Politik & Regulierung

Kein Pflicht-Check für Senioren am Steuer

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Einen strengen Fahrtauglichkeits-Check für Senioren wird es nicht geben. Experten von Autoclubs und Unfallforschern lehnten diese Forderung des Deutschen Anwaltsverein (DAV) auf dem 55. Verkehrsgerichtstag gemeinsam ab. Ein zwanghaftes Fahrverbot für Senioren gilt somit weiterhin nur, falls Fahrer besonders auffällig werden. Die Zahl der Führerscheinbesitzer über 75 Jahre wird sich in den nächsten 20 Jahren verdoppeln.
Zudem verursachen Fahrer in dieser Altersgruppe deutlich mehr Schäden als der Durchschnitt. Autofahrer ab 75 sind laut Statistik zu über 75 Prozent an Unfällen schuld, während diese Quote allgemein nur bei 55,5 Prozent liegt. Besonders oft verunfallen ältere Fahrer an Kreuzungen, weil sie von komplexen Situationen schneller überfordert sind. Gleichzeit verursachen sie weniger Überhol- und Geschwindigkeitsunfälle.
Doch ein Senioren-TÜV ist nach Einschätzung der Experten keine Lösung. "Gesundheits-Checks, die Senioren sind mit dem Führerscheinverlust bedrohen, haben eine Fehlerquote von 25 Prozent", sagte Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Diese Erfahrungen habe man mit solchen Test im Ausland gesammelt.
Damit wäre das Risiko groß, dass eigentlich noch fahrtüchtigen Senioren zu Unrecht ein Fahrverbot erteilt würde. Der UDV konnte sich daher in Goslar mit der Forderung nach der Einführung einer sogenannter Rückmeldfahrt für Senioren durchsetzen. Dabei wird ein der ältere Fahrer zeitweilig von einer geschulten Person im Auto begleitet.
"Der Begleiter kann dann auf Fehler aufmerksam machen und Vermeidungsstrategien aufzeigen", erläuterte Brockmann. Wer etwa in fremden Gefilden schnell die Orientierung verliert, sollte nur noch in der näheren Umgebung fahren. Auch Nacht- und Schlechtwetterfahrten könnten notfalls eingestellt werden. Anfänglich soll die Rückmeldefahrt freiwillig sein. Wird das nicht angenommen, soll sie als Pflicht eingeführt werden. Auch dann soll aber das Ergebnis immer unter vier Augen blieben.
"Zwar geben die tatsächlichen Unfallzahlen von Senioren zur Zeit noch keinen Grund, gesetzgeberische Maßnahmen zu erwägen. Allerdings zeigen die relativen Zahlen heute schon, dass mit veränderter Demographie und der zunehmenden Zahl auch weiblicher Führerscheinbesitzer die Zahl hochbetagter Fahrzeugführer in den nächsten Jahren deutlich anwachsen wird. Dabei müssen wir uns vor allem auf die Gruppe jenseits des 75. Lebensjahres konzentrieren. Ab diesem Alter verursachen Senioren gut 75 Prozent aller Unfälle, in die sie verwickelt sind, selbst. Zum Vergleich: Für die Hochrisikogruppe der 18- bis 21-Jährigen beträgt dieser Wert 71 Prozent", kommentierte Brockmann auf Anfrage von VWheute.
"Bis aus dem relativen auch ein tatsächliches Problem geworden ist, sollten wir für die Entwicklung wissenschaftlich fundierter Antworten und für die notwendige gesellschaftspolitische Diskussion nutzen. Aus meiner Sicht ist bereits erwiesen, dass sämtliche aus dem Ausland bekannte Screenings keinen positiven Effekt auf die Verkehrssicherheit haben", ergänzt der Leiter der Unfallforscher. (usk)
Bild: Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforscher der Versicherer (UDV) (Quelle: GDV)
Senioren · UDV · Unfallforscher
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