Politik & Regulierung

Ist der steuerliche Rechnungszins verfassungswidrig?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der steuerliche Rechnungszins steht derzeit heftig in der Kritik. Laut einer aktuellen Mercer-Umfrage können 84 Prozent der deutschen Unternehmen das Festhalten am steuerlichen Festzins von aktuell sechs Prozent nicht nachvollziehen. Demnach mussten die Unternehmen zum Jahresende rund 4,01 Prozent in der Handelsbilanz für Pensionsverpflichtungen aufwenden - mit steigender Tendenz, berichtet Mercer.
Das Problem liege vor allem darin, dass Unternehmen mit Direktzusagen in ihrer Steuerbilanz höhere Gewinne als in der Handelsbilanz ausweisen müssten. Damit würden diese gegenüber den Unternehmen mit anderen Durchführungswegen oder fehlender betrieblicher Altersvorsorge (bAV) benachteiligt werden, kritisiert Mercer weiter.
"Die Pensionsverpflichtungen werden damit künstlich kleingerechnet und die Unternehmen bestraft. Mittlerweile gehen Experten davon aus, dass diese Praxis verfassungswidrig ist", kommentiert Thomas Hagemann, Chefaktuar von Mercer Deutschland. Demnach seien 24 Prozent der Befragten dazu bereit, Direktzusagen auszubauen oder neu einzuführen, wenn die steuerlichen an die handelsrechtlichen Regelungen angepasst würden.
"Das passt nicht zum Abgesang auf die Direktzusage, von dem man heute immer wieder hört. Aber: Die steuerliche Diskriminierung hemmt eine weitere Verbreitung. Mit Blick auf die derzeitigen Reformbemühungen der Regierung, die ja eine weitere Verbreitung der bAV generell forcieren will, ist das eine wichtige Botschaft", betont Hagemann. "Dazu kommt, dass die durchschnittliche Anwartschaft aus einer Direktzusage deutlich höher ist als in anderen Durchführungswegen. Für eine auskömmliche Altersversorgung ist sie also nach wie vor ein wichtiges Standbein", ergänzt der Mercer-Chefaktuar. (vwh/td)
Bildquelle: I-vista / pixelio.de
Mercer · Rechnungszins
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