Schlaglicht

Allianz will Generali: Die Braut ist billig, aber auch willig?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Allianz will mit der zweitgrößten italienischen Bank Intesa Sanpolo seinen Rivalen Generali schlucken, schreibt die Presse. Die Gerüchte sind nicht neu, werden aber immer glaubwürdiger: Allianz-Chef Oliver Bäte will zukaufen und die Italiener stecken in der Krise. Generali-Mitarbeiter würden Gerüchten zufolge bereits Verschwiegenheits-Erklärungen unterschreiben.
Die beteiligten Konzerne testen die Aktienmärkte, die Reaktion: Generali-Papiere stiegen gestern um fünf Prozent. Bereits im Dezember letzten Jahres kamen Gerüchte über das Interesse der Allianz am Frankreichgeschäft der Italiener auf, geschürt von den Zukaufabsichten des Allianz-Vorstandsvorsitzenden Oliver Bäte. Auch damals stieg der Aktienkurs der Italiener.
Unter Marktinsidern wird bereits seit einiger Zeit gemunkelt, dass Generali ernsthafte finanzielle Probleme haben soll. Aus dem europäischen Leitindex Euro Stoxx 50 wurde der Versicherer bereits rausgeworfen. Die Presse spekulierte, dass tausende Jobs in Gefahr seien. Bei der Vorstellung der Unternehmensziele im November sah sich CEO Philippe Donnet genötigt, Entlassungen explizit auszuschließen: Der Versicherer plane zwar Ausgabekürzungen in Höhe von 200 Mio. Euro, jedoch ohne personellen Aderlass. Die Versicherungsbranche ist in Italien traditionell eng mit den Banken verbunden. Derzeit beteiligt sich Generali an der Rettung der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena.

Große Nervösität auf der deutschen Führungsetage

Vor allem die deutsche Gesellschaft plagen große Probleme: So soll der Umbau der Außendienstorganisation in einen Exklusiv-Vertrieb nicht so zügig vorankommen wie erwartet. Zahlreiche, vor allem erfolgreiche Vermittler, sollen das Unternehmen inzwischen verlassen haben. Die Generali fahre auch einen sehr rigorosen Kurs, was die Absenkung der Provisionen betreffe. Vielen Führungskräften sei zudem die Richtung, in die sich das Unternehmen entwickeln soll, nicht mehr klar. Mit einer Gesamtverzinsung von 1,75 Prozent liegt die Generali aktuell am untersten Ende der Branche.
Weiter hält sich das Gerücht, dass die Generali mit den Tochtergesellschaften AdvoCard und Central zusammengeführt werden soll. Die Stärkung der Dialog Lebensversicherung, der erst vor kurzem auch das Lebensversicherungsgeschäft mit Maklern übertragen wurde, deutet auf eine neue und gewichtigere Rolle des Unternehmens im Konzern hin. Insider sprechen von einer zurzeit großen Nervosität auf der Führungsetage in der Zentrale in München. Das werde damit in Zusammenhang gebracht, "dass etwas Großes laufe und mit der Zukunft der Gesellschaften zu tun habe." Aufhorchen lässt auch, dass Führungskräfte und Mitarbeiter der deutschen Generali Gesellschaften Verschwiegenheits-Erklärungen unterschreiben mussten.

Ausverkauf italienischer Kronjuwelen

Eine Übernahme wäre aus kartellrechtlichen Gründen schwierig, denn die Allianz ist auf dem italienischen Markt bereits die Nummer Drei hinter Unipol und der Generali. Der angedachte Kauf wäre auch politisch schwer durchsetzbar: In Italien wäre die Zustimmung der Zentralbank nötig und auch der EU-Wettbewerbskommissar müsste grünes Licht geben. Aufgrund der Marktkraft der beiden Unternehmen dürfte das schwierig werden. Beide Unternehmen bezeichneten den Bericht als "Marktgerücht" und wollten sich dazu nicht äußern, auch nicht gegenüber VWheute. Schlagzeilen vom Ausverkauf italienischen Kronjuwels ins Ausland würden in der Politik nicht gut ankommen. Schon vor einem Jahr wurde die chronisch klamme Fluglinie Alitalia von der arabischen Etihad übernommen und sogar der AC Mailand kickt seit der angelaufenen Saison für einen chinesischen Großinvestor. Harte Schläge für die Psyche der italienischen Wähler.
UniCredit-Chef Jean-Pierre Mustier sagte kürzlich: "Für mich als 'Bürger Italiens' ist Generali wichtig für das Land. Generali muss italienisch bleiben, und Mediobanca muss die Unabhängigkeit des Versicherers schützen." Die mittelgroße Mediobanca ist Großaktionär von Generali, UniCredit ist wiederum an der Mediobanca maßgeblich beteiligt. Um Generali ranken sich seit Monaten Übernahmespekulationen, vor allem um eine Fusion mit der französischen Axa, wie VWheute berichtete. Aus Expertensicht wäre das unsinnig. Axa wolle in Asien wachsen, Generali sei hingegen stark in Italien, Frankreich und Deutschland, erklärte Philipp Fertig von Hauck & Aufhäuser gegenüber VWheute. (vwh/wo/mv/dg)
Bild: Allianz-Chef Oliver Bäte (Quelle: Allianz)
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