Politik & Regulierung

Razzia bei Börsen-Chef: Greift die D&O?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main ermittelt gegen Carsten Kengeter, den Vorstandschef der Deutschen Börse, wegen des Verdachtes auf Insiderhandel. Laut einem Bericht des Nachrichtenportals tagesschau.de seien das Büro und die Frankfurter Wohnung Kengeters bereits durchsucht worden. Dabei waren auch Beamte der Bundesanstalt für Finanzdienstaufsicht (Bafin) zugegen.
Laut Bericht wirft die Staatsanwaltschaft dem Börsenchef vor, die Fusion mit der Londoner Börse LSE bereits vor den fraglichen Aktienkäufen angebahnt zu haben: "Dem Beschuldigten wird zur Last gelegt, Mitte Dezember 2015 in Kenntnis dieser bis dato nicht veröffentlichten Vertragsgespräche, welche die Staatsanwaltschaft als Insiderinformation (...) wertet, Aktien der Deutsche Börse AG erworben zu haben." Allerdings handele es sich bislang um einen Anfangsverdacht.
Nach Ansicht von Franz Held, Mitglied der Geschäftsleitung der VOV GmbH in Köln, stelle sich nun "die Frage, inwieweit so ein möglicher Verstoß gegen das Wertpapierhandelsgesetz zum D&O-Thema wird. Solange es sich hier ausschließlich um strafrechtliche Verfahren handelt, dürfte dies in erster Linie ein Thema für den Rechtsschutzversicherer sein. Kommen jedoch zivilrechtliche Ansprüche hinzu, ist auch der D&O-Versicherer gefragt. Die meisten D&O-Policen schließen jedoch z.B. Forderungen im Kontext von Geldbußen oder Geldstrafen aus. Wenn aber neben vorstellbaren unmittelbaren Ansprüchen gegen das Vorstandsmitglied auch gegen das Unternehmen etwa auf der Grundlage des Wertpapierhandelsgesetzes eine Geldbuße verhängt wird, können zum Beispiel im Falle eines gedeckten Innenregresses durchaus Ansprüche an den Manager gestellt werden, bei denen dann die D&O-Versicherung einspringen muss."
Selbst der zentrale Ausschluss der wissentlichen Pflichtverletzung liege die Hürde für eine Deckungsablehnung derart hoch, dass der Vorsatzvorwurf bei einem Pflichtenverstoß an der Einstandspflicht der Managerhaftpflichtversicherung nichts ändern wird. "Ein weiteres Schadenszenario kann eintreten, wenn das Unternehmen zum Beispiel hochbezahlte externe Berater benötigt, um den Sachverhalt intern aufzuklären. Auch das könnte man als Schadensersatzforderung gegen den Vorstand vorbringen und damit auch den D&O-Versicherer beschäftigen", betont Held. (vwh/td)
Bildquelle: Deserteagle
D&O-Versicherung
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