Schlaglicht

Kommt bald der gläserne Patient?

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Im Star-Trek Universum ist es bereits Realität. Ein Computerprogramm, das Menschen medizinische Entwicklung angedeihen lässt. Ganz so weit ist der E-Health-Markt heute noch nicht, doch virtuelle Dienstleistungen nehmen einen immer größeren Raum im globalen Gesundheitssektor ein. Das bestätigen auch Experten.
Bisher glänzten die deutschen Krankenversicherer noch nicht bei der Umsetzung neuer E-Health-Ideen. Obwohl in Gesprächen mit Beteiligten immer wieder die Bereitschaft zur Umsetzung signalisiert wurde, läuft es schleppend. "Die Vorstellung, was passiert, wenn der Patient durch die Digitalisierung in die Lage versetzt wird, den optimalen Austausch von Wissen und Information in der Medizin immer und überall einzufordern, endet schnell in der Feststellung, dass die analoge Medizin in der Arztpraxis oder im Krankenhaus kein Alleinstellungsmerkmal mehr genießen wird.
Interessant ist die Stellungnahme jedoch, weil sie sich wie ein warnender Appell auch an die konservativen Gesundheitsanbieter richtet und dabei gleichzeitig ein paar Tools an die Hand gibt, wie sich diese etwas trägen Marktteilnehmer orientieren und dann auch gleich die Beine in die Hand nehmen können, um den schon in Fahrt befindlichen Zug nicht zu verpassen", sagt Sebastian Vorberg.
Allerdings gibt es auch bereits vereinzelt Positives zu berichten. "So haben im letzten Jahr insbesondere die TK, die AOK Nordost und die Barmer GEK bereits begonnen digitale Patientenakten zu unterstützen oder zu entwickeln. Dieser Trend wird Schule machen. Das unmissverständliche Votum der Unternehmensberater ist: Steige jetzt ein und entwickle die digitalen Potentiale Deines Unternehmens oder "Step out", so Vorberg weiter.
Dass die E-Health-Branche großes Wachstumspotenzial bietet - die Unternehmensberatung Roland Berger rechnet auf dem US-Markt innerhalb der nächsten drei Jahre mit einer Steigerung von 80 auf 200 Mrd. Dollar auf dem US-Markt - haben auch in Deutschland die Investoren erkannt: "Noch herrscht im ersten Gesundheitsmarkt in Deutschland viel Regulierung. Aber wir sehen, dass die Marktteilnehmer wie Ärzteschafft und Krankenkassen für telemedizinische Geschäftsmodelle aufgeschlossen sind und die Politik die Rahmenbedingungen verbessert.
Jüngste Beispiele sind das E-Health-Gesetz und die Landesärztekammer Baden-Württemberg, die von dem ausschließlichen Fernbehandlungsverbot abgerückt ist und in Modellprojekten telemedizinische Behandlung zulassen will. "Das enorme Marktpotenzial und die Tatsache, dass einige regulatorischen Hürden jetzt auch in Deutschland nach und nach fallen, machen den Markt interessant. Deshalb haben wir in einer frühen Seed-Finanzierung in die telemedizinische Infrastruktur der TeleClinic investiert", sagt der Investor Michael Brehm, der unter anderem beim Kontaktnetzwerk StudiVZ tätig war.
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat sich jedenfalls zum Ziel gesetzt, die Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht verschlafen. Demnach sollen Krankenhäuser und Arztpraxen Patientendaten untereinander austauschen können, damit Diagnosen besser und schneller gestellt werden. "Wir brauchen ein deutsches Gesundheitsportal, auf dem alle wichtigen Informationen rund um das Gesundheitswesen zu finden sind – mit hoher Qualität und zugleich verständlich und leicht zu erfassen", fordert der CDU-Politiker jüngst in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Mit Blick auf die privaten Krankenversicherer warnte Gröhe jedoch: "Niemand darf in seinem Versicherungsschutz benachteiligt werden, wenn er oder sie bestimmte digitale Anwendungen nicht nutzen kann oder will". (vwh/mv)
Bildquelle: PeeF / pixelio.de
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