Schlaglicht

Agrarmärkte sind immer auch Wettermärkte

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Wetter macht die Ernte. Doch welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Agrarwirtschaft haben wird, ist noch nicht geklärt. VWheute hat beim deutschen Bauernverband nach einer professionellen Einschätzung gefragt. Udo Hemmerling, Stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, hat sich geäußert - auch zum Thema Absicherung der Landwirte:
Die wirtschaftliche Lage der deutschen Landwirtschaft blieb auch im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2015/16 sehr schwierig, nachdem es schon 2014/15 zu einem starken Rückgang der Erzeugerpreise gekommen war. Für 2017 sind die wirtschaftlichen Aussichten insgesamt etwas besser, aber doch verhalten. Im Herbst 2016 standen vor allem die Ackerbaubetriebe unter Markt- und Preisdruck. Zwar hat es in Europa eine unterdurchschnittliche Ernte gegeben, weltweit jedoch war die Getreideernte reichlich. Erholungstendenzen sind bei Milch und Schweinefleisch zu erkennen, weil von Asien spürbare Exportnachfrage ausgeht.

El Niño und La Niña können Agrarmärkte stark beeinflussen

2015/16 beeinflusste El Niño die Weltagarmärkte. El Niño und La Niña sind Wetterphänomene, die durch eine überdurchschnittliche Erwärmung bzw. eine überdurchschnittliche Abkühlung des Pazifikwassers entstehen. Die damit verbundenen Wetterextreme mit einerseits Dürren und Wassermangel und andererseits Kälte und starken Regenfällen betreffen insbesondere die Südhalbkugel. In 2015/16 waren die Auswirkungen auf die Agrarerzeugung nicht so stark wie ursprünglich befürchtet. Bei gleichzeitig guten Ernten auf der Nordhalbkugel, insbesondere USA, und Nachfrageschwäche in vielen Schwellenländern blieben die Marktauswirkungen begrenzt. Erst nach dem Jahreswechsel 2015/16 machte sich El Niño auf globalen Märkten für Soja, Mais und Zucker über kräftige Preisanstiege stärker bemerkbar. Ursache waren massive Regenfälle in Argentinien und Hitze und Trockenheit in Brasilien sowie in Südostasien.
Die Wahrscheinlichkeit, dass auf den extremen El Niño 2015/16 binnen 12 bis 24 Monaten eine La Niña folgt, halten Experten für relativ hoch. Landwirte in Europa sind von El Niño oder La Niña kaum betroffen. Sie könnten von weltweit möglicherweise steigenden Erzeugerpreisen profitieren.

Landwirte können sich absichern

Für die deutschen Landwirte gibt es wachsende Möglichkeiten zur Absicherung produktionsbedingter und preisbedingter Risiken. Im Pflanzenbau wurde das Angebot von der traditionellen Hagelversicherung zu einer umfassenden Ernteversicherung auf Sturm, Starkregen und Starkfrost erweitert. Für die Nutztierhaltung sind umfassende Betriebsunterbrechungsversicherungen bei Tierseuchen fest am Markt etabliert. Zur Preisabsicherung werden Vorverträge und Terminabsicherungen bereits heute stark im Ackerbau genutzt (Getreide, Raps). In jüngster Zeit gibt es verstärkte Bemühungen statt, vergleichbare Preissicherungsinstrumente in der Milchwirtschaft stärker zu verbreiten. (vwh/mv)
Bild: Udo Hemmerling Stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (Quelle: Deutscher Bauernverband)
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