Schlaglicht

Bätes Milliardenentscheidung

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Heute legt Europas größter Versicherer seine Zahlen für 2016 vor. Doch die Branche interessiert nur, ob CEO Oliver Bäte ein geeignetes Übernahmeziel gefunden hat oder der Konzern für Milliarden eigene Aktien zurückkauft. Letzteres ist wahrscheinlicher als ein Zukauf im Ausland, obwohl der Versicherer eigentlich nur durch Übernahmen wachsen kann. "Wir müssen auch in Wachstum investieren. Wer nicht wächst, stirbt", sagt Bäte.
Sowohl der Umsatz als auch der Ertrag dürften bei den Münchnern laut Analystenprognosen 2016 kaum zugelegt haben. Das trifft nicht nur auf den Branchenprimus zu. "Das Problem unserer Branche ist: Sie wächst nicht", warnte Bäte kürzlich vor Analysten.
Ausweg aus der Wachstumsfalle: Der Kauf neuer Geschäftsteile. Für die Allianz würde nur eine große Übernahme Sinn machen, gerne auch in den USA, deutete Bäte an. Seit Wochen kursieren Gerüchte, dass der Versicherer die Teile des Deutschlandsgeschäfts der Generali übernehmen könnte, wenn die italienische Bank Intesa Sanpaolo den Triester Versicherer schluckt, berichtete VWheute. Das Interesse bestehe an den französischen, deutschen und osteuropäischen Generali-Sparten im Bereich Sach- und Lebensversicherung, meint Philipp Häßler von der Equinet Bank AG in Frankfurt. In Italien selbst sei die Allianz bereits gut aufgestellt.
Auch ein möglicher Zukauf in Australien sorgte für Schlagzeilen, der Versicherer QBE dementierte jedoch die Gerüchte. Investoren und Analysten glauben jedoch, dass Bäte nichts überstürzen wird und nicht genutztes Budget an die Aktionäre ausschütten wird.
Allianz gehört, neben Daimler und Siemens, zu denjenigen Unternehmen, die jeweils mehr als drei Mrd. Euro für die Beteiligung der Investoren an den Unternehmensgewinnen bereithalten. Die Allianz führt die Favoritenliste der DZ Bank bei den "Dividendenaristokraten" an, d.h. das Unternehmen punktet bei der Dividendenrendite, der Kontinuität der Ausschüttungen in der Vergangenheit und beim künftigen Auszahlungspotenzial. In den letzten zehn Jahren hat die Allianz den Daten der DZ Bank folgend neun Mal die Dividende mindestens auf Vorjahresniveau gehalten und dabei sogar sieben Mal die Ausschüttung erhöht.
Abgesehen von Investitionsentscheidungen werden Beobachter auf Bätes Wortwahl in Sachen Digitalisierung achten und daraus ableiten, was das womöglich für die Landesgesellschaften bedeutet. Mit seinem Umbauprogramm hat Bäte viele brüskiert. Führende Allianz-Manager kritisieren die zunehmend zentralistische Unternehmensausrichtung. Laut Wirtschaftswoche könnte Deutschland-Chef Manfred Knof sich die Rolle des CEO zutrauen. Knof bezeichnete diesen Bericht als "absoluten Quatsch", berichtete VWheute. (vwh/dg)
Bild: Vorstandsvorsitzender der Allianz SE Oliver Bäte (Quelle: Allianz SE)
Allianz · Fusion · Übernahme · Oliver Bäte
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