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Wo Versicherer noch lukrative Spreads erzielen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Niedrigzinsumfeld und strenge Risikokapitalvorschriften machen regu­lierten Anlegern das Leben schwer. Wo können noch attraktive Investment-Renditen erzielt werden? Karl Happe, Chief Investment Officer Allianz Global Investors, schreibt exklusiv für VWheute über drei mögliche Strategien, positive Wiederanlagerenditen zu erzielen.
Die erste Strategie ist eine Diversifizierung der Holdings von Staatsanleihen: weg von Zentralregierungs-Papieren hin zu anderen Gebietskörperschaften oder staatsnahen Emittenten. Diese weisen ein ähnliches Risiko bei höherer Rendite auf. Der Grund hierfür liegt darin, dass viele dieser Institutionen – von denen Allianz GI mehr als 170 analysiert – ein vergleichsweise geringes Volumen emittieren, ihre Papiere also weniger liquide sind. Hinsichtlich der Risikokapitalhinterlegung werden viele Emittenten vom Regulator wie Zentralregierungen behandelt, sie weisen aber Renditeaufschläge von 20 bis 80 Basispunkten auf. Gleichzeitig verringern sie aufgrund ihrer Vielfalt und ihrer geringeren Losgröße die Portfoliokonzentration. Dieses Marktsegment ermöglicht auch Investitionen in ultra-lange Laufzeiten (etwa belgische SSAs mit Laufzeiten von 50 bis 100 Jahren), was wiederum mit Blick auf ein Asset-Liability-Matching sehr interessant ist. Im Gegenzug bringen diese Papiere allerdings einen erhöhten Analyseaufwand mit sich, um die Qualität der Institutionen und Titel hinreichend zu verstehen. Dies gilt vor allem auch unter Solvency II, das eine klare Risikoeinschätzung sämtlicher Emittenten von Anleihen verlangt.
Die zweite Strategie besteht in einer Erweiterung des Anleiheportfolios um globale Titel. So können höhere Renditequellen außerhalb des Euroraums angezapft werden. Investitionen in eine Mischung aus Währungen und Bonitäten/Ratings stellen eine aktive Allokation von Risikokapital auf die global attraktivsten Rendite-Risiko-Faktoren dar. Innerhalb eines Portfolios, das hinsichtlich der Solvenzkapital-Anforderungen optimiert ist, ermöglicht dies eine höhere laufende Verzinsung bei gleicher oder niedriger Risikokapitalbindung. Durch eine internationale Diversifizierung können regulierte Investoren somit ebenfalls einen Renditezuwachs generieren, selbst nach den zurzeit hohen Kosten einer Währungsabsicherung.
Die dritte Strategie liegt in Investitionen im wenig liquiden Marktsegment der Privatplatzierung. Seien es deutsche Schuldscheine, der Euro- oder US-Markt für Private Placements oder Infrastruktur-Fremdkapitalfinanzierungen: Privatplatzierungen bieten Anlegern Illiquiditätsprämien, höhere Renditen am langen Ende der Zinsstrukturkurve (für das das Angebot im Staatsanleihe-Segment dünn ist) und Zugang zu Rendite-Risiko-Kombinationen, die es in den börsengehandelten Marktsegmenten nicht gibt. Zugegebenermaßen erfordern derartige Transaktionen spezialisierte Kenntnisse. Im Gegenzug winken Investoren lukrative Spreads. Für relativ sichere Bonds im Investmentgrade-Bereich liegen die Renditeaufschläge bei 20 bis 30 Basispunkten. Bei komplexeren Strukturen kann der Aufschlag gegenüber Standard-Wertpapieren der öffentlichen Hand sogar bei bis zu 100 Basispunkten liegen.
Damit zeigt sich: Auch wenn weite Bereiche der Euro-Staatsanleihen aktuell keine positive Rendite aufweisen, können regulierte Anleger durch gezielte Anlagestrategien höhere Erträge einfahren und gleichzeitig die Portfoliorisiken diversifizieren. Sauber und systematisch aufgesetzt muss dies nicht einmal Auswirkungen auf die Risikokapitalanforderungen durch Solvency II haben.
Bild: Karl Happe, Chief Investment Officer Allianz Global Investors (Quelle: Allianz Global Investors)
Allianz · Niedrigzinsen
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