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Prognosecheck 2016: Europäische Verwirrung absehbar

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Dass der Geschäftsmann Donald Trump neuer US-Präsident wird, hatte die Versicherungswirtschaft nicht vorhergesehen. Doch ansonsten lag die Redaktion und ihre Experten mit den Prognosen für 2016 fast überall richtig. "Die Diskussionen über den Brexit werden uns 2016 ständig begleiten", schrieb etwa Euler-Hermes-Chefvolkswirt Ludovic Subran im letzten Jahr. Gemünzt auf Großbritannien stellte er fest: "Das kommende Jahr hält Überraschungen bereit."
Eine davon war die Teilnahme des Polit­-Clowns Boris Johnson an der Brexit-Kampagne. Dass das Brexit-Votum so schnell kommen würde, hatte Subran allerdings nicht geahnt. Stattdessen rechnete der Ökonom mit einem Zusammenbruch Portugals in mehr oder weniger ähnlicher Form, wie wir das in Griechenland erlebt haben. Dank der trickreichen Anleihekäufe von EZB-Chef Mario Draghi ist es dazu nicht gekommen.
"Innerhalb Europas nehmen die Spannungen zu", schrieb Subran und lag damit goldrichtig. Die Schwellenländer schwächelten tatsächlich, wie er das vorausgeahnt hatte, in China sank die Zahlungsmoral und es kam zu den ersten wirtschaftlichen Kontakten mit dem Iran. Zur Abspaltung Schottlands von Großbritannien ist es allerdings nicht gekommen, noch nicht. Doch das Brexit-Votum hat die Kluft zwischen dem Norden und Süden der Insel vergrößert. Auch Katalonien hat sich bislang nicht von Spanien losgelöst, allerdings ist die Bewegung weiter virulent. Im September 2016 gingen dort Hunderttausende für die Unabhängigkeit auf die Straße.
IW-Direktor Michael Hüther hatte im Interview mit der Versicherungswirtschaft von einer "Krise der europäischen Staatlichkeit" gesprochen und gleichzeitig vorhergesagt, dass sich Europa wirtschaftlich behaupten kann. In der Realität schwächte sich das Wirtschaftswachstum Europas in diesem Jahr ab. Die von Hüther für China prognostizierte "Wachstumsbaisse" ist tatsächlich eingetreten.
"Stabilität vs Wachstum" schrieben wir vor einem Jahr und man muss rückblickend feststellen, dass der Fokus der Versicherer eindeutig auf Stabilität lag. Bei den Großkonzernen gingen die Umsätze zurück oder stagnierten, die Gewinne bleiben stabil. Von Dynamik ist nichts zu spüren, zumindest in den Zahlen. "Schlanker, effizienter, profitabler", schrieben wir im Dezember 2015 und genau das war es, um was sich die Versicherer im Jahr 2016 bemühten. Es gibt kaum einen Versicherer, der nicht auf die eine oder andere Weise Stellen reduziert. Aktuell laufen Abbauprogramme bei Zurich, Ergo, Axa und Generali, aber das ist nur die Spitze des Marktes. Megafusionen blieben in diesem Umfeld aus, auch hier lag die Versicherungswirtschaft richtig.
Kleine Lebensversicherer werden aufgeben und sich neue Partner suchen, schrieben wir vor einem Jahr und auch das ist eingetreten: Arag und SDK sind in der Lebensversicherung diesen Weg gegangen. Wie vorausgesagt hat die harte Abwicklung über einen Dritten ihren Schrecken verloren, überraschenderweise ist mit Fosun ein weiterer Abwickler auf den Markt gekommen, der den Konkurrenten die Show stiehlt. Die Schadenversicherung legte, wie vorhergesagt, weiter zu, auch in der Kfz-Versicherung. Das von den Wirtschaftsweisen vorhergesagte Wachstum von 1,6 bis 1,8 Prozent ist gekommen, tendenziell fiel es sogar höher aus. (ba)
Bildquelle: Eisenhans / fotolia.com
ARAG · Mario Draghi · SDK · Ludovic Subran · Michael Hüther · Donald Trump · Boris Johnson
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