Märkte & Vertrieb

Bernadino: Leben ist nicht tot

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Anders als die deutsche Aufsicht hat die Eiopa offensichtlich keine Probleme damit, wenn Vertriebler und Gesellschaften mit hohen Solvenzquote beim Kunden werben. "150 sind besser als 140 Prozent", betonte Eiopa-Chef Gabriel Bernardino am Mittwoch auf dem SZ-Versicherungstag 2017. Wenn man stärker sei, dürfe man das auch zeigen, so der oberste Versicherungsaufseher weiter.
"Es gibt aber keine magische Zahl." Wichtiger sei für ihn die Transparenz und die Sensitivität für die eingegangenen und gemanagten Risiken. Schließlich hänge die Höhe der Solvenzquote vom Business-Modell ab. Mehr Transparenz erhöhe das Vertrauen der Kunden in die Versicherung, und dies könne für die Branche an sich nur gut sein. Im Übrigen stimme er nicht der Ansicht zu, dass die Lebensversicherung tot sei. Ziel der Aufsicht und des Eigenkapitalregimes Solvency ll seien es nicht, die Unternehmen risikoavers zu machen. Denn es gehe nicht darum, dass Versicherer Risiken vermieden, sondern selbige für die jeweiligen Volkswirtschaften bewusst und gut managten.
Die Digitalisierung könne in manchen Bereichen schon zu disruptiven Prozessen führen. Doch Cyber sei nicht nur ein Risiko, sondern auch mit Chancen verbunden, die man nutzen solle. Er wolle keinen regulatorischen Rahmen, der nur einen hohen Schutz biete, sondern auch technikfreundlich sei. In diesem Zusammenhang lädt er die Branche zu "runden Tischen" zum Erfahrungsaustausch ein.
Ein starkes Risikomanagement sei auch eine Frage der Unternehmenskultur, seiner Einschätzung nach muss es eingeübt und erlernt werden. Es gebe aber verschiedene Länder und Unternehmen, die in Sachen Orsa schon vor der Aufsicht aktiv tätig geworden wären und entschieden hätten. Er erwarte von den Unternehmen mehr Entscheidung und Handeln "bevor die Dinge komplizierter werden".
Bernardino sieht zudem die Notwendigkeit, Solvency II weiterzuentwickeln und anzupassen. "Es ist nicht perfekt", betonte der Eiopa-Chef. Für diesen Prozess benötige Eiopa den "Input" der Branche. Ein "Solvency III" schließt er zurzeit aus. (lie)
Bild: Eiopa-Chef Gabriel Bernardino (Quelle: Monika Lier)
Eiopa · Lebensversicherer · Gabriel Bernardino
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