Märkte & Vertrieb

D&O-Schadenfälle steigen sprunghaft an

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl D&O-Schadenfälle allein in Deutschland verdreifacht, besagt eine AGCS-Studie. Kein Wunder – schließlich wächst der Markt für die Managerhaftung, insofern wird die Police auch öfter in Anspruch genommen. Allerdings fördert der Staat diese Entwicklung durch verschärfte Gesetze. Wenn es richtig teuer wird, nutzt die Deckung ohnehin nichts.
Volkswagen hat alle seine Top-Manager mit einer Directors- and Officers-Versicherung, kurz D&O, ausgestattet. Nach dem Abgas-Skandal wird der Konzern nur ein Bruchteil der Milliardenkosten von der Managerhaftpflichtversicherung zurückholen. Die Deckungssummen der meisten Dax-Konzerne liegen unter 500 Mio. Euro.
In den meisten Fällen verweigern die Versicherer ohnehin die Überweisung der Schadenssumme. Es folgen lange juristische Auseinandersetzungen, schließlich wollen die Anbieter möglichst keine Fakten schaffen, auf die sich andere Unternehmen berufen könnten. Deutschland zählt, neben den USA und Australien, zu den Ländern mit den meisten D&O-Schadenfällen.
Diese sind zuletzt stark gestiegen: So verdreifachte sich die Zahl der deutschen D&O-Schadenfälle von Großunternehmen, an denen die AGCS beteiligt ist, in den vergangenen zwanzig Jahren von 40 auf rund 120 jährlich. Wesentliche juristische Ursachen für D&O-Fälle sind laut einer Analyse von 576 AGCS-Schäden weltweit (2011 bis Mitte 2016): Compliance-Verstöße, Sorgfaltspflichtverletzungen bei unternehmerischen Entscheidungen und Fehler in der Unternehmensführung.
In den 90er Jahren brachte AIG die D&O-Police nach Deutschland. Die Amerikaner sind neben der Allianz die größten Anbieter hierzulande. In Deutschland lösen häufig Korruption und Betrug sowie Wettbewerbs- und Kartellrechtsverstöße D&O-Fälle aus. Das betroffene Unternehmen, das sich mit hohen Strafzahlungen konfrontiert sieht, versucht das eigene Top-Management in Haftung zu nehmen. "Rund 80 Prozent der D&O-Fälle in Deutschland beruhen auf einem solchen Innenregress", erklärt Stephan Kammertöns, Global Head of Financial Lines Claims AGCS.
Konzerne müssen inzwischen aus rechtlichen Gründen ihre Manager in die Pflicht nehmen (Arag/Garmenbeck-Urteil des Bundesgerichtshofs von 1997), wenn sie Indizien dafür haben, dass es eine Pflichtverletzung gegeben hat. Hinzu kommt, dass die Business-Entscheidungen viel anspruchsvoller geworden sind. Neue Risiken wie Cyber- und Datenschutzvorfälle, zunehmender Aktivismus von Aktionären oder Aufsichtsbehörden sowie der Einfluss von Prozessfinanzierern steigern laut der Studie das Risiko für Führungskräfte, für unternehmerische Entscheidungen persönlich haftbar gemacht zu werden.
Durch die geplante Verschärfung der Datenschutzregulierung in Europa mit der Einführung von hohen Bußgeldern erwarten AGCS-Experten künftig eine steigende Zahl von D&O-Fällen rund um Cybersicherheit und Datenschutz. "Die Wahrnehmung ändert sich gerade, aber noch immer betrachten einige Vorstände Cybersicherheit als ein Fachthema. Doch IT-Sicherheit liegt klar im Verantwortungsbereich eines Vorstands – und wer dies auf die leichte Schulter nimmt, geht ein beachtliches Risiko ein", betont Martin Zschech, Regional Head of Financial Lines Central & Eastern Europe. Weitere neue Haftungsrisiken für Manager könnten sich aus Vorwürfen oder öffentlichen Protesten gegen ein Unternehmen wegen Umweltverschmutzung, Klimaschädigung oder Zwangsarbeit in weltweiten Zuliefernetzwerken ergeben. (vwh/dg)
Bildquelle: Rike / pixelio.de
D&O-Versicherungsmarkt · Managerhaftpflichtpolice · Stephan Kammertöns · Martin Zschech
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