Märkte & Vertrieb

Tianjin-Explosion: Tierkadaver zerstört Daimler-Autos

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Auf einer Neujahrsveranstaltung von Mapfre Global Risks sprach Gerd Kaiser, Leiter Industrieversicherung bei Daimler Insurance Services, über schwarze Schwäne. In diese Kategorie fiel die Tianjin-Katastrophe, deren Sachschäden auf sechs Mrd. US-Dollar angewachsen sind. Von den 75.000 im Hafen gelagerten Neuwagen befanden sich 7.200 der Marke Mercedes, die die Explosion überstanden, aber nicht die chemischen Folgereaktionen.
Daimler verkauft jährlich 480.000 Autos in China. Bei den 7.200 Neuwagen in Tianjin waren sämtliche Fenster einschließlich der Rahmen durch die Druckwelle zerstört. Dennoch hielten sich die Schäden in Grenzen und es sah aus, als könnten bis auf einige hundert fast alle Autos für den Verkauf aufbereitet werden.
Dies hätte jedoch eine Normalisierung der Verhältnisse am Ort des Geschehens und einen sofortigen Zugang erfordert. Stattdessen bemühte sich die chinesische Regierung offenbar, das Ausmaß der Katastrophe zu verschleiern. Der Hafen war für zehn Wochen gesperrt und den ausländischen Eigentümern war der Zugang zur Lagerware verwehrt.
Während dieser Zeit der Ungewissheit kam es zu weiteren Nachwirkungen der Explosion: Die Autos waren chemischen Reaktionen und Dämpfen ausgesetzt, außerdem verrotteten große Fleischbestände aus einem benachbarten Kühlhaus. Die Tierkadaver lagen zum Teil vor dem Kühlhaus und die entsprechenden Wohlgerüche setzten sich insbesondere in den Autos fest, deren Scheiben zerborsten waren.
Die Autos entsprachen einem Wochenumsatz und wurden dringend für den Markt benötigt, sollten daher aufgearbeitet werden. Jedoch stellten chinesische Stellen hohe Anforderungen für einen künftigen Verkauf als Neuwagen, wie beispielsweise chemische Tests, die nur unter Anwesenheit von chinesischen Experten erfolgen dürfen sowie ein chinesisches Unbedenklichkeitszertifikat in Höhe von 1.500 Euro pro Auto.
In diversen Untergruppen beschäftigte man sich bei Daimler mit der möglichen Rekonditionierung, den finanziellen Auswirkungen sowie mit der Versicherungsdeckung. Zu Labor-Tests wurde ein Sample von 20 Autos nach Deutschland gebracht, aber auch diese brachten keine volle Klarheit. Stattdessen entbrannte ein Expertenstreit über die Methoden der Reinigung. Allerdings wiesen Tests nach, dass das bloße Parken von nicht involvierten Neuwagen in Schanghai die Konzentration von Chemikalien höher ansteigen lässt als bei den in Tianjin betroffenen Wagen gemessen wurde.
Ende 2016 fiel die mit dem Versicherer abgestimmte Entscheidung von Daimler,die beschädigten Autos nicht mehr zu vermarkten und sie alle zu verschrotten. Dies konnte allerdings auch nicht in China, einem Land mit einer großen Stahlindustrie, umgesetzt werden.  Derzeit kommen wöchentlich 200 bis 300 Wagen zur Zerlegung und Verschrottung zurück nach Stuttgart. Vom Schaden bis zur schließlichen Einsicht, dass es sich unter den genannten Umständen wohl um einen Totalschaden handele, hatte es 14 Monate gedauert. (cpt)
Bildquellen: dg/cpt
China · Daimler · Daimler Insurance Services GmbH · Tianjin-Explosion · Tianjin
Auch interessant
Zurück
18.06.2019VWheute
Art Basel: Drei­jäh­rige zerstört Kunst­werk im Wert von 50.000 Euro Auf der Art Basel werden bis zu 20 Mio. Dollar teure Kunstwerke verkauft. …
Art Basel: Drei­jäh­rige zerstört Kunst­werk im Wert von 50.000 Euro
Auf der Art Basel werden bis zu 20 Mio. Dollar teure Kunstwerke verkauft. Entsprechend hoch sind die Sicherheitsstandards. Umso verwunderlicher ist es, dass ein Kleinkind ungehindert an eine Skulptur …
04.06.2019VWheute
"Je mehr Services über das Internet ange­boten werden, desto inter­es­santer ist der Angriff auf diese" Cloud-Lösungen spielen in Unternehmen eine …
"Je mehr Services über das Internet ange­boten werden, desto inter­es­santer ist der Angriff auf diese"
Cloud-Lösungen spielen in Unternehmen eine immer größere Rolle. Oliver von Ameln, Geschäftsführer der adesso insurance solutions GmbH, hält die "Cloud-Technologie neben der …
06.05.2019VWheute
"Die große Angst der Disrup­tion ist mitt­ler­weile abge­schwächt" Smart-Home-Lösungen gehören auch in der Versicherungsbranche zu Zukunftstrends. …
"Die große Angst der Disrup­tion ist mitt­ler­weile abge­schwächt"
Smart-Home-Lösungen gehören auch in der Versicherungsbranche zu Zukunftstrends. "Beim Megatrend Smart Home geht es insbesondere um drei Bereiche, nämlich der Sicherheit, Komfort und dem Energiesparen", …
25.02.2019VWheute
Degussa-Tochter über­nimmt Munich General Insurance Services Der Versicherungsmakler Prinas Montan, Tochterunternehmen der Degussa Bank, übernimmt das…
Degussa-Tochter über­nimmt Munich General Insurance Services
Der Versicherungsmakler Prinas Montan, Tochterunternehmen der Degussa Bank, übernimmt das Münchener Start-up Munich General Insurance Services. Das 2014 gegründete Jungunternehmen bietet Versicherungsmaklern …
Weiter