Köpfe & Positionen

"Versicherer sind noch lange nicht aus dem Schneider"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Deutsche Bundesbank hat ihren Finanzstabilitätsbericht 2016 vorgelegt. Die Bank wies in Bezug auf die Versicherer auf die Durationslücke sowie auf die Schwierigkeiten in der Niedrigzinsära hin. Diesen Ball greift die Linken-Abgeordnete Susanna Karawanskij auf. Sie sieht die Versicherer noch längst nicht in sicheren Gewässern, obwohl die Politik sie schütze.
VWheute hat über den Bericht der Bundesbank berichtet, insbesondere über den Bereich Versicherungen. Dazu äußert sich Karawanskij wie folgt: "Die Versicherungsunternehmen sind noch lange nicht aus dem Schneider. Und das, obwohl die schwarz-rote Bundesregierung unter anderem mit dem Lebensversicherungsreformgesetz zu ihren Gunsten und tendenziell zulasten der Versicherten nachgebessert hat.
Zentrale Zinssätze bei Lebensversicherern sind in den vergangenen rund acht Jahren stetig gefallen. Das Zinsumfeld macht also zweifelsohne zu schaffen, aber ein beträchtlicher Teil der Probleme ist hausgemacht: Die Garantien, die Versicherer in der Vergangenheit ausgesprochen haben, waren schlichtweg viel zu hoch. Um in dem boomenden und lukrativen Neugeschäft mitzumischen, vergaßen viele Versicherer das 'Vorsichtsprinzip'. Dies konnte jedoch umso leichter geschehen, als dass es dem Versicherungssystem immanent ist, dass Erträge gebunkert und Sparern vorenthalten werden. Für Lebensversicherer sind Überschüsse der Kitt, um Risse im eigenen Gebälk auszugleichen – auf Kosten der Kunden.
Selbst wenn die durchschnittlichen Verzinsungen zurückgingen, rangieren sie immer noch auf ansehnlichem Niveau, wenn man sich beispielsweise den derzeitigen Zinssatz von zehnjährigen Bundesanleihen von 0,29 Prozent anschaut. Wichtig wird sein, dass die Versicherungen dennoch nicht über Gebühr ins Risiko gehen, um deutlich höhere Renditen auf dem Kapitalmarkt zu erzielen. Diesbezüglich betrachte ich mögliche Investitionen von Versicherungen in Infrastrukturprojekte wie Autobahnen mit Zurückhaltung.
Mehr Risiko durch nachgewiesen riskantere Anlagemodelle bedeutet zugleich mehr Risiko für die Kunden, deren Gelder primär angelegt werden. Aktionäre haben ungerechterweise da weniger zu befürchten." Zuletzt hatte Karawanskij bereits die Intransparenz der Versicherer kritisiert. (vwh/mv)
Bild: Susanna Karawanskij (Quelle: Die Linke)
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