Schlaglicht

Krankenversicherung sucht den Effizienz-Schalter

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Von Gerhard Reichl. Der Privaten Krankenversicherung (PKV) bläst derzeit der Wind scharf ins Gesicht. Die Zinsentwicklung und die Politik der Europäischen Zentralbank schlagen nun auch auf die Kunden der privaten Krankenversicherung (PKV) durch. Wie der PKV-Verband kürzlich bekannt gab, werden 2017 die Beiträge für rund zwei Drittel der knapp 8,8 Mio. PKV-Versicherten im Durchschnitt um etwa elf Prozent steigen.
Die Entwicklung der PKV und der Krankheitskostenvollversicherung im Speziellen ist zudem eng verknüpft mit den sozialpolitischen Rahmenbedingungen. Das Neugeschäftspotenzial in der Vollversicherung hat sich daher als Folge der Reformen im Gesundheitswesen im Zeitverlauf immer weiter verringert. Mit der außerordentlichen Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze im Jahr 2003 um 13,3 Prozent von 40.500 Euro auf 45.900 Euro hat sich die Zahl der gutverdienenden Angestellten, die sich privat versichern können, schlagartig deutlich verringert (2017: 57.600 Prozent). Dies führte dazu, dass der PKV-Markt sich seither immer mehr zu einem Verteilungsmarkt gewandelt hat.
Die größte Gruppe unter den Zugängen aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stellen weiterhin Beihilfeempfänger dar, so dass vor allem erklärte Beihilfeversicherer wie Debeka oder Huk-Coburg der negativen Marktentwicklung trotzen und als nahezu einzige Krankenversicherungsunternehmen weiterhin Bestandszuwächse in der Vollversicherung verzeichnen. Auch wenn die derzeitige Wachstumsschwäche in der Vollversicherung aus Sicht der Branche alles andere als wünschenswert ist, bringt die Entwicklung im Hinblick auf die Ertragslage auch entlastende Effekte mit sich.
In Zeiten, in denen der Verkauf von Krankheitskostenvollversicherungen zunehmend schwieriger wird, rücken Zusatzversicherungen immer stärker in den Fokus. Auch wenn die Unternehmen in diesem Geschäftsfeld hohe Ertragspotenziale haben, aufgrund der deutlich geringeren Beitragseinnahmen ist die Ergänzungsversicherung kein Ersatz für die Vollversicherung – zumindest nicht bei den vorherrschenden Kostenstrukturen, welche auf die Vollversicherung ausgerichtet sind.
Bei den meisten Krankenversicherungen resultieren mehr als drei Viertel der verdienten Beiträge aus der Vollversicherung und den damit korrespondierenden Pflegepflicht- und Krankentagegeldversicherungen. Zunehmend unter (Kosten-)Druck geraten damit insbesondere die Häuser, bei denen die Krankenversicherung, speziell die Vollversicherung, einen Geschäftsschwerpunkt im Konzern darstellt.
Allerdings hat sich die Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Krankenkassen bislang nicht über eine reine Vertriebspartnerschaft hinaus entwickelt. Größenvorteile, wie sie für die PKV-Unternehmen durch die Kooperation mit einer großen Krankenkasse zum Beispiel durch die gemeinsame Beschaffung von Heil- und Hilfsmitteln entstehen, werden nach den Erfahrungen von Assekurata wenig bis gar nicht genutzt.
Daneben reichen die bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen im Hinblick auf die datenschutzrechtlichen Bestimmungen nicht aus, gemeinsame Projekte bei der Produkt- und Leistungsabwicklung aus einer Hand sowie einen abgestimmten Vertrieb zwischen beiden Welten zu organisieren, die dann im Rahmen einer Krankenzusatzversicherung zu einem erlebbaren Mehrwert auf Kundenseite führen würden.
Dennoch zwingt der Effizienzdruck die Branche zu einer stärkeren Vernetzung, sowohl untereinander als auch mit externen Anbietern und Leistungserbringern. Zudem führt eine bessere medizinische Versorgung bei bestimmten Krankheitsbildern als klassische win-win-Situation für Kunde und Versicherer immer auch zu Kosteneinsparungen. Hierzu könnte auch die Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte für PKV-Versicherte beitragen, um den Datenaustausch zwischen den Ärzten zu verbessern und Doppelbehandlungen zu vermeiden (siehe DOSSIER).
Bild: Gerhard Reichl ist Fachkoordinator Krankenversicherung bei Assekurata (Quelle: Assekurata)
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PKV · Krankenversicherung · GKV
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