Schlaglicht

Indien privatisiert Versicherer

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der indische Staat will Anteile an fünf Versicherern verkaufen. Für jeweils 25 Prozent der Anteile will man im kommenden Jahr Interessenten finden, berichtet die Asia Insurance Review. Die Regierung verspricht sich dadurch Einnahmen in Milliardenhöhe. Die Zeit ist günstig, sich einzukaufen: Der indische Versichungsmarkt steht vor einem großen Wachstumsschub.
Bisher waren sie komplett verstaatlicht, nun stehen New India Assurance, United India Insurance, Oriental Insurance, National Insurance und sogar die GIC Re, bisheriger Monopolanbieter in der Rückversicherung, zum Teilverkauf. Die Privatisierung ist Teil eines staatlichen Dis-Investment-Programms. Umgerechnet rund elf Mrd. US-Dollar sollen dadurch in die Regierungskasse fließen, 1,6 Mrd. US-Dollar sollen die Versicherungs-Assets bringen, erklärte Dis-Investment-Sekretär Neeraj Gupta gegenüber dem Press Trust of India.
1972 hatte Indien sämtliche Nicht-Lebensversicherer verstaatlicht, 55 nationale Gesellschaften sowie 52 ausländische Niederlassungen waren davon betroffen. Die vier nun angebotenen Gesellschaften fasste man unter die Staatsholding GIC. Im Jahr 2000 schlug das regulatorische Pendel um in Richtung Liberalisierung: Die vier Erstversicherungstöchter der GIC verloren ihr Monopol, GIC wurde zum Rückversicherer in Monopolstellung. Die Kontrolle über die vier bisherigen Töchter ging an die indische Regierung über, die Versicherungsaufsicht an die Irdai (Insurance Regulatory Authority of India).

Alle Zeichen stehen auf Wachstum

Im Jahr 2015 liberalisierte die indische Regierung auch den Rückversicherungsmarkt des Landes, wenn auch mit einer gewissen Wartezeit: Bis sie eine Lizenz durch die Irdai erhielten, mussten die großen westlichen Rückversicherer ein Jahr warten. Doch seit Jahresbeginn purzeln die Meldungen zum Markteintritt, Anfang Januar eröffnete Munich Re eine Niederlassung in Mumbai und Swiss Re zog am 1. Februar 2017 nach. Auch Hannover Re, SCOR und RGA besitzen nun eine indische Lizenz. Hitesh Kotak, Chief Executive Officer der indischen Niederlassung von Munich Re, erwartet zu Recht einen intensiven Wettbewerb, aber auch kräftiges Wachstum: "Auf dem Erstversicherungsmarkt rechnen wir in allen Geschäftsfeldern mit Zuwächsen: im Privatkundengeschäft wegen der zunehmenden Versicherungsdurchdringung, in der Sach- und Bauversicherung aufgrund neuer Infrastrukturprojekte und dem Fokus auf die herstellende Industrie, im Agrarsektor durch die Zunahme der Ernteversicherung", sagte Kotak gegenüber dem unternehmenseigenen MagazinTopics Online.
Für den weltgrößten Lebensversicherungs-Markt mit 360 Mio. Policen berichtet die Aufsichtsbehörde Irdai über ein Neuprämiengeschäft von 20,54 Mrd. US-Dollar. Mit 70 Prozent Marktanteil beherrscht die LIC das Leben-Geschäft, doch das könnte sich bald ändern. Beobachter gehen von einer Vervierfachung des Prämienvolumens auf dem indischen Versicherungsmarkt innerhalb der nächsten zehn Jahre aus, derzeit liegt es bei  60 Mrd. US-Dollar. Das dynamische Schwellenland liegt im politischen Risiko-Rating von Euler und Hermes in der besten Bewertungskategorie. Eine Teilakquise der staatlichen Versicherer lohnt sich nicht nur aufgrund der guten Marktaussichten: Trotz der Verluste im Kerngeschäft stehen die Staatsversicherer gut da, schreiben Gewinne, haben gesunde Investments und halten nicht wenige Blue-Chip Shares, berichtet die Times of India.
Die Gretchen-Frage für den annoncierten Teilverkauf der großen Vier bleibt: Ist Indiens Regierung so liberal, die Gesellschaften auch an ausländische Versicherer zu verkaufen? Oder teilen Indiens Oligarchen und Industriellenfamilien die Anteile unter sich auf? Den möglichen Anteil ausländischer Stakeholder an indischen Versicherungen hatte das Parlament im Jahr 2015 auf 49 Prozent angehoben. Grundsätzlich könnten sich westliche Gesellschaften also einkaufen. Ob die Regierung das zulässt, wird sich in ein paar Monaten zeigen. Erst dann wird mit den ersten Geboten gerechnet. (vwh/cpt/de)
Bild: Das Gateway of India in Mumbai (Quelle: C. Sürgers / pixelio.de)
Lesen Sie mehr zu den aktuellen Herausforderungen und Entwicklungen des indischen Versicherungsmarktes im Business- und Managementmagazin Versicherungswirtschaft.
Indien · Irdai
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