Politik & Regulierung

Hüther: "Trump wird liefern"

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Götterdämmerung in Washington: Während sich der scheidende US-Präsident Barack Obama mit einem wuchtigen wie emotionalen "Yes we can" von seinen Anhängern verabschiedet hat, präsentierte sich sein Nachfolger Donald Trump bei seinem ersten öffentlichen Auftritt so, wie er unlängst twitterte. IW-Direktor Michael Hüther geht jedoch davon aus, dass Trump "Kernthemen seiner Versprechen liefern wird."
VWheute: Was halten Sie von der Reizfigur Donald Trump?
Michael Hüther: Trump hat sich mit seinem Reden voller Lügen und Invektiven den Raum des zivilen Miteinanders verlassen. Das war unerträglich und wird über den Wahltag hinaus das politische System der USA belasten. Den Reden werden aber Taten folgen. Es nicht davon auszugehen, dass er – wie manche deutsche Kommentatoren erwarten – gänzlich von den Sachzwängen eingeholt werden wird. Die ersten Personalentscheidung und Äußerungen lassen erwarten, dass er Kernthemen seiner Versprechen liefern wird.
VWheute: Für den deutschen Wirtschafts- und Finanzmarkt sind die USA einer der wichtigsten Handelspartner und mit ihrem Silicon Valley vor allem im Hinblick auf die Digitalisierung ein großes Vorbild. Zu einem Bruch beider Partnerstaaten wird es nicht kommen. Wie hoch aber schätzen Sie das Risiko ein, dass sich die transatlantischen Wechselwirkungen hier deutlich abkühlen?
Michael Hüther: Das transatlantische Verhältnis war schon unter Obama nicht ungetrübt. Die Forderung, Europa müsse und könne mehr für die eigene Sicherheit tun, war auch schon von dort zu hören. Wenn die NATO-Architektur aber grundsätzlich in Frage gestellt wird, dann hätte das eine neue Qualität. Davon blieben die ökonomischen Beziehungen nicht unberührt. Derzeit sind die USA für den deutschen Export höchst bedeutsam. Das wird man so einfach nicht fortschreiben können. Unternehmen aus Deutschland werden sich anderen Ansprüchen und Vorschriften aus den USA gegenüber sehen, beispielsweise bezüglich Local Content. Bei der Digitalisierung geht Deutschland mit der Industrie 4.0 seinen eigenen Weg. Da wird man sehen müssen, mit den Fortschritten bei der Robotics und der künstlichen Intelligenz im Silicon Valley mitzuhalten. Kurzum: Die transatlantischen Beziehungen werden sich so stark wie lange nicht ändern.
VWheute: Deutschland braucht Amerika. Braucht Amerika Deutschland auch? Was können die USA vom Standort Deutschland lernen?
Michael Hüther: Einerseits ist die Staatstätigkeit in den USA unterkritisch, vor allem, wenn man die große Bedeutung der Militär- und Sicherheitsausgaben bedenkt. Die Infrastrukturmängel sind auch in Palo Alto – instabiles 4G-Netz, Verkehr, Raumplanung und Zersiedelung – greifbar. Andererseits fehlt die duale Berufsausbildung mit entsprechend attraktiven Einkommensperspektiven als wertgeschätzte Alternative zur Hochschulausbildung. Das wird hier auch anerkannt, es bewegt sich aber nicht wirklich etwas. Die Prekarisierung der industriellen Mittelschicht hat hier eine wesentliche Ursache.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Michael Stanczyk.
Bild: Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (Quelle: IW)
USA · Michael Hüther · Donald Trump
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