Unternehmen & Management

"Versicherer sind keine Zockerbuden"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Investments in Infrastrukturprojekte stehen bei Versicherern hoch im Kurs. Doch entsprechende Kapitalanlagen unterliegen strengen Regeln, erklärt Talanx-Finanzvorstand Immo Querner im Exklusivinterview mit der Versicherungswirtschaft. Die Anzahl der ausgeschriebenen Projekte sei zudem sehr begrenzt, und längst nicht jedes Angebot lohnend. Bei einem Durchschnittsinvestment von 50 Mio. Euro müsse man rund 500 Angebote durchleuchten.
VWheute: Fehlt es deutschen Versicherern grundsätzlich an Risikobereitschaft im Investment Management?
Immo Querner: Nein. Aufgrund der Verantwortung, die wir als Unternehmen für unsere Versichertengemeinschaft tragen, unterliegt die Kapitalanlage der Versicherer strengen Regeln. Versicherungsgesellschaften sind keine Zockerbuden. Die Struktur der Anlageportfolien leitet sich insbesondere aus den passivseitigen Verpflichtungen, den regulatorischen Rahmenvorgaben, Liquiditätsanforderungen und produktbezogenen Versprechen gegenüber den Kunden ab.
Auch wenn es zwischen den deutschen Versicherungsgesellschaften in ihren Geschäftsmodellen, ihrer Risikoausstattung und den internen Steuerungsprozessen sicherlich Unterschiede gibt, so spiegeln Struktur und Risikogehalt der Kapitalanlage die gestellten Anforderungen und ihre Verantwortung wider.
Die Talanx-Gruppe agiert grundsätzlich im Rahmen eines definierten Risikoappetits: Es gehört zu unserer auch im Aktionärsinteresse explizit formulierten Risikopolitik, nicht mehr als 50 Prozent unseres Risikokapitals auf Kapitalanlagerisiken im weiteren Sinne anzuwenden und die anderen 50 Prozent auf Versicherungsrisiken.
VWheute: Ob Energie-Parks, Immobilien, Flug- und Seehäfen oder Infrastrukturprojekte. Seit einigen Jahren greift Talanx verstärkt auf alternative Investments zurück. Wie groß ist die Ertragskraft, aber auch das Risiko solcher Projekte?
Immo Querner: Alternative Investments bieten uns in Zeiten niedriger Zinsen die Möglichkeit einer langfristigen Kapitalanlage mit einer attraktiven Rendite bei einem überschaubaren Risiko. Die erzielbaren Anlageergebnisse im Bereich Infrastruktur variieren je nach spezifischem Projekt. Insgesamt aber erwarten wir uns aus den bereits getätigten Investments eine durchschnittliche Rendite von fünf bis sechs Prozent.
VWheute: Teilen Sie die Kritik, dass es am Standort Deutschland an den richtigen Projekten mangelt?
Immo Querner: Ja. Die Anzahl der ausgeschriebenen Projekte ist sehr begrenzt, und längst nicht jedes Angebot ist lohnend. Die Erfahrung lehrt uns, dass wir nur bei jedem fünften Projekt zum Zuge kommen. Bei einem Durchschnittsinvestment von 50 Millionen Euro pro Projekt müssen wir rund 500 Angebote durchleuchten.
Insofern begrüßen wir jegliche Anstöße aus Richtung der Politik, private Investitionen zu ermöglichen. Die Versicherungsindustrie ist gerade als Partner für Infrastrukturvorhaben prädestiniert, denn wir können aufgrund unserer langlaufenden Verbindlichkeiten auch über lange Zeiträume finanzieren. Zudem können wir ein großes Maß an Professionalität beitragen, um die Projekte im Zeit- und Budgetplan abzuwickeln.
Im Ausland wird diese Kompetenz privater Investoren bereits vermehrt gesehen und geschätzt. In Irland haben wir beispielsweise schon Gerichtsgebäude und Kliniken finanziert. Von diesen Ansätzen könnte sich die deutsche Finanzpolitik durchaus eine Scheibe abschneiden.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Michael Stanczyk.
Das vollständige Interview mit Immo Querner über den Risikohunger im Asset-Management lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managamentmagazins Versicherungswirtschaft.
Bild: Immo Querner, Finanzvorstand der Talanx (Quelle: Talanx)
Talanx · Investment · Immo Querner
Auch interessant
Zurück
14.08.2018VWheute
Talanx: Dras­ti­sche Prämi­en­er­hö­hung in der deut­schen Indus­trie­feuer Der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern Talanx ist mit dem …
Talanx: Dras­ti­sche Prämi­en­er­hö­hung in der deut­schen Indus­trie­feuer
Der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern Talanx ist mit dem Geschäftsverlauf des ersten Halbjahes 2018 zufrieden. Ausgenommen von dieser positiven Bewertung ist jedoch die stark defizitäre …
10.10.2017VWheute
Immo Gatz­weiler verstärkt Axa Invest­ment Mana­gers Der Multi-Asset-Experte des französischen Versicherers Axa IM bekommt Unterstützung: Immo …
Immo Gatz­weiler verstärkt Axa Invest­ment Mana­gers
Der Multi-Asset-Experte des französischen Versicherers Axa IM bekommt Unterstützung: Immo Gatzweiler kommt vom Bankhaus Lampe und wird als Senior Sales Manager das Frankfurter Wholesale-Team ergänzen. Der Tätigkeitsschwerpunkt …
02.10.2017VWheute
Talanx will mittel­fristig zukaufen Herbert K. Haas und Immo Querner, Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand der Talanx, freuen sich über eine …
Talanx will mittel­fristig zukaufen
Herbert K. Haas und Immo Querner, Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand der Talanx, freuen sich über eine Kriegskasse von bis zu fünf Mrd. Euro. Dass sie diese in Zukunft für internationale Akquisen nutzen wollen, verrät die Talanx-Führung …
22.03.2017VWheute
Querner: "Anpas­sungs­be­darf sehe ich bei den Aufse­hern" Was kommt nach einem Jahr Solvency II und welche Folgen hatte die Reform – der GDV hat zu …
Querner: "Anpas­sungs­be­darf sehe ich bei den Aufse­hern"
Was kommt nach einem Jahr Solvency II und welche Folgen hatte die Reform – der GDV hat zu beidem eine klare Meinung: Die Unternehmen sind gut in Solvency II gestartet und die Reform müsse erst in der Praxis wirken, bevor …
Weiter