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Fensterflucht einer Prostituierten gilt als Arbeitsunfall

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Mit Hilfe eines geknoteten Bettlakens entkam eine Prostituierte in Hamburg ihrem brutalen Zuhälter. Bei der Fluchtkletterei geriet die Frau in Panik und sprang auf die Straße, was mehrere schwerere Knochenbrüche zur Folge hatte. Warum in diesem Fall ein Arbeitsunfall vorliegt und wie menschlich die kühle deutsche Bürokratie sein kann, erfahren Sie im Kuriosum der Woche.
Mit Hilfe einer aus Bettlaken konstruierten Fluchtleiter wollte sich die in Hamburg als Prostituierte arbeitende Ingenieurin vor ihrem gewalttätigen Zuhälter in Sicherheit bringen und im Anschluss in ihr Heimatland zurückkehren. Die aus dem Sturtz resultierenden Verletzungen wollte sie als Arbeitsunfall geltend machen, was die Verwaltungs-Genossenschaft ablehnte. Ihre Ablehnung begründete die Genossenschaft mit dem Fehlen eines gültigen Arbeitsvertrag und der nicht vorhandenen Arbeitserlaubnis. Der Frau wäre bewusst gewesen, dass sie mit ihrem Schengen-Touristenvisum nicht hätte arbeiten dürfen, so die Argumentation. Weiterhin habe sie keinen regelmäßigen Lohn erhalten oder wäre bei einer Krankenkasse angemeldet gewesen. Aus diesen Gründen läge kein Beschäftigungsverhältnis vor und demnach auch kein Arbeitsunfall. Eine bürokratisch, rationale Begründung, die aber widerlegt wurde, und zwar richterlich:
Nach Ansicht des Hamburger Sozialgerichts hätte nämlich sehr wohl ein Arbeitsverhältnis vorgelegen. Die Betroffene sei einer Tätigkeit nachgegangen, in eine fremde Arbeitsorganisation eingegliedert gewesen und dem Weisungsrecht ihres Arbeitgebers unterstanden, und zwar insbesondere auf Art der Arbeitsausführung, Dauer und Zeit. Darüber hinaus habe sich die Frau regulär auf eine Internetanzeige beworben und eine Lohnabsprache fand statt. Zudem wurden Arbeitsmittel wie Kondome und Gleitcreme sowie Wohnung und Arbeitshandy gestellt. Das alles sind nach Ansicht des Gerichts Merkmale einer angestellten Tätigkeit. Der Sprung selber sei das Resultat einer extremen Belastungssituation infolge des höchst problematischen und gewalttätigen Beschäftigungsverhältnisses gewesen.
Das Gericht wertet die Verletzungen final und mittlerweile rechtskräftig als Arbeitsunfall und beweist damit, dass kühle deutsche Bürokratie auch zutiefst menschlich sein kann. (vwh/mv)
Bild: Eros-Center-Schild in Hamburg (Quelle: Andre-Pierre du Plessis)
Arbeitsunfall · Urteil · Justiz · Gericht
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