Schlaglicht

Insurtech-Erklärung: Verzweifelter Schrei nach Liebe

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Erstmals kamen 26 Insurtech-Unternehmen zusammen und unterzeichneten die "Berliner Digital-Erklärung", ein Forderungskatalog an Versicherer. Ganz oben auf der Liste: Die Bestandsübertragung an die neuen Player soll beschleunigt werden. Verständlich, schließlich sind die meisten Start-ups reine Online-Makler. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass Versicherer sich das Tempo ihrer Digitalisierungsprozesse durch Insurtechs diktieren lassen.
Um sich als digitaler Makler durchzusetzen, müssen Knip, Asuro und andere Anbieter alle von den Versicherern per Post zugeschickten Policen der Kunden erst einscannen. Daran habe sich bis heute nur wenig geändert. Als Pacemaker der Branchendigitalisierung wollen Insurtechs diese Missstände mit einem Forderungspapier in Richtung Versicherungswirtschaft beheben und hoffen, dass die Politik ihre Eigeninitiative unterstützt.
Dabei klingt die "Berliner Digital-Erklärung" wie ein verzweifelter Versuch, sich am Markt Gehör zu verschaffen und das Geschäftsmodell zu retten. "Die Versicherer sollen den Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur beschleunigen, um letztlich die Bearbeitungszeiten von datenbezogenen Dienstleistungen zu reduzieren", heißt es in dem Papier, welches einzig Financefox nicht unterschrieb, weil es "nicht ausformuliert" sei. Angetreten um die Versicherungsbranche zu revolutionieren, verfallen Insurtechs in Ohnmacht angesichts der Abhängigkeit von den großen Playern. Diese wiederum betrachten die Newcomer nicht als Konkurrenz, gehen mit ihnen Vertriebspartnerschaften ein oder übernehmen gleich den ganzen Laden, wie W&W kürzlich bei treefin.
Denn im Kerngeschäft der Versicherer, bei Versicherungsangeboten, liegen die besten Chancen der Insurtechs nur in Nischenbereichen wie situativen oder Community-basierten (P2P-)Ansätzen wie bei Friendsurance, lautet das Fazit einer Studie von Oliver Wyman und Policen Direkt. Das war es auch schon mit der Disruption. Auch Bafin-Präsident Felix Hufeld kann nur wenig Innovatives an den neuen Playern erkennen, nur den Vertrieb werden sie verändern, sagte er im VWheute-Interview.
In der Tat haben Insurtechs gerade im Versicherungsvertrieb leichtes Spiel. Viele ältere Makler drücken sich vor der Digitalisierung, dabei haben sie in ihrem Arbeitsalltag mit Herausforderungen zu kämpfen, die sie ohne geeignete technische Unterstützung nicht mehr meistern können, sagt Versicherungsexperte Matthias Beenken.
"Alteingesessenen Maklern fehlt die digitale DNA und sie werden ihre Kundenstämme nicht verteidigen können", prognostiziert Knip-Chef Dennis Just. Der digitale Angriff der jungen Wilden gilt somit den Offline-Maklern, nicht etablierten Versicherern. Deren Kapital, Kauflaune und Kooperationsbereitschaft, bestimmt nach wie vor die Existenz der Insurtechs. (dg)
Bildquelle: berliner-digital-erklaerung.de
__________

Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Investments in Infrastrukturprojekte stehen bei Versicherern hoch im Kurs. Querner kritisiert, dass die Anzahl der ausgeschriebenen Projekte sehr begrenzt sei, und längst nicht jedes Angebot sich lohne. Bei einem Durchschnittsinvestment von 50 Mio. Euro müsse man rund 500 Angebote durchleuchten.
Rund jeder vierte Kicker ist nach seiner aktiven Karriere pleite oder überschuldet, berichtet die Fußballervereinigung VDV. Schuld an der Misere sind häufig schlechte Finanzberater. Viele Akteure, sehen in zweifelhaften Reality Shows einen letzten Ausweg zur Aufbesserung knapper Budgets. Nun trifft auch Thomas Häßler diese zweifelhafte Ehre. Am Freitag zog der Weltmeister ins Dschungelcamp.
Viele Marktbeobachter betrachten Drohnen als eine weitere, für den Versicherungsmarkt zukunftsweisende Technologie. Laut PricewaterhouseCoopers haben Drohnen vor allem in der Schadenabwicklung ein großes Zukunftspotential.
Allianz-CEO Bäte über Trump, Jobverluste bei der Allianz und Zinsen.
Digitalisierung · Online-Makler · Knip · Clark · Financefox · Insurtech
Auch interessant
Zurück
30.11.2018VWheute
Clark erobert Spar­kasse endgültig Die 1822 Direkt war er erste Schritt, nun folgt der Zweite mit der Sparkassen-Finanzgruppe. Nach Informationen …
Clark erobert Spar­kasse endgültig
Die 1822 Direkt war er erste Schritt, nun folgt der Zweite mit der Sparkassen-Finanzgruppe. Nach Informationen einer großen deutschen Wirtschaftszeitung haben sich "die öffentlichen Versicherer" für eine Zusammenarbeit mit Clark und dessen …
24.10.2018VWheute
Clark verein­bart Working-Capital-Finan­zie­rung mit der Deut­schen Handels­bank Eine neue Partnerschaft mit Insurtech-Beteiligung: Die Deutsche …
Clark verein­bart Working-Capital-Finan­zie­rung mit der Deut­schen Handels­bank
Eine neue Partnerschaft mit Insurtech-Beteiligung: Die Deutsche Handelsbank stellt die Finanzierung des steilen Wachstums des digitalen Versicherungsmanagers Clark sicher, schreibt das Unternehmen. …
20.09.2018VWheute
"Bonner Erklä­rung": Vermittler lehnen Provi­si­onde­ckel einstimmig ab Der Beschluss kommt wenig überraschend: Auf dem 14. "Bonner Spitzentreffen" …
"Bonner Erklä­rung": Vermittler lehnen Provi­si­onde­ckel einstimmig ab
Der Beschluss kommt wenig überraschend: Auf dem 14. "Bonner Spitzentreffen" haben sich die rund 40.000 versammelten Versicherungsvertreter klar gegen einen Provisiondeckel in der Lebensversicherung …
24.08.2018VWheute
"Mit den Makler-Part­ner­schaften setzen wir unsere Wachs­tums­stra­tegie fort" Das Insurtech Clark will künftig stärker mit Versicherungsmaklern …
"Mit den Makler-Part­ner­schaften setzen wir unsere Wachs­tums­stra­tegie fort"
Das Insurtech Clark will künftig stärker mit Versicherungsmaklern zusammenarbeiten. Dazu hatte das Unternehmen erst kürzlich den saarländischen Makler Malburg übernommen. VWheute hat exklusiv mit CEO …
Weiter