter werde. Die Befürchtung scheint nicht ganz ungerechtfertigt - ist doch aus das Krankenhauspersonal selbst von den Folgen des demografischen Wandels unmittelbar betroffen.
Daher verwundert auch nicht, dass das Personal im Gesundheitswesen laut DAK Gesundheitsreport 2016 mit den höchsten Krankenstandswert aufweist. Häufigstes Gebrechen: Der Rücken. Zudem ergab eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), dass allein in der stationären Altenpflege 6,3 Prozent der Mitarbeiter jeden Tag durch Krankheit ausfallen. Im bundesweiten Durchschnitt liegt der Krankenstand aller Branchen bei nur 4,8 Prozent. Daneben dominieren in der Pflegebranche vor allem Langzeiterkrankungen. Das heißt: Beschäftigte können häufig mehr als vier Wochen lang nicht arbeiten.
Japan als Abbild unserer zukünftigen Pflegebranche
Geht es nach den Plänen mancher IT-Experten könnte die Pflege der Zukunft jedoch mit deutlich weniger menschlichem Personal auskommen. Die Lösung: Der Pflegeroboter. So hat ein Forscherteam aus Ilmenau jüngst für 1,5 Mio. Euro einen Prototypen entwickelt, der Reha-Patienten beim Lauftraining helfen soll. Dabei ist das technikaffine Japan hingegen den deutschen Entwicklern bereits um einiges voraus.
Bereits 2015 präsentierte das Forschungsinstitut Riken einen eigens entwickelten humanoidem Roboter namens Robear. Mit seinen langen, kraftvollen Armen kann der Roboter-Bär mit sensibler Motorik und ausfahrbaren Standfüssen Patienten vom Bett in den Rollstuhl heben und umgekehrt.
Riken ist jedoch nicht der einzige Entwickler von Pflegerobotern. Besonders japanische Firmen, darunter Toshiba, Panasonic und Toyota, wagten mit humanoiden Robotern Vorstöße auf den Pflegemarkt, denn das demografische Problem ist dort weiter fortgeschritten. Für Deutschland ist Japan, diesjähriges Partnerland der Cebit, somit ein Abbild einer möglichen Zukunft der heimischen Pflegebranche.
Während hierzulande die Angst vorherrscht, dass über Roboter die Arbeit wegrationalisiert wird, betrachten die Menschen in Japan die Automation eher als Erleichterung der Arbeit. Schon heute liege Deutschland bei der "Roboter-Dichte" weltweit auf Platz drei hinter Südkorea und Japan – und trotzdem sei die Beschäftigung auf einem Rekordstand, erklärt der Maschinenbau-Verband VDMA.
EU fordert Robotergesetz
Offen ist hingegen noch die Frage der Versicherbarkeit: So sorgte bereits 2015 in der japanischen Stadt Niigata ein Vorfall für Aufregung mit einem Pflegeroboter für erhebliches Aufsehen, als ein humanoider Roboter versucht haben soll, einen Rentner zu erwürgen.
Dennoch gab das Europäische Parlament bereits eine Empfehlung über den zivilrechtlichen Umgang mit Robotern ab. Bei einer vollständigen Umsetzung wäre es das erste Robotergesetz für Europa. Laut Entwurf soll neben der natürlichen und der juristischen Person im Rechtswesen eine neue Roboterkategorie eingeführt werden: die der "elektronischen Person". Sogar eine obligatorische Versicherung schlagen die EU-Parlamentarier vor, bei der der Hersteller für jeden autonomen Roboter eine Versicherung abschließen sollte.
In der Tat ist die ungeklärte Haftungsfrage und Sicherheitsproblematik einer der Gründe, warum Roboter in Krankenhäusern oder in der häuslichen Pflege nicht stärker eingesetzt werden. Der Hauptgrund ist jedoch banaler: Die Technik ist meist noch nicht genug ausgereift und schlicht zu teuer. (td/jh/dg)
Ein ausführliches Szenario über die Roboterpflege in deutschen Krankenhäusern lesen Sie morgen in der neuen Ausgabe des Business- und Managamentmagazins Versicherungswirtschaft.
Bild: Der Robear kann Patienten vom Bett in den Rollstuhl heben oder beim Aufstehen helfen. (Quelle: Riken)
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