Politik & Regulierung

VDVM-Chef: IDD leistet Verbrauchern einen Bärendienst

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Wir Makler wollen nicht am Tropf der Versicherungsgesellschaften hängen". Mit dieser harschen Kritik kommentiert Hans-Georg Jenssen, Geschäftsführender Vorstand des Verbandes Deutscher Versicherungsmakler (VDVM), den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur IDD-Umsetzung. Dieser soll heute vom Bundeskabinett verabschiedet werden. VWheute fragte Jenssen, welche Folgen die Richtlinie in der Vertriebspraxis hätte.
Einen Rückschritt im jetzigen Gesetzentwurf sieht Jenssen vor allem darin, dass die Politik den Lagerunterschied zwischen Maklern und von den Unternehmen abhängigen Agenten noch stärker verwässere. Auf der anderen Seite solle es die "edlen" Honorarberater geben, die auch vermitteln dürften. "Uns erschließt sich nicht, wo dann noch die Trennschärfte zum Versicherungsmakler liegen soll", so Jenssen. Einer der Haupt-Kritikpunkte des VDVM betrifft das Provisionsgebot. Der Makler darf künftig nur noch durch Provisionen vergütet werden. Jenssen macht auf ein sehr negatives Beispiel aus Spanien aufmerksam. Dort wollten die Versicherer das Kfz-Geschäft über das Internet abwickeln.
Die Makler-Courtage wurde daraufhin auf zwei Prozent minimiert. "Das deckt", erklärt der VDVM-Repräsentant, "nicht einmal die Kosten. Die Courtage ist für unsere Mitglieder die Leitvergütung. Sie muss vor allem fair sein." Bei dem Provisionsgebot sei außerdem nicht klar, ob Gewerbe- und Industriegeschäft vielleicht doch ausgenommen sind. Was jetzt in §34 d der GewO formuliert sei, sollte ursprünglich ausschließlich die Rechtsberatung gegen Honorar ermöglichen, nicht aber die gesamte Versicherungsvermittlung.
Vor allem Honorarberater und andere neue Regelungen sind dem VDVM ein Dorn im Auge. Dazu Jenssen: "Wir halten es für deutlich verfehlt, den Honorarberater derartig auszubauen, wenn er auch vermitteln darf. Jetzt könnten sich beispielsweise Strukturvertriebe als Honorarberater registrieren lassen. Damit würden sie sich sowohl der Deckelung der Abschlussprovision als auch der Stornohaftung entziehen." Das sei kein Verbraucherschutz. Wenn ein Makler bisher einen Vertrag vermittelte, entfiel die Beratungspflicht des Versicherers. Das mache auch Sinn. Dieses Privileg sei gestrichen worden. Der Versicherer, der den Zuschlag bekommen habe, trete möglicherweise nochmals den Beratungsprozess los.
Jenssen warnt vor einem Gesetz in der jetzigen Form, das Makler klar benachteilige: "Wir müssen uns fragen, ob z.B. das Lebensversicherungsgeschäft dann überhaupt noch Sinn macht. Oder, ob es nicht besser wäre, insoweit gleich als Honorarberater tätig zu werden." Makler stellten ihren Kunden immer öfter bestimmte zusätzliche Dienstleistungen in Rechnung, für die sie aber keine Vergütung erhalten dürften. Mit der Förderung der Honorarberatung im IDD-Umsetzungsgesetz werde dem Verbraucherschutz ein Bärendienst erwiesen, ist sich Jenssen sicher. Ein Kunde könnte nicht zu einem Makler gehen, der Nettoprodukte aus Großbritannien anbiete, weil er das nicht vermitteln darf. "Der Makler muss die Provision von der Gesellschaft erhalten. Honorarberater, die auch vermitteln dürfen, können dagegen eine erfolgsabhängige Vergütung vom Kunden nehmen." Dafür gebe es keine Spielregeln. Das sei kein Verbraucherschutz. (wo)
Bild: Hans-Georg Jenssen, Geschäftsführender Vorstand des VDVM. (Quelle: VDVM)
VDVM · Hans-Georg Jenssen · IDD-Richtlinie
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