Schlaglicht

Die Geister, die Trump rief

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Mit gehörigem Pomp erfolgt heute die Inthronisierung des 45. US-Präsidenten, der sich als "größter Schöpfer von Jobs" sieht. Die US-Presse schickt eine Kampfansage, Versicherer wie Allianz und AIG hoffen auf Deregulierung und Steuersenkungen. Das alles treibt den US-Dollar. Doch ausgerechnet Donald Trump kritisiert die Stärke seiner Währung: "Sie bringt uns um." Seine Logik: Die Wirtschaft soll gestärkt werden, die Währung bitte nicht.
Trumps Konjunkturprogramm ist billionenschwer, das lässt die US-Wirtschaft wachsen und zieht noch mehr Kapital in die USA, was wiederum den Dollar-Kurs steigen lässt. Doch gleichzeitig verteuert das US-Exporte auf dem Weltmarkt: Die Wettbewerbsfähigkeit der USA sinkt. Das bereitet Trump Sorgen, vor allem im Hinblick auf China: "Unsere Unternehmen können mit ihnen im Moment nicht konkurrieren, weil unsere Währung zu stark ist", sagte er einem Interview mit dem Wall Street Journal.
Auf solche Widersprüche will die US-Presse in Zukunft besonders achten und stellt massenhaft neue Redakteure und Investigativjournalisten ein. Diese sollen auch die Interessenkonflikte seines milliardenschweren Kabinetts unter die Lupe nehmen. Die Mitglieder verfügen zusammen über 14 Mrd. US-Dollar, mehr als 30 Mal so viel wie das Kabinett George W. Bush. Der designierte Gesundheitsminister Tom Price soll Geld in mehrere Gesundheitsfirmen investiert und später ein Gesetz zu ihren Gunsten unterstützt haben, berichtet die Washington Post. Der künftige Außenminister Rex Tillerson entscheidet über Sanktionen gegen Russland, die das Unternehmen Exxon Mobil, welches Tillerson führte, über eine Mrd. US-Dollar kosteten. Und gerade der als Corporate Raider bekannte Investor Carl Icahn, der vier Prozent an AIG hält, wurde als Berater für Regulierungsfragen auserkoren.
Das und angekündigte Steuersenkungen freuen die Versicherer, wie Allianz-Chef Oliver Bäte deutlich machte. Doch Trumps vom Narzissmus gesteuerte Meinung ändert sich bekanntlich schnell – auch zu bestimmten Unternehmen, deren Aktienpapiere ein Spielball seiner Zuckerbrot-und-Peitsche-Taktik auf Twitter sind. Und wenn die Börsen an die Konjunkturversprechen des US-Präsidenten nun einmal glauben und der US-Dollar steigt, dann braucht sich Trump über die Geister, die er rief, nicht wundern. (dg)
Bild: Donald Trump wird heute in das Präsidentenamt eingeführt. Neben Fans werden über in Washington über 200.000 Demonstranten erwartet. (Quelle: Gage Skidmore)
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Weitere Schlaglichter bei VWheute:

In Deutschland sind die Firmeninsolvenzen in 2016 um 6,2 Prozent auf 21.789 Fälle gesunken (2015: 23.222 Insolvenzen). Trotz sinkender Fallzahlen steigt die Schadenssumme signifikant an. Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Bürgel klettern die Insolvenz-Schäden im vergangenen Jahr auf insgesamt 27 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Plus von 54 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2015: 17,5 Mrd. Euro).
EZB-Präsident Mario Draghi hält unbeirrt an seinem Kurs der Nullzins-Politik fest. Am gestrigen Donnerstag beschlossen die europäischen Notenbanker, den Leitzins weiterhin bei null Prozent zu belassen. Dabei ließen sich die Währungshüter auch nicht von einer deutlich gestiegenen Inflationsrate im Euroraum von 1,1 Prozent Ende 2016 beeindrucken. In Deutschland stieg die Teuerungsrate gar um 1,7 Prozent.
Die Allianz hat mit der britischen Großbank Standard Chartered eine Allfinanzvereinbarung über 15 Jahre geschlossen. Die Bank wird in China, Hongkong, Indonesien, Malaysia und Singapur Schadenversicherungsprodukte der Münchener vertreiben. Die Produkte werden über das Filialnetz von Standard Chartered und eine unternehmenseigene digitale Allfinanzplattform vertrieben.
Allianz · AIG · Fed · Obamacare · Donald Trump
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