Schlaglicht

"Bürgerversicherung funktioniert selbst im Albtraum nicht"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die SPD hat einen Stufenplan für die Einführung einer Bürgerversicherung vorgestellt. Die Sozialdemokratin und Mitverfasserin Hilde Mattheis sieht in dem Positionspapier eine Bedingung für die Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl. Der Vorschlag der Friedrich-Ebert-Stiftung löste beim Verband der Privaten Krankenversicherungen (PKV) Furcht vor verheerenden Folgen aus.
Das Papier "Der Weg zur Bürgerversicherung –Solidarität stärken und Parität durchsetzen" weist einen konkreten Zeitablauf auf und unterscheidet sich dadurch von vorangegangenen Vorstößen: "In der jetzigen Koalition wird eine Einführung der Bürgerversicherung sehr schwierig, auch wenn wir weiter Druck auf die Union machen, sich bei der Parität zu bewegen. Ich bin aber der Meinung, die Einführung der Bürgerversicherung sollte eine Bedingung für Koalitionsverhandlungen der SPD nach der Bundestagswahl 2017 sein. Wir haben in unserem Umsetzungskonzept die wesentlichen Schritte formuliert", sagt die SPD-Abgeordnete Hilde Mattheis (siehe KÖPFE).
Der PKV-Verband sieht die Umsetzung der Idee sehr kritisch: "Die SPD-Pläne einer sogenannten Bürgerversicherung würden nicht nur die medizinische Versorgung für alle Bürger verschlechtern, sondern brächten überdies eine drastische Verteuerung der Lohnzusatzkosten insbesondere für Fachkräfte. Durch die von der SPD geplante Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze würde der Arbeitgeberanteil an den Krankenkassenbeiträgen um 46,3 Prozent explodieren – mit verheerenden Folgen insbesondere für innovative kleine und mittlere Unternehmen und deren Arbeitnehmer", sagt Stefan Reker, Sprecher des PKV-Verbandes.
Weiter führt Reker aus: "Ohne die Private Krankenversicherung hätte jede Arztpraxis in Deutschland jährlich im Schnitt 49.000 Euro weniger Umsatz. Dieses Geld wird für Investitionen in Personal und neue Technik dringend benötigt. Schon deshalb ist die Bürgerversicherung ein Irrweg. Ich kann vor einem solchen gefährlichen Experiment mit unserem Gesundheitssystem nur warnen. Das wäre wie eine Operation am offenen Herzen bei einem gesunden Patienten."
In der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft (01/2017) sagt PKV-Direktor Volker Leienbach: "Unser Land hat andere Sorgen als das funktionierende Gesundheitssystem!" Schlecht schlafen würde Leienbach wegen der Bürgerversicherung derzeit nicht. "Denn die Idee einer Bürgerversicherung funktioniert selbst im Albtraum nicht."  (vwh/mv)
Bild: Volker Leienbach (Quelle: PKV)
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