Schlaglicht

Lässt die Generali Renzi fallen?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Noch vor gut einem Monat sonnte sich Italiens Premier Matteo Renzi im Glanz der großen Weltpolitik. US-Präsident Barack Obama widmete ihm ein Staatsbankett im Weißen Haus. Renzi genoss sichtlich die Bilder vom großen Staatsmann- und Obama legte den Italienern eindringlich ans Herz, dem Referendum am Sonntag zuzustimmen. Generali-Chairman Gabriele Galateri indes plädiert zaghaft für ein "Ja".
"Zweifellos befinden wir uns in einer Phase der Spannung und Unsicherheit über den Ausgang des Referendums, die unter dem Blickwinkel der internationalen Märkte nicht gerade hilfreich ist." Er halte es für richtig, fügte Galatieri hinzu, dass die Reformen, die von der Regierung mit "Jobs Act" begonnen wurden, zügig fortgesetzt würden, so wie eine Reform des Justizwesens und der Pensionen. Damit könne man dem Land jene Stabilität und Glaubwürdigkeit zurückgeben, das es dringend brauche, bekräftigte der Generali-Boss.
Doch der politische Wind hat sich radikal gedreht: Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten wirkt die Unterstützung Obamas eher hinderlich. Der Premier hat sich verkalkuliert; sein Referendum könnte zur nächsten Abrechnung mit dem Establishment werden. Die Finanzmärkte sind alarmiert. Die Renditen der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen sind in den vergangenen Woche um mehr als 40 Basispunkte (0,4 Prozentpunkte) gestiegen, doppelt so stark wie anderswo in der Euro-Zone.
Die Titel an der Mailänder Börse dümpeln vor sich hin, Bankaktien stürzten ab. Die Botschaft ist klar: Die Investoren fürchten den kommenden Sonntag. In der Finanzbranche werden nun bereits Extremszenarien durchgespielt. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, will nicht mal ausschließen, dass Italien wegen finanzieller Probleme einen Bittsteller-Gang zum Internationalen Währungsfonds (IWF) antreten muss.
Zudem könnte nach einem Scheitern Renzis und daraus resultierenden Neuwahlen infolge eine Abstimmung über die Mitgliedschaft im Euro anstehen. "Die politische Instabilität und die größere Wahrscheinlichkeit eines Euro-Referendums, eine Kapitalflucht und die fatale Abhängigkeit von Banken und Staatsfinanzen könnten in einer Abwärtsspirale münden", warnen die Ökonomen. Im schlimmsten Fall könnten die Anleiherenditen bis auf 3,3 Prozent in die Höhe schießen. Das wäre auch insofern fatal, als Italien mit 2,2 Billionen Euro die höchste Verschuldung der Euro-Zone aufweist. Jeder Prozentpunkt, den die Zinsen steigen, treibt Rom tiefer in die Schuldenfalle.
Die letzten Umfragen sehen das Nein-Lager stetig vorn. Seit gestern wabern Gerüchte durch Rom: Renzi bereite insgeheim schon seinen Rücktritt vor. In den Palazzi zirkulieren bereits die Szenarien für die Zeit danach. Den Reformern, so scheint es, kann jetzt nur noch ein Wunder helfen (siehe DOSSIER). (mf)
Bildquelle: Andrea Damm / pixelio.de
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Generali · Italien
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