Schlaglicht

Britische Versicherer kapitulieren

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Angesichts unkonkreter Vorstellungen der Premierministerin Theresa May zum Brexit-Prozess ziehen Versicherer und Banken Konsequenzen: Sie geben das bisherige Ziel auf, den vollen Zugang zum europäischen Binnenmarkt zu behalten. Es gebe keine realistische Chance auf die Erhaltung der vollen Passporting-Rechte, sagt die einflussreiche Interessenvereinigung CityUK. Stattdessen machen sie sich jetzt für das Äquivalenzprinzip stark.
Die Lobbygruppe hatte zuvor gefordert, die Passporting-Rechte nach dem Brexit komplett zu bewahren. Diese Regeln ermöglichen Firmen, die ihren Firmensitz in England haben, ohne Genehmigungen Geschäfte in der EU zu machen. Hat Großbritannien keinen Zugang mehr zum Binnenmarkt, verlieren die Geldhäuser die Passporting-Möglichkeit von London aus. Die CityUK fordere nun nur noch einen beschränkten Marktzugang für einige Finanzbereiche.
Der Vorstoß ist der erste große Versuch der Branche, sich gemeinschaftlich mit einigermaßen realistischen Forderungen Gehör bei der Premierministerin Theresay May zu verschaffen. Sie bevorzuge nach wie vor einen "harten Brexit", der sich aus EU-Sicht nicht mit dem Binnenmarktzugang vereinbaren lässt. "Wir wollen einen maßgeschneiderten Deal, der darauf basiert, dass die beteiligten Parteien auf regulatorischer Ebene kooperieren und gegenseitig ihre Finanzmarktregeln akzeptieren", erklärt CityUK-Chef Miles Celic. Britische Versicherer hoffen nun auf die Solvency-II-Äquivalenz, die bislang den USA, der Schweiz, Japan und den Bermudas freien Marktzugang innerhalb der EU gewährt.
Die Bafin erhalte bereits Anfragen von Banken, die sich sogar freiwillig ihrer Aufsicht unterstellen möchten. Ebenso setzen sich britische Versicherer ernsthaft mit Filialgründungen in Deutschland auseinander. Die Versicherungsbörse Lloyd's, die 2015 elf Prozent ihrer Prämien in der EU generierte, will eine EU-Vorschaltgesellschaft errichten. Fünf Standorte sind im Gespräch, die Entscheidung soll im Februar fallen. Seit dem Brexit-Votum ist ein regelrechtes Wettrennen zwischen den Metropolen Frankfurt, Paris, Luxemburg und Dublin um die Gunst der Londoner Finanzdienstleister entbrannt.
Trotz gemeinsamer Sprache und der Nähe zu London ist Dublin zu klein. Für Paris spricht, dass die französische Hauptstadt vor allem im Anleihehandel und im Fondsmanagement stark aufgestellt ist. Die Europäische Zentralbank ist dagegen am Main angesiedelt, ebenfalls die Europäische Versicherungsaufsicht. Die noch in London ansässige EBA, die Europäische Bankenaufsicht, muss sich nach der Brexit-Entscheidung auch ein neues Domizil suchen. Frankfurt wäre naheliegend (siehe POLITIK & REGULIERUNG). (vwh/dg)
Bild: Skyline der City of London (Quelle: fotolia / zoltangabor)
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Lloyd's of London · Brexit
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