Märkte & Vertrieb

"Flaue Konjunktur und niedrige Zinsen"

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Von Jürgen Michels. Die ersten Wochen des Jahres sind an den internationalen Finanzmärkten recht ruhig verlaufen. Dies ist angesichts der politischen Entwicklungen seit Jahresbeginn erstaunlich, fast trügerisch. Wir haben nämlich gelernt, dass die Regierung unter Theresa May einen harten Brexit anstrebt und dass US-Präsident Donald Trump ähnlich unkonventionell agiert wie der Wahlkämpfer Trump, immer nach dem Motto "America first".
Eine mögliche Lehre aus den Finanzmarktentwicklungen der letzten Wochen wäre, dass die Warnungen vor negativen ökonomischen Konsequenzen des Brexits und einem protektionistischen Amerika völlig übertrieben sind. Dieser Ansicht sind wir nicht und gehen daher z.B. von einer Rezession in Großbritannien aus. Wir sind vielmehr der Meinung, dass die gestiegene politische Unsicherheit, insbesondere über die internationalen Handelsbeziehungen und die Fragilität der Währungsunion, von den Märkten unterschätzt wird, dies aber nicht von Dauer sein dürfte. Spätestens dann sollten die Märkte auf die gestiegene Unsicherheit reagieren, die Volatilität zunehmen und sich dies bremsend auf die Konjunktur auswirken.
In den kommenden Wochen dürfte ein weiteres Thema nicht nur die öffentliche Debatte, sondern auch die Entwicklung an den Rentenmärkten bestimmen: Inflation. Hier stellt sich die Frage, ob der Anstieg anhält oder eher kurzfristiger Natur ist und in erster Linie auf technischen Faktoren und dem jüngsten Anstieg der Ölpreise beruht. Wir sind der Meinung, dass es nur ein kurzes Intermezzo sein dürfte.
Wir sehen den Anstieg des Ölpreises auf über 50 Dollar als nicht nachhaltig an und erkennen wegen der in Europa noch immer unausgelasteten Kapazitäten kein Anziehen der unterliegenden Inflation. Dies spricht dafür, dass die EZB ihre ultralockere Geldpolitik fortsetzen wird und erst 2018 eine Entscheidung für das Tapering trifft. Auch die weiterhin hohe Verschuldung in vielen Mitgliedsländern lässt erwarten, dass die EZB sehr expansiv bleiben wird, während in den USA die Fed die Zinsen weiter anhebt.
Ausgehend von einem Anstieg der Renditen in den USA stellt sich dabei die Frage, ob dieser Renditeanstieg nachhaltig ist und 2017 zum Jahr der Zinswende wird. Wir beantworten diese Frage, zumindest mit Blick auf die globalen Entwicklungen und Europa, mit Nein. Aus unserer Sicht ist die Weltwirtschaft wegen der in vielen Ländern nach wie vor hohen Verschuldung nicht auf einen nachhaltigen und ausgeprägten Zinsanstieg vorbereitet.
Ein übermäßiger Anstieg der Zinsen in den USA würde in einer Reihe von Schwellenländern so starke wirtschaftliche Turbulenzen auslösen, dass diese die globale Erholung gefährden könnten. Wir gehen davon aus, dass derartige Kollateralschäden bei der Ausgestaltung der (Geld-)Politik in den USA berücksichtigt werden und die von Trump in Aussicht gestellten fiskalischen Lockerungsmaßnahmen nur zu einem kleineren Teil umgesetzt werden. Es wird also Turbulenzen, aber keine Zinswende geben.
Bild: Jürgen Michels, Chefvolkswirt der BayernLB, spricht heute auf dem Kongress "Capital - Investment - Management" in München. (Quelle: BayernLB)
BayernLB · Jürgen Michels
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