Schlaglicht

Digitale Versicherer: Abwarten ist keine Option

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Von Peter Heidkamp und Tobias Synak. Die globale Marktdynamik erhöht sich dramatisch. Alle Branchen sind hiervon betroffen und auch die Assekuranz kann sich der Entwicklung nicht entziehen. Hauptsächlicher Treiber hierfür ist die Digitalisierung und die mit ihr einhergehende Umwälzung ganzer Wirtschaftszweige. Die meisten Versicherer spüren bereits deutlich, dass sich das Verhalten ihrer Kundschaft ändert und müssen darauf reagieren.
Neben digitalen Vorreitern innerhalb der Versicherungszunft umfasst dieser zunehmend neue innovative Wettstreiter wie Insurtechs – aber auch bereits etablierte Digitalunternehmen wie z.B. Google oder Facebook. Zudem verschärfen die gegenwärtige Geldpolitik der EZB und die daraus resultierende Niedrigzinsphase, sowie die zunehmende Anzahl regulatorischer Anforderungen die Situation zusätzlich. Versicherungsunternehmen müssen sich daher immer häufiger die Frage gefallen lassen, ob sie den Anforderungen ihrer Kunden noch gerecht werden und ob ihr Geschäftsmodell auch in Zukunft tragbar sein wird.
Die aktuellen Entwicklungen sind herausfordernd. Sie müssen angegangen werden, um weiter erfolgreich am Markt agieren zu können. Aber sie bieten auch die Chance, sich bei frühzeitiger Adaption als First Mover im Markt zu positionieren. So ist es beispielsweise mit Hilfe einer konsequenten Digitalisierung des Unternehmens möglich, Prozesse effizienter und transparenter als bisher zu gestalten. Dringend benötigte Flexibilität kann durch eine konsequente Digitalisierung ermöglicht werden. So ist neben Kosten- und Geschwindigkeitsvorteilen eine bessere Fokussierung auf die Belange der Kunden möglich. Auf diesem Weg kann den geänderten Anforderungen optimal entsprochen und den digitalen Wettbe-werbern auf Augenhöhe begegnet werden.
Grundlage und Rückgrat der Digitalisierung eines Versicherers bildet eine mo-derne und anpassbare IT-Landschaft. Diese muss es ermöglichen, Geschäftspro-zesse und Kundenkanäle schnell und flexibel den Anforderungen der Kunden, der Aufsicht und des Marktes anzupassen. Nur auf diesem Wege können Innovatio-nen und neue Technologien adaptiert und den Stakeholdern zugänglich gemacht werden.
Viele Versicherungsunternehmen sind aktuell gewillt die sich stellenden Heraus-forderungen anzugehen, scheitern aber oftmals an ihrer veralteten und meist komplexen und heterogenen IT-Landschaft. Dringend notwendige IT-Investitionen wurden in der Vergangenheit vielfach hinausgezögert, weshalb IT-Systeme aus den 1970er Jahren keine Seltenheit darstellen. Anpassungen an diesen Systemen können zumeist nur noch von wenigen Spezialisten im Unternehmen durchgeführt werden und sind mit hohen Kosten und Zeitaufwand verbunden. Statt die Systeme schnell und flexibel anzupassen, sind die Unternehmen daher auf langwierige und risikobehaftete Projekte angewiesen.
Eine offensichtliche Möglichkeit zur Modernisierung der IT und folglich zur Erhöhung der Schnelligkeit und Flexibilität des Unternehmens stellt die Ablösung ver-alteter IT durch die Einführung neuer Standardsysteme dar. Ein konsequenter Ansatz, der in der Praxis jedoch häufig mit mehrjährigen Projekten und Investiti-onen in mehrstelliger Millionenhöhe verbunden ist. Kurz- bis mittelfristig stellt die Einführung neuer Systemen somit keine Lösung dar.
Da viele am Markt verfügbare Standardsysteme hinsichtlich ihrer Anpassungsfähigkeit sehr starr sind, besteht selbst nach erfolgreicher Einführung das Problem, dass zukünftige Prozessveränderungen nur mit hohem Aufwand durch Anpassung der Systeme möglich sind. Auch langfristig stellt eine umfassende Ablösung bestehender Systeme somit keine ideale Lösung dar. Kein Wunder also, dass Versicherungsunternehmen aufgrund dieser Herausforderungen vor der Einführung neuer IT-Systeme zurückschrecken und Investitionen zurückstellen.
Ein zu langes Abwarten ist jedoch keine Option – denn erste Wettbewerber innerhalb der Versicherungswirtschaft rüsten bereits digital auf und werben mit innovativen Produkten um die Gunst der Kunden. Hinzu kommen die neuen digitalen Wettbewerber. Versicherungsunternehmen sind daher zwingend auf die Möglichkeit angewiesen, heute schon schnell und flexibel in Richtung Kunde zu agieren, ohne gleichzeitig die gesamte IT-Landschaft anpassen und verändern zu müssen.
Zu den Autoren: Peter Heidkamp, ist Partner und Head of Technology bei KPMG, Tobias Synak ist Senior Manager bei KPMG.
Lesen Sie den vollständigen Beitrag im Business- und Managementmagazin Versicherungswirtschaft 11/2016 (Einzelbeitrag)
Bildquelle: C. Nöhren / pixelio.de
IT · KPMG
Auch interessant
Zurück
23.08.2019VWheute
HDI-Vorstand Dahmen: "Zwei, drei Haus­ta­rif­ver­träge werden sicher­lich nicht reichen" Welche Zukunft hat die betriebliche Altersvorsorge? Und lässt…
HDI-Vorstand Dahmen: "Zwei, drei Haus­ta­rif­ver­träge werden sicher­lich nicht reichen"
Welche Zukunft hat die betriebliche Altersvorsorge? Und lässt sich mit der Lebensversicherung überhaupt noch Geld verdienen? Im Interview mit der Versicherungswirtschaft gibt …
09.07.2019VWheute
Omni:us-Grün­derin Wahl­forss: "Wir repa­rieren keine Lecks, wir machen neu" Immer mehr Versicherer nutzen künstliche Intelligenz (KI) zur …
Omni:us-Grün­derin Wahl­forss: "Wir repa­rieren keine Lecks, wir machen neu"
Immer mehr Versicherer nutzen künstliche Intelligenz (KI) zur Optimierung der eigenen Prozesse. Dabei spielt auch die Kooperation mit Insurtechs eine relevante Rolle. VWheute hat exklusiv mit …
18.06.2019VWheute
Art Basel: Drei­jäh­rige zerstört Kunst­werk im Wert von 50.000 Euro Auf der Art Basel werden bis zu 20 Mio. Dollar teure Kunstwerke verkauft. …
Art Basel: Drei­jäh­rige zerstört Kunst­werk im Wert von 50.000 Euro
Auf der Art Basel werden bis zu 20 Mio. Dollar teure Kunstwerke verkauft. Entsprechend hoch sind die Sicherheitsstandards. Umso verwunderlicher ist es, dass ein Kleinkind ungehindert an eine Skulptur …
14.05.2019VWheute
Bunde­staat Washington narrt Haupt­stadt: Eigene KV-Option ist gleich­zeitig staat­lich und privat Amerika hat für ein hochentwickeltes Land keine …
Bunde­staat Washington narrt Haupt­stadt: Eigene KV-Option ist gleich­zeitig staat­lich und privat
Amerika hat für ein hochentwickeltes Land keine gute Krankenversicherung. Die Beiträge sind für viele Menschen nicht zu stemmen, weswegen Ex-Präsident Barack Obama einen Schutz für …
Weiter