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Kreditversicherer unter Druck

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nach einem ruhigen Schadenjahr 2016 warnen die Kreditversicherer vor wachsenden Risiken im Welthandel und durch steigende Wirtschaftskriminalität. "In diesem turbulenten Umfeld sind die Unternehmen gut beraten, die Expertise eines Versicherers zu nutzen, der ihnen als Risikonavigator einen Überblick über den Handelspartner, die Branchen und Länder liefern kann und ihnen dazu den entsprechenden Service bietet", sagt Thomas Langen.
"Das Brexit-Votum und die bevorstehenden Regierungswechsel in den USA und Italien haben die wirtschaftlichen Risiken bei wichtigen Handelspartnern Deutschlands erhöht“, so Langen, Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung des Branchenverbandes GDV und bei Atradius zuständig für das Kreditversicherungsgeschäft in Deutschland, Mittel- und Osteuropa. Kritisch sei zudem die wirtschaftliche Schwäche in vielen Schwellenländern. "Vom Schub der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) ist nur noch Indien geblieben – und Indien ist für Markteintritte auch nicht einfach", so Langen.
Für China seien nach zweistelligen Zuwächsen nur noch Raten von sieben Prozent zu erwarten. Dabei beobachte man eine schlechtere Zahlungsmoral. Mit 92 Tagen zahlten die chinesische Handelspartner fast einen Monat später als der weltweite Durchschnitt. Hinzu komme, dass weltweit immer öfter große Konzerne zahlungsunfähig werden. "Jede Großinsolvenz reißt viele kleine Unternehmen wie Dominosteine in den Abwärtsstrudel", so Langen. 2015 nahm die Zahl der Insolvenzen von Unternehmen mit mehr als 100 Mio. Euro Umsatz um 60 Prozent auf 152 zu. Der Gesamtumsatz der betroffenen Großunternehmen verdreifachte sich von auf 87 Mrd. Euro.
In Deutschland werde die Zahl der Insolvenzen 2016 um vier Prozent auf 22.200 Fälle zurückgehen. Anders als im Vorjahr rutschten 2016 vor allem kleine und mittlere Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit. Die größten Fälle (KTG Agrar, German Pellets, Textilunternehmen Steilmann und Modehäuser Wöhrl und Sinn Leffers) verursachten 40 Mio. Euro Schaden. 2017 dürfte der seit 2009 zu beobachtende Trend sinkender Insolvenzen in Deutschland stoppen und die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auf dem Niveau von 2016 stagnieren.
Auf der Basis der ersten drei Quartale rechnen die Kreditversicherer für 2016 mit einer Combined Ratio von 68 (67) Prozent. Dieser Hochrechnungen zufolge werden für das Gesamtjahr Ausfallrisiken von 451 Mrd. Euro (+ 1,5 Prozent) abgesichert. Die Zahl der Verträge der drei Sparten Delkredere, Kaution und Vertrauensschaden erhöhte sich um 7,5 Prozent auf 477.000 Policen, da zunehmend auch kleine und mittlere Firmen als Kunden gewonnen werden konnten.
Die Beitragseinnahmen wachsen um zwei Prozent auf 1,68 Mrd. Euro. Langen berichtete, dass die Vertrauensschadenversicherern elf Prozent mehr Abschlüsse erzielten. Mindestens jedes siebte Unternehmen pro Jahr wird Opfer von Kriminellen. Daher wandele sich das Schutzbewusstsein. Allein die Zahl der "Fake-President"-Fälle, bei der sich Betrüger als Entscheidungsträger eines Unternehmens ausgeben, wachse exponentiell. (lie)
Bild: Thomas Langen, Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung des GDV, auf dem Jahrespressegespräch der Kreditversicherer. (Quelle: lie)
Link: Firmenpleiten sind keine Eintagsfliegen (Tagesreport vom 08.12.2016)
Kreditversicherer · Thomas Langen
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