Köpfe & Positionen

Hüther: Riester wird durch Garantieklausel erschwert

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Es gibt auch in Zeiten von Niedrigzinsen attraktive Möglichkeiten der Anlage, wenn man breiter schaut – sowohl hinsichtlich der Anlageklassen als auch des Anlagehorizonts", sagt Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Die Riester-Rente steht die Garantieklausel im Wege. Das Deutsche Aktieninstitut hatte dafür plädiert, bei der neuen Betriebsrente stärker auf Aktien zu setzen.
VWheute: Ist eine Absicherung in Zeiten steigender Lebenserwartungen und niedriger Zinsen überhaupt möglich – besonders für mittlere und niedrige Einkommen?
Michael Hüther: Es gibt auch in Zeiten von Niedrigzinsen attraktive Möglichkeiten der Anlage, wenn man breiter schaut – sowohl hinsichtlich der Anlageklassen als auch des Anlagehorizonts. Wohldosiert gehören dazu auch prononciertere Risiken. Dies wird allerdings in bestimmten geförderten Anlagen (Riester) durch die Garantieklausel erschwert. Die Absicherung des biometrischen Risikos bleibt weiterhin bedeutsam. Und die Phase der Niedrigzinsen sollte sich bei normalisierenden Inflationserwartungen im kommenden Jahr dem Ende nähern. Unverändert gilt, dass private Vorsorge ein wesentliches Element der Alterssicherung ist. Beharrlichkeit in der Kundenansprache und Disziplin bei der Anlage sind die Stichworte.
VWheute: Wie wird und muss sich die gesetzliche Rente verändern, um den neuen Gegebenheiten anzupassen – sind die Pläne von Ministerin Nahles ein Schritt in die richtige Richtung? Kürzlich hatte Isabel Schnabel, Professorin für Finanzmarktökonomie und Mitglied im Sachverständigenrat, einen Renteneintritt mit 71 Jahren als unvermeidlich bezeichnet.
Michael Hüther: Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln wirbt seit längere Zeit dafür, nicht beim Renteneintrittsalter von 67 Jahren stehen zu bleiben. Es ist die schonendste Form der Anpassung an den demographischen Wandel, ohne einseitig Beitragszahler oder Rentenbezieher zu belasten. Ohnedies entspricht es der individuellen Perspektive, die sich hoffnungsvoll mit der steigenden Lebenserwartung verbindet. Die älteren Menschen sind heute schon so gut mit Geld-, Bildungs- und Zeitressourcen ausgestattet, wie keine der Vorgängergenerationen. Insofern ist die längere Erwerbstätigkeit auch angemessen angesichts der Potenziale des Alterns, die uns seitens der Gerontologie eindrucksvoll beschrieben werden. Wir müssen uns nur früh und verlässlich darauf einstellen können.
VWheute: Auf der Welt gibt es einen politischen Rechtsruck und den Hang zum Protektionismus, ist das nicht Gift für die Märkte?
Michael Hüther: Klares Ja. Denn mit dieser Haltung verbinden sich Fremdenfeindlichkeit, Abschottung und letztlich eine Absage an die Freiheit, und zwar an die Freiheit der jeweils anderen. Markwirtschaft ist wie die Demokratie ein Kind der Freiheit, auf Dauer sind beide nur gemeinsam zu denken und möglich. Dazu gehört aber auch die Offenheit nach außen, wie sie für die Europäische Union mit den vier Grundfreiheiten verankert ist.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.
Bild: Michael Hüther (Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln)
Rente · Alterssicherung · IW Köln · Michael Hüther
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