Schlaglicht

Sind die Lebensversicherer noch am Leben?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Von Wolfgang Otte. Die deutschen Lebensversicherer werden sicher aufatmen, wenn sie das Geschäftsjahr 2016 ohne größere Blessuren überstehen. Die niedrigen Zinsen zehren zunehmend an den Nerven von Vorständen und Aktionären. Kunden dürften sich fragen, wann und vor allem ob ihr Versicherer überhaupt noch eine angemessene Verzinsung bieten kann. Zum Glück, mag man fast sagen, sind die Ansprüche bescheidener geworden.
Die Abstrafung des italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi bei der Volksbefragung lassen weitere Unwägbarkeiten an den Finanzmärkten befürchten, ebenso wie die Diskussionen um den Zustand der EU. Die private Altersvorsorge stagniert, obwohl landauf, landab die Diskussionen über die gesetzliche Rentenversicherung die Menschen in Scharen in die private Altersvorsorge treiben müsste.
Ob die neuen gesetzlichen Regelungen für einen Verkaufsschub bei Betriebsrenten sorgen werden, wird sich erst nach deren Einführung herausstellen. Nie waren Prognosen für eine Branche, die mit der Zukunft Geschäft macht, schwieriger als heute. Das neueste Fitch-Rating bescheinigt den Lebensversicherern zwar einen stabilen Ausblick für das nächste Jahr (siehe DOSSIER). Allerdings spricht Fitch auch von einem großen Druck, unter dem die deutsche Branche steht. Die Solvency-Ergebnisse für 2016 könnten durchaus bei dem einen oder anderen Versicherer schockierend wirken.
Da klingen jüngste Veröffentlichungen aus den Häusern verhalten positiv. Sie belegen, dass ein Wirtschaftszweig, der das Thema Risiko zum Geschäftsprinzip hat, wie kaum ein anderer durchaus mit schwierigen Situationen umgehen kann. Die ersten Veröffentlichungen über die laufende Verzinsung in der Lebensversicherung für 2017 lassen erkennen, dass es zwar damit auch weiterhin nach unten geht. Eine drei vor dem Komma ist aber in einer Welt der Niedrigzinsen ein nach wie vor gutes Zeichen für die Lebensfähigkeit und die Stabilität der Lebensversicherer.
Außerdem melden Unternehmen, und nicht nur einige Größen der Branche, sogar ein steigendes Neugeschäft, wie die Alte Leipziger oder der Provinzial NordWest-Konzern. Es ist davon auszugehen, dass noch mehr Versicherer dem folgen werden. Die neue hybride Welt der Fondspolicen findet offensichtlich ihre Kundschaft.
Klaus Wiener, GDV-Chefvolkswirt, prognostiziert für das nächste Jahr steigende Zinsen und stabile Beitragseinnahmen für Versicherer. Inwieweit die Lebensversicherung davon profitieren dürfte, ist zu diesem Zeitpunkt allerdings noch Kaffeesatz-Leserei. Denn gleichzeitig merkt der Experte an, dass vor allem der Brexit und die Folgen der US-Wahl das Jahr 2017 spürbar beeinflussen werden.
Alles in allem war es nie schwieriger als heute, mit Prognosen eine Punktlandung zu schaffen. Selbst die sogenannten Experten halten sich auffällig zurück. Da könnten doch die Lebensversicherer mit einem Lichtblick in einer düsteren Finanzwelt ein gutes Zeichen setzen.
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Weitere Themen im Blick von VWheute:

Die aktuellen Cyberpolicen am Markt sind derzeit bei den Wordings sehr weit entwickelt. Allerdings konzipiere jeder Versicherer “sein Wording sehr individuell. Das macht die Situation für Kunden unübersichtlich”, kritisiert Georg Bräuchle, Geschäftsführer bei Marsh Deutschland, gegenüber VWheute. Auch der Deckungsumfang beim Diebstahl des geistigen Eigentums sei unterentwickelt.
GDV-Präsident Alexander Erdland hat nach dem gestrigen Referendum in Italien davor gewarnt, "in Panik zu verfallen". "Die Entscheidung der italienischen Bevölkerung, mit Nein zu stimmen, ist sehr bedauerlich. Übermäßige Spekulationen gegen das Land erwarte er nicht, dazu habe die EZB mit den Anleihekäufen ein zu “scharfes Schwert an der Hand."
Die Mailänder Börse öffnete am Tag danach in tiefem Rot. Besonders unter Druck: Die Titel der Finanzbranche. Zu tief sitzt der Schock über den unerwartet dramatischen Ausgang des Verfassungsreferendums. Ein Tsunami von satten 60 Prozent Nein-Stimmen bei ungewöhnlicher hoher Wahlbeteiligung spülte die Reformregierung unter Matteo Renzi aus dem Amt.
Lebensversicherer · Provinzial Nordwest · Alte Leipziger
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