Schlaglicht

Kühle Strategen erobern Versicherungsgipfel

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Montblanc Füller hat in der Versicherungsbranche ausgedient. Vorbei sind die Zeiten, in denen ein im Unternehmen groß gewordener Vertriebsmann hinter einem massiven, nussbraunen Schreibtisch mit einem Federstrich aus dem edlen Schreibgerät alleine über Gedeih und Verderb des Konzerns entscheidet. Längst haben Führungskräfte neuen Schlags die Gipfel erklommen.
Diese neue Generation ist akademisch gut ausgebildet, analytisch und weist oft eine Vergangenheit als Unternehmensberater auf. Das ist kein Zufall. Genau wie die Anforderungen an die Unternehmen ändern sich auch die Anforderungen an die Führungskräfte. In den Zeiten von Solvency II, IMD 2 und notwendigen internen Effizienzverbesserungen ist ein technokratisch veranlagter CEO besser geeignet als ein Vertriebskönig.
Die zunehmende Digitalisierung in der Branche, hervorgerufen durch neue Kundenbedürfnisse, hat zudem eine neuen Typ von Manager an die Spitze gespült: den IT-Spezialisten. So führte der Wirtschaftsinformatiker Martin Strobel über ein Jahrzehnt die Baloise, die Stuttgarter leitet Frank Karsten, ein Informatiker. Oft bringt das neue Führungspersonal neben den eigenen speziellen Fähigkeiten ein anderes Verständnis von Führung mit. Norbert Rollinger, designierter Vorstandschef der R+V, beschreibt das mit den Worten: "Ich sehe meine vordringliche Aufgabe darin, Rahmenbedingungen zu setzen, um meine direkten Mitarbeiter zum Erfolg zu führen."
Weitere wichtige Merkmale guter und moderner Führung sind Authentizität und Mut. "Wir brauchen Manager, die offen für Neues sind, mutig auch unter Unsicherheit Entscheidungen treffen und die Verantwortung dafür übernehmen. Gerade im mittleren Management haben wir noch zu viele Risikovermeider", sagt Matthias Beenken, Professor BWL an der FH Dortmund. Wichtig sei auch ein partizipativer Stil führt Beenken aus. Wie wichtig eine gute Kommunikation ist, zeigt das Beispiel der Allianz. Der Vorstandsvorsitzende Oliver Bäte liefert gute Zahlen, dennoch ist er im Konzern nicht unumstritten.
Eine weitere Fähigkeit eines guten Managers ist die Bereitschaft zu unpopulären Maßnahmen. Aktuell will CEO Mario Greco bei der Zurich bis ins Jahr 2019 die Summe von 1,5 Mrd. US-Dollar einsparen (siehe UNTERNEHMEN). Die Durchführung solcher Maßnahmen sorgt selten für den Gewinn des unternehmensinternen Popularitätswettbewerbs, ist aber häufig notwendig.
Hilfreich ist es, wenn ein Manager über einen transformationalen Stil verfügt, also die Mitarbeiter mitreißen und begeistern kann. Ein gutes Beispiel ist der scheidende US-Präsident Barack Obama, der in großen Teilen der Bevölkerung eine Euphoriewelle auslöste, die ihn ins Amt trug.
Das Anforderungsprofil an einen Vorstand in einem modernen Versicherungsunternehmen ist komplex: Analytisches Vorgehen, fundierte (IT-) Ausbildung und die Fähigkeit, Begeisterung zu entfachen. Die Zukunft wird zeigen, ob der Ex-Gesundheitsminister und designierte Allianz-Vorstand Daniel Bahr den neuen Anforderungen gewachsen sein wird (siehe BLICK).
Bild: Erfolgsleiter (Quelle: S. Hofschlaeger / pixelio.de)
Allianz · Daniel Bahr · Norbert Rollinger · Oliver Bäte
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