Politik & Regulierung

Solvency II gibt Run-off mehr Schwung

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Die Frage, wie man mit unrentablen Produkten umgeht, kann unterschiedlich beantwortet werden. Konsens besteht dagegen bei allen Akteuren darüber, dass die Versicherungswelt sich verändert hat und die Antworten von gestern nicht die von morgen sein werden. Diese Erkenntnis zog sich als roter Faden durch die SZ-Fachkonferenz Run-off 2017.
Wichtigster Treiber für das Schließen und Verkaufen von Beständen ist Solvency II, darüber waren sich alle Referenten einig. Dadurch müssen Risiken mit mehr Eigenkapital unterlegt werden und binden anderweitig – zum Beispiel für den Ausbau der Digitalisierung – benötigte Mittel. Als Folge davon wird in den Versicherungsunternehmen zunehmend der Fokus auf die Identifizierung leistungsschwacher Sparten und auf Exitstrategien sowie auf die Konzentration aufs Kerngeschäft gelegt.
Arndt Gossmann, Vorstandsvorsitzender der Darag, sieht die Marktentwicklung deshalb optimistisch. Erstmals sei 2016 bei einer Transaktion die Milliardengrenze überschritten worden und zwar durch die Übernahme von US-Schadenversicherungen der Allianz Re durch den Run-off-Spezialisten Enstar für 1,1 Mrd. US-Dollar. Nun sei zu hoffen, dass 2017 auch ein mittelgroßer Versicherer diese Grenze überspringt.
Für Europa sieht Gossmann ein Run-off-Potenzial von 247 Mrd. Euro insgesamt, davon seien 80 bis 90 Mrd in den nächsten fünf Jahren realisierbar. 68 Prozent werden nach seinen Erwartungen auf Portfolios mit durchschnittlich zehn bis 100 Mio. Euro entfallen. Der größte europäische Markt ist Deutschland, hier schätzt Grossmann das Potenzial auf 113 Mrd Euro.
Ob es effizienter ist, Bestände zu verkaufen, sie im eigenen Unternehmen abzuwickeln oder eine Neupositionierung zu versuchen, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Philipp Gmür, CEO der Helvetia Gruppe, plädierte für eine Neuausrichtung im eigenen Unternehmen, das angesichts der in der Schweiz noch extremeren Niedrigzinssituation die Produktpalette auf "moderne Produkte" umgestellt hat, mit denen sich die Helvetia auf Eigenkapital-schonende Angebote konzentriert.
Manfred Dirrheimer, Vorstandsvorsitzender der FWU AG, die seit gut 20 Jahren das Run-off-Geschäft betreibt, findet dagegen, dass Restrukturierung Financial Engineering schlägt und stellte die Effizienzgewinne, die durch Abgeben der Bestände erzielt werden können, dar. Ein wesentlicher Vorteil ist dabei, auch hier waren sich die Referenten einig, dass mit einer Migration der Bestände oft auch eine veraltete IT durch ein modernes System aus einem Guss ersetzt werden kann. (sgk)
Bild: Arndt Gossmann, Vorstandsvorsitzender der Darag, auf SZ-Fachkonferenz Run-off 2017. (Quelle: sgk)
Solvency II · Run-off
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