Schlaglicht

Lebensversicherer sind besser als Banken

Von Dominic EggerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Lebensversicherer sind für die "fortdauernde Zinsdurststrecke gerüstet", sagt Felix Hufeld. Auf dem Neujahrspresseempfang in Frankfurt am Main lobte der Bafin-Präsident die so oft gescholtene Branche. Nach dem Brexit haben die ersten Versicherer und Banken bei der deutschen Finanzaufsicht angeklopft. Ihre Eigenkapitalbasis erfolgreich gestärkt hätten die Lebensversicherer, befand Felix Hufeld zu Beginn seiner Rede.
Auch für anhaltend niedrige Zinsen seien sie gerüstet. Die Banken hingegen müssen bei dem Eigenkapital noch nachbessern. "Aussitzen ist keine Lösung", mahnte der Bafin-Präsident. Solvency II sei tatsächlich eine Zumutung für Versicherer, sagte Hufeld.
Dazu trägt die marktwertbasierte Regulierung bei. Sie wirke prozyklisch. Aber die Vorteile überwögen: Solvency II bildet Risiken besser ab und macht sie dadurch steuerbar. Die Versicherer seien in der "neuen Aufsichtswelt angelangt", den Weg dorthin beschreibt Hufeld als Tour de France. Ob Zumutung oder nicht: "Ein Spaziergang wird Solvency II nie werden", sagte der Bafin-Präsident. Die Gemengelage aus Niedrigzins und neuen Regeln will die Bafin "aus nächster Nähe" betrachten: Regulierung als "intensivierte Aufsicht."
Ausreichende Solvenz bei unternehmerischem Spielraum. Diese Maxime leite die Bafin bei der Regulierung von Finanzdienstleistern. Eine gute Entscheidung sei es vergangenen Samstag gewesen, die endgültige Entscheidung über den Basel-III-Entwurf zu vertagen. Schließlich müsse ein Kompromiss gefunden werden, der möglichst global in der Bankenaufsicht angewandt wird.

Versicherung im Nebenerwerb

Beim Thema Digitalisierung entpuppt sich der Bafin-Präsident als Anhänger Joseph Schumpeters. Diese berge als "schöpferische Zerstörung" auch Chancen. Mit Spannung beobachtet die Behörde, welche Glieder der Wertschöpfungskette verschwinden, welche Geschäftsfelder neu entstehen und ob die großen Datensammler als Finanzdienstleister im Nebenerwerb in den Markt eintreten werden. Auf echte Insurtech-Erstversicherer wartet die Bafin noch, sieht man einmal von dem Schließfach-Versicherer Astra-Direkt ab.
Nach dem Brexit bekommt der Standort Deutschland und die deutsche Finanzaufsicht Zulauf von britischen Banken. Verschiedene Finanzdienstleister aus London hätten schon angeklopft, verkündete Hufeld. Namen und Zahlen wollte der Bafin-Chef nicht nennen. (de)
__________

Weitere Themen im Schlaglicht von VWheute:

Soziale Verwerfungen, wachsende Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen sowie Umweltgefahren – beispielsweise durch den Klimawandel und seine Folgen – sind laut Global Risk Report 2017 des World Economic Forum (WEF) die drei Top-Trends. Sie werden die Risikolandschaft der kommenden zehn Jahre prägen. Auch Cyberkriminalität und Terrorattacken zählen laut Allianz Risk Barometer 2017 für Unternehmen zu den größten Risiken.
Der Vermögensverwalter Meag kauft 382.244 Aktien im Wert von 42,9 Mio. US-Dollar. Das ist die drittgrößte Position im Portfolio der Munich-Re-Tochter. Sorgenkind Ergo richtet sich dagegen neu in Moskau ein. Die Düsseldorfer arbeiten seit 25 Jahren in Russland und haben 3.200 Quadratmeter im Bürokomplex Silver City im Stadtzentrum der Hauptstadt bezogen.
Seit dem 1. Januar 2017 verstärkt Michael Vothknecht (48) die operative Geschäftsführung der Ecclesia Gruppe. Er übernimmt von Stefan Ziegler die Verantwortung für das bundesweite Kirchengeschäft. Zudem ist Vothknecht für den Bereich Financial Lines verantwortlich und begleitet das Geschäft in der Schweiz. Seine Karriere begann er bei der Allianz. Seit 2002 ist er für Ecclesia tätig.
BaFin · Lebensversicherer · Felix Hufeld
Auch interessant
Zurück
08.05.2019VWheute
Hufeld: "Der Erfolg einer Finanz­auf­sicht bemisst sich nicht daran, ob es ihr gelingt, jede einzelne Bank oder jeden Versi­cherer am Leben zu erhalten" Frank…
Hufeld: "Der Erfolg einer Finanz­auf­sicht bemisst sich nicht daran, ob es ihr gelingt, jede einzelne Bank oder jeden Versi­cherer am Leben zu erhalten"
Frank Grund hatte diesmal keine Marktwarnung im Petto. Im letzten Jahr warnte der Exekutivdirektor Versicherungs- und …
17.01.2019VWheute
Bafin-Präsi­dent Hufeld sieht akuten Hand­lungs­be­darf bei Pensi­ons­kassen Für Bafin-Präsident Felix Hufeld sieht in der Niedrigzinsphase …
Bafin-Präsi­dent Hufeld sieht akuten Hand­lungs­be­darf bei Pensi­ons­kassen
Für Bafin-Präsident Felix Hufeld sieht in der Niedrigzinsphase weiterhin ein erhebliches Risiko für die Versicherer und inbesondere die Pensionskassen. So hätten die niedrigen Zinsen den deutschen …
27.11.2018VWheute
Hufeld warnt vor Risiken offener Block­chains Eine Hauptsorge der Aufsichtsbehörde Bafin gilt den Risiken aus verteilten Datenbanken, bestätigte Felix…
Hufeld warnt vor Risiken offener Block­chains
Eine Hauptsorge der Aufsichtsbehörde Bafin gilt den Risiken aus verteilten Datenbanken, bestätigte Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, auf einem Forum des Deutschen Instituts für Interne …
25.10.2018VWheute
Interner Run-off: Demo­gra­phi­scher Wandel als Finan­zie­rungs­quelle Die mit der Zeit steigenden Produktionskosten von Run-off Beständen spielen bei…
Interner Run-off: Demo­gra­phi­scher Wandel als Finan­zie­rungs­quelle
Die mit der Zeit steigenden Produktionskosten von Run-off Beständen spielen bei der Entscheidung zwischen interner oder externer Durchführung eine wichtige Rolle. Neue Geschäftsfelder tragen zur Finanzierung …
Weiter