Unternehmen & Management

Insolvenz-Schäden steigen um 54 Prozent

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
In Deutschland sind die Firmeninsolvenzen in 2016 um 6,2 Prozent auf 21.789 Fälle gesunken (2015: 23.222 Insolvenzen). Trotz sinkender Fallzahlen steigt die Schadenssumme signifikant an. Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Bürgel klettern die Insolvenz-Schäden im vergangenen Jahr auf insgesamt 27 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Plus von 54 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2015: 17,5 Mrd. Euro).
Den Grund für den sprunghaften Anstieg sehen die Experten von Bürgel in den Insolvenzen wirtschaftlich bedeutender Unternehmen. Prominente Beispiele aus dem letzten Jahr sind die Firmen Steilmann, Sinn-Leffers oder German Pellets. Mit Blick auf die absoluten Fallzahlen ergibt sich ein deutliches Gefälle unter den einzelnen Bundesländer: Nordrhein-Westfalen ist Spitzenreiter mit 6.678 Firmenpleiten, gefolgt von Bayern mit 2.777 und Baden-Württemberg mit 1.741 Insolvenzen.
Zwar zeigt der Bundestrend sinkende Insolvenzen, doch auch bei der Veränderung zum Vorjahr gibt es sichtbare regionale Unterschiede. Demnach ist die Zahl der Insolvenzen im Saarland (plus 10,3 Prozent) sowie in Brandenburg (plus 7,4 Prozent), Sachsen (plus 6,7 Prozent) und Hamburg (plus 1,5 Prozent) gestiegen. Weniger Firmenpleiten verzeichnete die Wirtschaftsauskunftei hingegen gab es in Rheinland-Pfalz (minus 16,7 Prozent) und Thüringen (minus 15,3 Prozent).
Unterteilt nach Branchen steht die Baubranche mit 85 Firmeninsolvenzen je 10.000 Unternehmen an der Spitze der Insolvenzzahlen. Aber auch in der Logistik (83) und im Handel (70) liegt die Insolvenzquote über dem Durchschnitt. Die geringste Insolvenzdichte gibt es mit 32 Pleiten je 10.000 Unternehmen im Energiesektor.
"Durch den siebten Rückgang in Folge sind die Unternehmensinsolvenzen im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit 1999 gesunken", kommentiert Bürgel-Geschäftsführer Klaus-Jürgen Baum die aktuellen Zahlen.
Brexit und Trump verdüstern die Aussicht
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen. Demnach zählte der Verband im vergangenen Jahr rund 22.000 Firmenpleiten. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies ein Minus von sieben Prozent. Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit einem weiteren moderaten Rückgang auf 21.500 Pleiten. Besonders betroffen ist nach Verbandsangaben der Onlinehandel (48 Prozent), gefolgt vom Handwerk (39 Prozent), die Dienstleistungsbranche (36 Prozent) sowie Fitnessstudios (34 Prozent).
"Wir wissen nicht, wie lange die Puste beim Aufschwung noch hält – drängende Fragen, die sich stellen, sind unter anderem: Wie hart wird der Brexit und kann unsere Wirtschaft die Folgen eines solchen Bebens abfedern? Welche Auswirkungen auf die Konkurrenzfähigkeit unserer exportorientierten Unternehmen wird die Präsidentschaft von Donald Trump haben? Sollte es tatsächlich auf mehr Protektionismus und Einschränkungen für den freien Handel hinauslaufen, wären das denkbar schlechte Vorzeichen für ein weiteres Wachstum", kommentiert BDIU-Präsidentin Kirsten Pedd die aktuellen Zahlen.
Globales Insolvenz-Risiko steigt
Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet in diesem Jahr hingegen mit einer Trendwende bei den Unternehmensinsolvenzen: "In Deutschland stagnieren die Pleitefälle 2017 nach unserer Einschätzung erstmals - die Schäden sind durch Insolvenzen wirtschaftlich bedeutender Unternehmen zuletzt jedoch deutlich in die Höhe geschnellt", sagt Ron van het Hof, Vorstandsvorsitzender von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
"Hinzu kommen steigende Exportrisiken durch den Zuwachs bei den globalen Insolvenzen und auch dort erheblich steigenden Schäden. Bei drei der fünf wichtigsten deutschen Handelspartner steigen die Fallzahlen an: in China (plus zehn Prozent), Großbritannien (plus fünf Prozent) und den USA (plus ein Prozent)", ergänzt van het Hof. Während die Zahlen in den Niederlanden laut Kreditversicherer stagnieren, sind diese in Frankreich mit einem Minus von sieben Prozent weiterhin rückläufig, wenngleich weiterhin in der Nähe des Rekordniveaus.
"Pleiten in Deutschland und auch in einigen anderen westeuropäischen Staaten wie zum Beispiel den Niederlanden sind auf einem sehr niedrigen Stand", sagt Van het Hof. "Ein weiterer starker Rückgang ist daher unwahrscheinlich. Hinzu kommt eine dynamische 'Unternehmens-Demografie'. Die Zahl der Firmen und Neugründungen ist schneller gestiegen als die Gewinnmargen. Das führt in einigen Bereichen automatisch zu steigenden Insolvenzzahlen, da junge Firmen in der Regel eine wesentlich höhere Ausfallrate haben als etablierte Unternehmen", betont der DACH-Chef von Euler Hermes.
Weltweit geht Euler Hermes in einer aktuellen Prognose von einem Anstieg der Insolvenzen um ein Prozent aus. Haupttreiber seien negative Prognosen für Lateinamerika (plus zwölf Prozent der Insolvenzen in 2017), Afrika (plus neun Prozent), Asien-Pazifik (plus sechs Prozent) sowie Nordamerika (plus ein Prozent). (vwh/td)
Bildquelle: Fotolia
Euler Hermes · Insolvenzen
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