Köpfe & Positionen

"Solidarischer kann ein Gesundheitssystem nicht sein"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Vom dualen Gesundheitssystem profitieren auch die gesetzlich Versicherten. Davon ist Walter Botermann, Vorstandsvorsitzender der Alte Leipziger - Hallesche, überzeugt. Für VWheute legt er dar, wie die privaten Krankenkassen zur Stabilisierung des Systems beitragen.
"Es gibt in der Tat Verbesserungsmöglichkeiten im deutschen Gesundheitswesen. In der Dualität sind diese jedoch nicht zu suchen – ganz im Gegenteil", stellt Walter Botermann fest. Im Vergleich mit Ländern, denen Einheitsversicherungssysteme aufgezwungen worden seien, stünde Deutschland gut da. "Bekanntestes Beispiel ist der National Health Service in Großbritannien, aber auch in Spanien und den Niederlanden wurde die Absicherung der Gesundheitskosten vereinheitlicht. Es haben sich dort trotzdem zwei Gesundheitswesen entwickelt. Im Gegensatz zum deutschen System ist dort für weniger vermögende Bürger der Zugang zur medizinischen Versorgung stark eingeschränkt."
Die Folge sei beispielsweise in Großbritannien ein Ausweichen der Patienten in private Kliniken. Auch Niederländer mit grenznahem Wonhort würden häufig deutsche Ärzte aufsuchen. Anders in Deutschland: "Das deutsche Gesundheitswesen zeichnet sich hingegen dadurch aus, dass es allen Bürgern einen hohen medizinischen Standard bietet, egal welchem Finanzierungssystem sie zugehörig sind. Denn Innovationen, die Ärzte zugegebenermaßen oft zunächst für ihre Privatpatienten einführen, werden umgehend allen Patienten angeboten. Solidarischer kann ein System nicht sein. Falls die GKV die Bezahlung solcher Innovationen einschränkt, würden sicherlich alle freiwillig Versicherten zur PKV wechseln. Mit einem gesetzlichen Einheitssystem ist eine Verschlechterung für alle absehbar."
Wenn es im Vierjahres-Turnus, immer kurz vor den Bundestagswahlen, zur wiederkehrenden Kritik am Gesundheitssystem käme, ist es nach Botermann auch an der GKV, über Änderungen nachzudenken. Beispielsweise bei den langen Wartezeiten von Patienten beim Facharzt: "Hier stellt sich die Frage, warum die GKV mit 90 Prozent Marktanteil keine Verkürzung durchsetzen kann."
Korrekturbedarf sieht der Vorstandsvorsitzende auch im Fall des illegalen "Upcoding", bei dem Krankheitsbilder von Patienten zugunsten höherer Ausschüttungen aus dem Gesundheitsfonds manipuliert wurden. "In unvorstellbarer Weise und vor aller Augen wurde hier ein staatliches Finanzinstrument umgewandelt zu einem Schummelfonds, aus dem sich einige gesetzliche Kassen kräftig bedient haben. Bezahlt wird dies von den Mitgliedern aller Kassen und von den Arbeitgebern. Niemand sollte ernsthaft glauben, dass es mit solchen Vorgängen vorbei wäre, wenn das Gesundheitswesen in ein staatliches Einheitssystem überführt würde."
Dass Verbesserungen auch in der PKV nötig und möglich sind, gibt Botermann gerne zu. Dabei ist er sicher: "Die private Krankenversicherung ist innovationsfähig. Das Beispiel der Tarifwechselleitlinie zeigt, dass es möglich ist, Lösungen zu erarbeiten und diese auch am Markt durchzusetzen." In der Altersrückstellung der PKV sieht Botermann einen wichtigen Beitrag zur Generationengerechtigkeit: "Wenn sich im Jahr 2040 das Verhältnis in Richtung zwei Arbeitnehmer zu einem Rentner im Umlageverfahren verschoben haben wird (heute 3:1), wird die kapitalgedeckte Alterungsrückstellung der PKV für Stabilität sorgen." (vwh/jh)
Bild: Walter Botermann, Vorstandsvorsitzender der Alte Leipziger - Hallesche, ist Befürworter des dualen Gesundheitssystems. (Quelle: Hallesche KV)
Private Krankenversicherung · GKV · Walter Botermann
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