Märkte & Vertrieb

Innovatives Asset-Management in der Niedrigzinsphase

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
In Zeiten wie diesen zeigt sich, was es heißt Risiken zu managen: Als wären die negativen Zinsen nicht schon Herausforderung genug; als würde die Regulierung die Spielräume nicht schon völlig verengen und als würden die politischen Signale aus Brüssel und Berlin nicht allein schon die Strategen und Analysten in der Versicherungswirtschaft beschäftigen, drohen nun mit der Amtsübernahme Donald Trumps zahlreiche weitere unabsehbare Konsequenzen.
Trump & Brexit, so lassen sich die wichtigsten wirtschaftspolitischen Implikationen für das kommende Jahr 2017 umschreiben. Wird der Brexit hart (Beobachter sagen ja) und setzt Trump seine Wahlkampfversprechen um (Beobachter befürchten ja)? Und was bedeutet das für die Wirtschaft im Allgemeinen und für die Asset-Manager der Versicherungswirtschaft im Besonderen? Mit einem Wirtschaftswachstum von bis zu 2,9 Prozent rechnet als "Trump-Effekt" die Bayerische Landesbank auf der ersten, hochkarätig besetzten Capital-Investment-Management (CIM) Konferenz des MCC in München.
In seinem Eröffnungsvortrag gab deren Chefvolkswirt Jürgen Michels aber auch seiner Sorge mit Blick auf den Euroraum Ausdruck. Michels rechnet mit einem weiteren "Durchwursteln" und "Vergemeinschaften", allerdings nur solange, wie die Bürger ihre Laune dabei nicht verlören, was mit Blick auf Frankreich und die Niederlande wo in diesem Jahr -vermutlich populistisch- gewählt wird, fraglich ist. Dann drohe durchaus ein Zerfall der Europäischen Union, so der Ökonom.
Als sehr widerständig bezeichnete der Chefvolkswirt der Allianz SE, Michael Heise, die Weltwirtschaft, denn schon 2016 wurden die Schocks sehr gut verarbeitet. Damit rechnet man in der Königinstraße auch für 2017 im Basisszenario. Riskant sei allerdings der neue US-Protektionismus, der sich in Aktion und Reaktion unkontrolliert aufschaukeln könnte, so die Befürchtung Heises.
Aber auch wenn diese Konsequenzen beherrschbar blieben, drohe den Vereinigten Staaten durch die "Trumponomics" wie Steuersenkung und Liberalisierung über ein starkes Wachstum eine volkswirtschaftliche Überhitzung mit ebenfalls unberechenbaren Auswirkungen.
In dieser "Boom-bast"-Szenario genannten Situation könnte es 2019 und 2020 zu schmerzhaften Korrekturen kommen, so Heise weiter. Eine wirklich große Gefahr sieht der Ökonom zudem auch durch die Schwellenländer-Schuldenkrise. Und wenn sich die disruptiven Momente, Stichwort "Digital Finance", häuften bestehe für "Super-Assett-Manager", so Heise, die Herausforderung nicht nur darin zu überleben, sondern die Chancen zu ergreifen: Multi-Asset-Strategie heißt hier der Ansatz.
Im exklusiven Interview mit VWheuteTV erläutert Heise die Anlagestrategie der Allianz SE, gibt Antworten auf die Fragen nach den konjunkturellen Erwartungen für das Jahr 2017 und identifiziert die wichtigsten Risiko-Hotspots für die Versicherungswirtschaft.
Ein abrupter Zinsanstieg hingegen ist für den Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Klaus Wiener, eines der größten Risiken. Natürlich sei die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) mit ihrem Präsidenten Mario Draghi an der Spitze eine "schwere Medizin", die nur "in geringen Dosen und in einer begrenzten Zeit verabreicht" werden dürfe, aber immerhin haben sich in der Zinszusatzreserve mittlerweile 45 Mrd. Euro angesammelt, die langsam zum Problem werden könnten.
Zudem rechnet man für das Jahr 2018 mit einer Ablösung der Fed-Chefin Janet Yellen, ihr folgt vermutlich ein sogenannter finanzpolitischer "Fed-Falke". Die EZB habe außerdem ihr Ziel einer Inflation von rund zwei Prozent erreicht, weswegen man in der Branche für das Jahresende mit einem Einstieg in den Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik und wieder mit einer einprozentigen Rendite auf die zehnjährigen Staatsanleihen rechnet.
Was ist also zu tun um auch weiterhin auskömmliche Renditen zu erwirtschaften?
  1. Abschmelzen der Portfolioerträge
  2. Umsetzung einer Multi-Asset-Strategie
  3. Alternative Investments, mit weltweitem Fokus
  4. Entwicklung alternativer Versicherungsprodukte, neue "Hybrid-Modelle"
  5. Weltweite Infrastruktur-Investitionen
  6. Wie innovatives Asset-Management in der Niedrigzinsphase gestrickt sein muss und wie dabei auch die Nachhaltigkeit der Kapitalanlage gewährleistet werden kann, darüber diskutierten (v.l.n.r.) Sven Reuss, Pension Advisor bei der Commerzbank, Wolfram Gerdes, Vorstand der KZVK/VKPB, Klaus Wiener, Chefvolkswirt beim GDV, Moderation Heinrich Schradin von der Universität Köln, sowie Hans Wilhelm Korfmacher, Vorsitzender der Geschäftsführung WPV. Hier im Video ein kurzer Ausschnitt aus der Diskussionrunde auch zum Thema der Zinszusatzreserve.
    (vwh/ak)
    Bild: Geballte Kompetenz auf dem MCC Kongress in München zum Thema Kapitalanlagen in Zeiten niedriger Zinsen (v.l.n.r.): Jürgen Michels, Chefvolkswirt & Leiter Research bei der BayernLB, Michael Heise, Chief Economist bei der Allianz S.E und Klaus Wiener, Chefvolkswirt beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). (Quelle: Alexander Kaspar)
    GDV · Asset Management · Michael Heise · Klaus Wiener
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